VISION 20004/2003
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Pressesplitter kommentiert

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Kriminalität stark steigend

Innenminister Ernst Strasser mußte Montag die schlechteste Kriminalbilanz seit Jahren präsentieren. 591.584 gerichtlich strafbare Handlungen wurden 2002 in Österreich registriert, um 13,2 Prozent mehr als 2001. “Unser Problem heißt Massendelikte", sagte Strasser. Vor allem strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen mit 91.159 Tatverdächtigen. Im Detail heißt das: Diebstahl: plus 22 Prozent ... nur jeder sechste konnte aufgeklärt werden; Raub: plus 35,7 Prozent, Aufklärungsquote: 27 Prozent; schwerer Raub: plus 29 Prozent , ein Drittel aufgeklärt; Betrug: plus 35 Prozent, fast neun von zehn aufgeklärt.

Die Aufklärungsquote ist generell mit 40,8 Prozent kaum merklich zurückgegangen...

Der Standard v. 17.6.03

Besorgniserregende Zahlen. Und dabei gilt Österreich als eines der sichersten Länder.


Familie und Medien

Eine Diplomarbeit ging der Frage nach, wie Österreichs Printmedien Familie thematisieren. Das Ergebnis:

So bezieht sich die Mehrheit der in den untersuchten Beiträgen getroffenen journalistischen Aussagen mit 37,8 % auf die Thematisierung von Gewalt in der Familie. An zweiter Stelle rangieren journalistische Aussagen zum Rollenverständnis von Mann und Frau, gefolgt von familienpolitischen Fragen. Dies gilt nicht nur für die Boulevardmedien Krone und Kurier (mit 68,4% und 48% der gemessenen Aussagen zu Gewalt in der Familie), sondern überraschenderweise zum Teil auch für Qualitätszeitungen. So spielte der Thematisierungszusammenhang “Gewalt in der Familie" in der Presse mit ... 36,5 % an den gemessenen Aussagen ... eine prioritäre Rolle...

beziehungsweise 5/03


Das ist sicher ein einseitiges Bild. Und diese negative Darstellung entmutigt sicher viele. Allerdings zeigen leider allzu viele Befunde, daß es um die Familien heute tatsächlich recht schlecht bestellt ist. Und das wirkt sich besonders auf die Kinder negativ aus:

Süchtig

Meist sind sie geschieden; haben in ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht; Mutter oder Vater waren selbst alkoholkrank. Die Zahl der Frauen, die vom Alkohol abhängig sind, hat in Österreich in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. ...Bei 330.000 alkoholkranken Österreichern sind das mehr als 82.000 alkoholkranke Frauen.

... Erstmals wurde in Österreich eine repräsentative Studie zum Drogenmißbrauch von Jugendlichen durchgeführt. Im Rahmen der Stellungskommission wurden in St. Pölten mehr als 2.000 junge Männer im Hinblick auf Alkohol-, Tabak- und Mißbrauch illegaler Drogen untersucht. Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Fast jeder sechste 18jährige hat bereits ein Alkoholproblem, 70 Prozent schmecken alkoholische Getränke. Ähnlich dramatisch ist die Situation beim Rauchen: 52 Prozent der Jugendlichen rauchen regelmäßig Zigaretten...

Jugendliche, die rauchen, sind doppelt so häufig alkoholabhängig wie Nichtraucher. Auch der Einstieg in illegale Drogen ist bei Rauchern höher: Raucher konsumieren 14 Mal häufiger Cannabis als Nichtraucher. Insgesamt wurde bei 5,1 Prozent der untersuchten Jugendlichen der regelmäßige Konsum von Cannabis nachgewiesen, bei immerhin 2,7 Prozent andere Opiate.

Die Presse v. 5.6.03


Und zu dieser Misere kommt noch ein neues Phänomen:

Sich selbst verstümmeln

Der Wiener Kinderpsychiater Univ. Prof. Dr. Max Friedrich steht in seiner Klinik am Wiener AKH fast täglich Kindern gegenüber, die vom Hals bis zu den Zehen mit selbst zugefügten Wunden bedeckt sind. Messer, Nadeln, Zirkelspitzen, Zangen, Rasierklingen, ja sogar die winzigen Messerchen aus dem Bleistifspitzer - was immer sie finden, wird zu Werkzeugen, mit denen sie sich die Haut oft bis tief ins Fleisch hinein verletzen. Meist wird ihr Tun erst sehr spät entdeckt, denn sie verbergen ihre Blessuren geschickt mit langen Ärmeln, Hosen und Röcken bis zum Boden.

... Der Leiter des schulpsychologischen Dienstes im Unterrichtsministerium, Dr. Franz Sedlak, selbst Psychotherapeut und Klinischer Psychologe, nennt drei ... wichtige Faktoren: Hilflosigkeit, Haltlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Dahinter stehen deprimierende Erfahrungen der jungen Leute, vor allem sexueller Mißbrauch in der Kindheit, über den 60 Prozent der Betroffenen klagen. 40 Prozent gaben an, daß Gewalt in der Familie und Mißhandlungen die Ursache für ihr “Ritzen" war. Bis zu drei Viertel der Betroffenen litten überdies an Eßstörungen.

Medizin popular 6/03


Diese vielen negativen Erfahrungen hätten dann wenigstens einen Sinn, wenn sie einen Anstoß zur Umkehr darstellten. Fragt sich nur, ob Überlegungen wie die folgende dann auch tatsächlich zu entsprechenden Verhaltensänderungen führen:

Wenn Treue wieder Sinn bekommt

Die Liebe wird uns jetzt ja so was von vermiest. Nicht nur, daß uns Aids das Fürchten lehrte. Jetzt kommen auch noch die alten einschlägigen Krankheiten wie Syphilis & Co wieder. ... Die Ergebnisse der medizinischen Forschung geben uns Antwort...: Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung steigt mit der Zahl wechselnder Liebespartner und mit der Anzahl der Partner des Partners, von denen man nicht immer etwas weiß. Es schaut so aus, als hätte Treue wieder einen neuen Sinn bekommen.

Medizin populär 5/2003


Gott nicht in der EU-Verfassung

In dem Bewußtsein, daß der Kontinent Europa ein Träger der Zivilisation ist und daß seine Bewohner, die ihn seit den Anfängen der Menschheit in immer neuen Schüben besiedelt haben, im Laufe der Jahrhunderte die Werte entwickelt haben, die den Humanismus begründen: Gleichheit der Menschen, Freiheit, Geltung der Vernunft,

Schöpfend aus den kulturellen, religiösen und humanistischen Überlieferungen Europas, deren Werte in seinem Erbe weiter lebendig sind und die die zentrale Stellung des Menschen und die Vorstellung von der Unverletzlichkeit und Unveräußerlichkeit seiner Rechte sowie vom Vorrang des Rechts in der Gesellschaft verankert haben,

In der Überzeugung, daß ein nunmehr geeintes Europa auf diesem Weg der Zivilisation, des Fortschritts und des Wohlstands zum Wohl all seiner Bewohner, auch der Schwächsten und der Ärmsten, weiter voranschreiten will, daß es ein Kontinent bleiben will, der offen ist für Kultur, Wissen und sozialen Fortschritt, daß es Demokratie und Transparenz als Wesenszüge seines öffentlichen Lebens stärken und auf Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität in der Welt hinwirken will, (...) sind die Hohen Vertragsparteien nach Austausch ihrer in guter und gehöriger Form befundenen Vollmachten wie folgt übereingekommen...

So lauten die ersten Absätze der Präambel der EU-Verfassung. Nur ja kein Bezug auf zwei Jahrtausende christlicher Prägung! Welche Aversion diesbezüglich besteht, läßt die Formulierung eines früheren Entwurfs der Präambel erkennen. Da war auch die Rede von den Überlieferungen Europas, von denen ausdrücklich nur die griechisch und römische Zivilisation sowie die Aufklärung erwähnt wurden - und nur ja kein Wort vom Christentum...


Star am Kirchentag

Man stelle sich einmal vor, der Volkswagen-Konzern würde zu seiner Aktionärsversammlung den Vorstandsvorsitzenden der BMW AG als einen Hauptredner einladen, damit er die Vorzüge seiner Automarke anpreisen kann. Ein absurder Gedanke. Auf dem Ökumenischen Kirchentag wurde er in religiöser Hinsicht Wirklichkeit: Das Mammuttreffen bot dem Dalai Lama, Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, die Gelegenheit, für sich und seine religiösen Lehren zu werben. (...) Etwa 15.000 Kirchentagsteilnehmer pilgerten zur Waldbühne. Sie feierten den Religionsführer mit stehenden Ovationen, als er die Bühne betrat und seinen “Fans" lächelnd zuwinkte. Seine Botschaft: Die Menschen sollen mit Hilfe von Intelligenz und Meditation eine Haltung des Mitgefühls entwickeln. Dadurch entstehe innerer Frieden, der der Schlüssel zum Weltfrieden sei. Das kam gut an bei den Besuchern mit orangefarbenen Tüchern (Aufschrift “Selig, die Frieden stiften").

Die Herzen der Besucher flogen dem Dalai Lama förmlich zu. Die Medien waren sich einig: Der Dalai Lama war ein oder vielleicht sogar der “Superstar des Kirchentages". Manche Kirchenoberen mögen solche Schlagzeilen als ärgerlich empfinden. Aber wer “Seiner Heiligkeit" - wie er immer wieder ehrfurchtsvoll genannt wurde - ein solches Forum bietet, darf sich darüber nicht wundern.

Kath.net v. 2.6.03


Das ist nicht nur für “manche Kirchenoberen" ärgerlich, sondern eigentlich für jeden Christen. Es ist sogar frustrierend für jene, die dem Glauben fernstehen, aber mit Interesse verfolgen, welche Positionen die Christen vertreten:

Bitte, kantiger

Niemand, der bei Sinnen ist, wird von den Fanatikern unserer Tage Glaubenseifer lernen wollen. Aber die Ecken und Kanten der eigenen Botschaft abzuschleifen, sich klein zu machen - diese Anpassungsstrategie vieler hiesiger Christen, Theologen und Kirchenführer führt in Langweile und Irrelevanz.

... Die pluralistische Gesellschaft sehnt sich geradezu nach erkennbaren Haltungen und Figuren, nach Felsbrocken im Meinungsbrei. Sie hat sich dem Lebensschutz-Rigorismus der katholischen und evangelischen Bischöfe in der Bioethik vielleicht nicht angeschlossen - doch ist sie neugierig, aufmerksam, nachdenklich geworden. ...

Der Respekt der anderen ist ohne Selbstachtung nicht zu haben. Das Christentum muß sich etwas wert sein in der Konfrontation mit Ungläubigen wie mit Andersgläubigen. Der evangelische Berliner Bischof Huber spricht gelegentlich von der “interreligiösen Schummelei", von einer falschen Bescheidenheit und Konfliktscheu im Umgang besonders mit dem Islam.

... Eine entschiedenere, selbstbewußtere Kirche - droht da nicht die Gefahr der Intoleranz? Das wäre ein Mißverständnis von Toleranz. Glaube erhebt Wahrheitsansprüche. Und Toleranz bedeutet nicht, daß es keine Wahrheit gibt, sondern daß die konkurrierenden Wahrheitsanbieter zivilisiert miteinander umgehen.

Eine moderne, liberale, offene Gesellschaft entsteht nicht dadurch, daß alle möglichst modern, liberal und offen sein wollen. Sie lebt davon, daß jeder er selbst ist, erkennbar, und deutlich redet - der Katholik wie der Protestant, der Christ wie der Muslim, der Gläubige wie der Atheist.

Die Zeit 23/03


Vom Sterben der Sprachen

Derzeit gibt es auf der Welt noch zirka 6.000 Sprachen, aber rund die Hälfte davon werden dieses Jahrhundert wahrscheinlich nicht überstehen. Laut Expertenmeinung braucht eine Sprache zum Überleben mindestens 100.000 Sprecher, da aber heute rund die Hälfte aller registrierten Sprachen bereits von weniger als 2.500 Menschen gesprochen werden, ist die Besorgnis der Unesco, die ein rotes Buch der gefährdeten Sprachen veröffentlicht hat, verständlich. (...) Rund 96 Prozent der Sprachen werden von nur vier Prozent der Weltbevölkerung gesprochen. In Europa leben heute noch 63 Sprachen, die mit Ausnahme von Baskisch, Finnisch und Ungarisch alle zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören. In Neu-Guinea hingegen, dessen Fläche weniger als ein Zehntel Europas beträgt, werden an die 1.000 Sprachen (nicht Dialekte!) gesprochen, die sich auf 60 Großgruppen verteilen. (...)

Academia Mai 2003

Wer hätte gedacht, daß es in Neu-Guinea mehr als 15 Mal so viele Sprachen gibt wie in Europa? Und dabei bereitet die europäische Sprachenvielfalt solche Probleme, etwa jetzt bei den Dolmetsch-Diensten in Brüssel nach der EU-Erweiterung.


Bisher noch keine Waffen gefunden

Gelinde gesagt irritierend sind ... die Erklärungsversuche der Verantwortlichen, die kürzlich noch mit apokalyptischen Bildern die Dringlichkeit des Krieges begründet hatten. Eigentlich sei es gar nicht um die Massenvernichtungswaffen gegangen, teilte der “Falke" und stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz in einem Interview mit. Vielmehr sei das Thema Massenvernichtungswaffen “das einzige Argument" gewesen, auf das sich - auch die “Tauben" im Außenministerium von Colin Powell - einigen konnten. Das Interview schlug in Washington wie eine Bombe ein, da Wolfowitz hier gemeinhin als Architekt der Irak-Strategie angesehen wird. ... Pentagon-Chef Donald Rumsfeld meinte vor einem Expertenkreis des Rates für Auswärtige Beziehungen in New York, vermutlich habe Saddam Hussein die Waffen vor dem Krieg zerstört und räumte ein: “Letztlich wissen wir nicht, was mit den Waffen geschehen ist."

SN v. 2.6.03

Die wegen des Besitzes von Massenvernichtungswaffen von Saddam ausgehende Gefahr war ein entscheidender Kriegsgrund. In dieser Frage sind die USA der Welt Rechenschaft schuldig. Diese einzumahnen, ist kein Ausdruck von Anti-Amerikanismus.


Zum Abschluß noch eine kuriose Beobachtung aus der großen Wirtschaftswelt:

Karriere kostet Haare

Karrierefrauen, die täglich alles geben müssen, um im Beruf ihren Mann zu stellen, kämpfen mit einem kosmetischen Problem: Wie jüngste Studien zeigen, bewirkt chronischer Streß im Chefsessel eine vermehrte Ausschüttung von männlichen Sexualhormonen. Und was beim starken Geschlecht zu Geheimratsecken, hoher Stirn und Glatze führt, macht leider auch vor der weiblichen Lockenpracht nicht halt. Vermehrter Haarausfall setzt nachweislich immer mehr gestreßten Managerinnen zu.

Medizin populär 6/03

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