VISION 20006/2004
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Leserbriefe

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Therapeuten sind nicht Seelsorger

Leider reagiere ich etwas spät auf meinen Leserbrief, den Sie in der letzten “Vision" veröffentlicht haben - wofür ich Ihnen dankbar bin. Dennoch ist es mir ein Anliegen, Ihnen zu vermitteln, daß es mir leid getan hat, daß ein Satz herausgestrichen (also nicht veröffentlicht) wurde, der mir sehr wichtig war, nämlich, daß ich es als Therapeutin nicht als meine Aufgabe sehe, den Menschen näher zu Gott zu bringen, sondern dies wohl Aufgabe des Seelsorgers bleiben muß.

Ich hoffe, Sie mißverstehen mich nicht: Ich versuche meinen Glauben sehr ernst zu nehmen, gerade deshalb ist es mir ein Anliegen, in der therapeutischen Situation Therapie und Religion voneinander zu trennen. Die Erfahrung hat mir da immer recht gegeben. Es gibt genügend gläubige Menschen mit psychischen Problemen, die aus einer falsch verstandenen Religiosität heraus meinen, durch ein vertieftes Innenleben auch ihr psychisches Problem in den Griff bekommen zu können. Wie froh ist manch einer meiner gläubigen Patienten, daß ich ihn vom “Schuldgefühl" befreie, psychische Schwierigkeiten zu haben...

Jutta Körner, Email: juttakoerner@gmx.at


Die Botschaft in kleinen Dosen

Immer wieder lese ich mit Interesse Ihre Artikel. Danke auch für die Artikel zum Thema Sexualität. Es ist auch in der Geistlichen Begleitung sehr herausfordernd, nicht mit psychologischen Begriffen zu argumentieren, sondern der christlichen Botschaft treu zu bleiben. Immer wieder bedarf es meinerseits einer behutsamen Form der “Übersetzung", damit der Mensch, der mir gegenübersitzt auch die Erfahrung macht, dort abgeholt zu werden, wo sie oder er gerade steht. Jede Nahrung ist nicht für jedes Lebensalter gleich gut. So auch die christliche Botschaft. Stetig in kleinen und regelmäßigen Dosen, die dann größer werden, zu sich genommen, erhält sie langfristig die Gesundheit und schenkt ewiges Leben. Danke für alle Anregungen, die ich durch Ihre Artikel bekomme.

Sr. Heidrun Bauer SDS, Atelier&Geistliche Begleitung, A-9342 Gurk, Domplatz 11/1.Stock Propsthof


Heilung an der Wurzel

Danke für das mutige Zeugnis meiner Kollegin Rosa Stummer! Was sie sagt, kann ich als Internist nur 100fach bestätigen: Das Heilungsangebot der Kirche ist einmalig und noch dazu gratis! Für die Heilung “an der Wurzel" ,vor allem bei psychischen Leiden, halte ich die Selbstannahme für entscheidend. Der beste Therapeut kann mir niemals dieses Angenommensein vermitteln, das ich in einer persönlichen Liebesbeziehung zu Jesus erfahre. Denn es ist dieses mich bedingungslos geliebt wissen, das mir erst die Selbstannahme ermöglicht und mich gesund macht.

Auch erwähnt Frau Dr. Stummer das einmalige Heilsangebot, das uns durch die Beichte geschenkt wird. Meine Schuld bzw. Schuldgefühle, die sich ja bekanntlich, wenn sie verdrängt werden, destruktiv auswirken und zum Beispiel Depressionen hervorrufen können, tilgt ebenfalls eine noch so gute Psychotherapie niemals. Denn Schuld kann nur Gott vergeben. Daher dreht sich oft lange alles im Kreis, der Patient geht womöglich jahrelang für teures Geld zur Therapie, während er vielleicht bei einer guten Beichte im Nu gratis geheilt worden wäre.

Dr. Michael Nebehay, Internist, A-4560 Kirchdorf


Macht Kranken das Leben schwer

Der Artikel von Rosa Stummer hat mich befremdet. Der ganze Beitrag wirkt auf mich undifferenziert, pauschalisierend, belehrend. Als Krankenschwester habe ich täglich mit schwerkranken und -leidenden Menschen zu tun, die einen tiefen Glauben haben und täglich um Gesundheit beten. Solche Menschen fühlen sich bei der Lektüre eines solchen Artikels nur noch schlechter. Sie quälen sich mit Fragen, wie: “Habe ich denn zu wenig Glauben, daß ich nicht gesund werde? Habe ich wirklich nicht ganz vergeben, daß mir nicht geholfen wird? Darf ich denn nicht einmal eine Alternativmedizin versuchen, wo Medikamente nur kränker machen (Nebenwirkungen)?" Viele Heiligen waren doch auch ein Leben lang krank. Waren sie denn seelisch-geistig unversöhnt, zu wenig gläubig? Und die heilige Hildegard, die selbst sehr viel krank war, empfiehlt zum Beispiel bei Zorn auch verschiedene Mittel und schickt die Menschen nicht einfach nur zur Beichte, wie Frau Stummer dies tut.

Maria Odermatt, Schweiz

Mit Bezug auf die Wirkung der Sakramente schreibt Stummer: “Es werden die Sünden vergeben - und wenn es im Willen Gottes ist, wird nicht nur die Seele des Kranken, sondern auch sein Körper geheilt."


Ruhen im Geist

Herr Pfarrer Pietrek spricht dem “Ruhen im Geist" prinzipiell mögliche positive Hintergründe ab. Er nennt als Gründe verschiedene psychologische und auch dämonische Faktoren. Schon vor 15 Jahren hat sich der theologische Ausschuß der Charismatischen Erneuerung Deutschland, der ich angehörte, mit diesem Phänomen befaßt. Prof.Heribert Mühlen, Prof. N.Baumert SJ, Pater Dr.J.Sudbrack SJ und andere kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Eine klare dämonische Ursache wurde jedoch nicht angenommen. P.Dr.Michael Marsch verweist auf das Umfallen der Apostel auf dem Verklärungsberg (Matth 17,6).

P.Dr.Jörg Müller SAC, Freising, mueller.js@gmx.de


Tiefe, persönliche Gotteserfahrung

Herr Pfarrer Pietrek meint in seinem Leserbrief “Dubioses Umfallen", daß dieses nach einer Segnung auftretende Phänomen nicht als “Ruhen im Geist" bezeichnet werden könne, ja, daß der Segnende sich hier möglicherweise “zum Werkzeug des Bösen" machen ließe. Solchen Verdächtigungen steht die nachprüfbare Tatsache gegenüber, daß viele beim “Ruhen im Geist" eine tiefe persönliche Gotteserfahrung machen, daß sie gewissermaßen von Gott berührt werden und daraufhin ihr Leben eine ganz neue Wendung und eine Neuausrichtung auf Gott nimmt. Deshalb ist der Gedanke, daß hier der Böse am Werk sei, einfach absurd. Ich halte es aber auch als sehr bedenklich, wenn man dort, wo der Geist Gottes wirkt, ein Wirken des Bösen sehen will.

Pfr. Dr. Hansmartin Lochner, D-82549 Königsdorf


Habe wieder Hoffnung

Für die September-Nummer möchte ich mich herzlich bedanken. Sie befassen sich mit dem so heiklen Thema Sexualität in einer von echter christlicher Gesinnung und klarer Bewußtheit für die zentrale Stellung der Familie verantwortungsbewußten Weise, daß ich wieder ein wenig Hoffnung schöpfen kann im Hinblick auf eine mögliche Neuevangelisierung des ehemals christlichen Abendlandes. Entsetzt bin ich über die Anweisungen der Aufklärungsbroschüre des Sozialministeriums. Wenn man selbst einmal Verantwortung für junge Menschen getragen hat und weiß, wie wichtig die Vermittlung echter sittlicher Werte ist, dann begreift man, welch furchtbare Zerstörungsarbeit an den jungen Menschen hier getätigt wird. Besonders dankbar bin ich auch für den Artikel von Frau Kuby über den Zölibat, der auch für mich unverzichtbar ist.

Dr. Ulrike Schmidt, A-1140 Wien


Bin begeistert

Ich las gerade die Ausgabe 5/04 und bin begeistert! Die katholische Klarheit, die Treue zum Lehramt und die geistliche (+menschliche) Tiefe, die VISION 2000 auszeichnen, sind heute überaus wichtig. Ich möchte gerne die Zeitschrift abonnieren.

Christoph Mühlbauer, Priesterseminar St. Hieronymus, Stauffenbergstr. 8., D-86161 Augsburg


Muß meiner Wut Luft machen

Ich muß meiner Wut Luft machen. Im Artikel “Reden wir ruhig über Sexualität - es lohnt sich" gibt es die Textstelle: “... das Überhandnehmen von perversen Verhaltensweisen (gleichgeschlechtliche Beziehungen, Mißbrauch von Kindern, Vergewaltigungen..."). Daß der Autor, Christof Gaspari, gleichgeschlechtliche Beziehungen als perverse Neigung (wohlgemerkt an 1. Stelle) bezeichnet, zeigt zwar einmal mehr die veraltete Denkweise der Kirche, ist aber die eine Sache. Die andere - und für mich viel schwerwiegender - ist , daß hier gleichgeschlechtliche Beziehungen mit Kindesmißbrauch und Vergewaltigung gleichgesetzt werden.

Amely Heinrich, Email: AmelyHeinrich@aol.com

Die Handlungen werden nicht gleichgesetzt, sondern jede von ihnen ist in einer besonderen Weise pervers, also von der Grundordnung abweichend.


Spüre Ihre Angst

Ich bin engagierte Christin und in der katholischen Kirche aktiv. Die Inhalte Ihrer Zeitung sind mir zu einseitig! Immer wieder die Themen: Sexualität, Abtreibung... Das sind schon wichtige Themen, aber Jesus war anscheinend anderes viel wichtiger: Solidarität mit den Ausgegrenzten, den Armen, den Verlierern, Gewaltlosigkeit, einfaches Leben, Umgang mit sozialen Problemen. Das vermisse ich schon bei Ihnen! Erkennt man einen Christen wirklich nur an seinem Umgang mit der Sexualität?

Beim Lesen Ihrer letzten Ausgabe ging es mir nicht sehr gut! Ich habe viel Angst ihrerseits gespürt! Sexualität und Angst verträgt sich nicht gut! Es tut mir auch weh, wenn Sie von “perversen Verhaltensweisen" sprechen und sofort “gleichgeschlechtliche Beziehungen" damit meinen! Herr Gaspari, ist das Botschaft Jesu? Wenn Jesus heute lebte, Er würde sich gerade mit Menschen, die nicht dem “System" entprechen an einen Tisch setzten und Mahl halten!!

Jesus hat ein viel weiteres Herz! Wir und leider auch Sie, brauchen anscheinend dieses Abwerten und Sich - moralisch - überlegen Fühlen!

Christine Wieländer, Email: wielaender@gmx.at


Wundervolle Ehejahre

Ich lese Vision 2000 seit Jahren, obwohl ich die manchmal frömmlerische Sprache mancher Beiträge nicht nachvollziehen kann. Ich bin ziemlich nüchtern. Gerade deshalb hat mir der Beitrag über “Reden wir ruhig über Sexualität - es lohnt sich" besonders zugesagt. 34 gute Ehejahre verlebte ich mit meiner ersten, verstorbenen Frau, acht ebenso wundervolle mit meiner zweiten Gattin. Die katholische Sexualmoral, deckt sich, was Gesinnung, Treue und Geburtenregelung betrifft, mit meinen Erfahrungen. Schlecht finde ich die Übertreibungen, wie Sündenangst, die man Jugendlichen leider früher vermittelte. Infrage stellen muß ich auch heute die offizielle Ansicht, daß man einen Irrtum in der Partnerwahl, der zu einer kirchlich geschlossenen Ehe geführt hat, nicht durch eine neue Ehe mit besserer Wahl korrigieren soll. Eine solche zweite Ehe kann (muß nicht) durchaus auf Dauer beglückender sein als die erste.

Dr. Konrad Ratz, A-1030 Wien

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