VISION 20001/2008
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Schöpfung und Evolution

Artikel drucken (Von Kardinal Christoph Schönborn)

Wer das Thema Evoltion vertiefen will, dem sei das Buch "Schöpfung und Evolution" empfohlen. Es faßt eine Tagung zum Thema mit Papst Bendeikt zusammen. Im Folgenden ein Auszug aus dem Vortrag von Kardinal Schönborn.

Wieso ist der "Evolutionismus" mit seinem ideologischen Materialismus fast so etwas wie eine Ersatzreligion geworden? Wieso wird er oft so aggressiv und emotional vetreten? Ich wage die Behauptung, dass es zurzeit wohl keine wissenschaftliche Theorie gibt, gegen die es so viele schwerwiegende Einwände gibt und die dennoch von vielen als völlig sakrosankt verteidigt wird. Die gewichtigsten Einwände sind bekannt und oft vorgebracht worden:

- die "missing links", die fehlenden zahlreichen Übergangsformen zwischen den Arten, die es auch nach 150 Jahren intensiver Forschung einfach nicht gibt;

- die oft zugegebene Tatsache, dass bisher kein einzige artübergreifende Evolution wirklich nachgewiesen ist;

- die "systemtheoretische" Unmöglichkeit, dass ein lebendiges System (z.B. Reptilien) durch zahllose Kleinstmutationen in ein anderes lebendiges System (z.B. Vögel) umgebaut wird;

- die Problematik des "survival of the fittest". Marco Bersanelli hat an Beispielen gezeigt, dass Überleben oft eine "Glückssache", ein Zufall, eine Kontingenz ist und kein Beweis für besondere "fitness". Die Dinosaurier - und viele andere Arten - sind wegen Katastrophen untergegangen und nicht wegen Unangepasstheit. Das sind nur einige der gewichtigsten Schwierigkeiten der Theorie. Warum sie als wissenschaftliche Theorie dennoch so etabliert ist? Weil es bisher keine andere, bessere gibt. Und weil sie als wissenschaftliche Theorie einfach und "ästhetisch" ist. Warum aber wird sie so sehr ideologisch betrachtet ...? Weil die weltsanschauliche Alternative der Schöpfungsglaube ist. Wer Schöpfung sagt, sagt auch Anspruch des Schöpfers. Wenn es eine lesbare Sprache des Schöpfers gibt, dann ist sie auch Anrede, Anspruch. Dann folgt aus ihr ein Sollen, eine ethische Ordnung, etwa in der Frage der Ordnung der Geschlechter oder dem Schutz des Lebens.

Mit dem ambienten Materialismus und Relativismus ist eine materialistische Sicht der Evolution leichter zu verbinden. Der ideologische Evolutionismus war nicht umsonst die wissenschaftliche Verbrämung sowohl des Kommunismus wie des Nationalsozioalismus. Sie ist es heute für den wirtschaftlichen Sozialdarwinismus, der einen schrankenlosen wirtschaftlichen "Kampf ums Dasein" rechtfertigt.

Kardinal Christoph Schönborn

Schöpfung und Evolution. St. Ulrich Verlag, 192 Seiten; 16,90 Euro.

 

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