VISION 20005/2013
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Den guten Kampf kämpfen

Artikel drucken Vladimir Palko, Mathematik-Professor und ehemaliger slowakischer Innenminister (Von Alexa Gaspari)

Bahnhof Bratislava Petržalka: Mein Mann und ich werden von František Mikloško (Portrait 6/95 ) und seinem Freund und politischen Mitstreiter Vladimir Palko abgeholt. Sehr gespannt sind wir auf letzteren – wir wissen, dass er einige Jahre slowakischer Innenminister war – denn wir sind gerade dabei die deutsche Fassung seines Buches „Die Löwen kommen“ zu überarbeiten. Der Autor hat uns durch seine Geradlinigkeit als Politiker und  seine treffende Analyse des Zeitgeschehens beeindruckt. Als „sehr sympatisch, geradlinig und offen“ war er mir von anderen Slovaken beschrieben worden.
Die Begegnungen mit ihm und die Aussagen des Buches gaben den Ausschlag, den Ex-Minister um ein persönliches Interview zu bitten. In einem gemütlichen Kaffeehaus trafen wir uns dann neuerlich in Brastislava:Wirklich sehr sympatisch erzählt er,  der ja, wie er sagt, „mit möglichst vielen Menschen seine Erfahrungen teilen möchte,“bei einer Schale Tee   bereitwillig aus seinem Leben.
1957 kommt er in einem kleinen Ort in der Nähe von Bratislava zur Welt. „ Am Background meiner Familie kann man die problematische Situation unseres Landes der vergangenen 60 Jahre  erkennen. Mütterlicherseits waren da katholische Bauern. Mein Vater jedoch war als Waisenkind in einem staatlichen Heim aufgewachsen und von kommunistischen Betreuern als guter Kommunist und ohne Bezug zum Glauben erzogen worden.“ Der Vater wird daher Mitglied der kommunistischen Partei und tritt in die Armee ein. Die Eltern sind nur standesamtlich verheiratet.
Als Vladimir vier Jahre alt ist, lassen sie sich scheiden. Sie kommen aus zu unterschiedlichen Welten. Die Mutter heiratet ein Jahr später einen Katholiken, der dem Buben ein guter Vater sein wird. Den leiblichen Vater sieht er die nächsten 10 Jahre nicht.
Zu Hause hat er nun ein rein katholisches Umfeld. Die Familie geht sonntags in die kleine barocke Kirche zum Gottesdienst. In der Schule allerdings ist Kommunismus angesagt. Daher bekommt Vladimir von Anfang an ständig den Zwiespalt zwischen staatlicher Ideologie und religiösem Milieu daheim zu spüren. Untereinander besprechen die Kinder keine heiklen Themen. „Das war für uns normal. Ich war vor allem an Sport interessiert und habe sehr gerne Karl May oder Jules Verne gelesen. Das war mein hauptsächlicher spiritueller Hintergrund,“ erzählt Palko lächelnd aus seiner Kindheit.
Religiöse Unterweisung wird nur ganz kurze Zeit – 1968 in den wenigen Monaten des Prager Frühlings – vom Staat toleriert. Als Vladimir sich wenig später einer religiösen Gruppe anschließt, ist ihm nicht wirklich bewusst, dass dies eine gehörige Portion Mut von dem Mann verlangt, der sie leitet, den Katechismus lehrt und Ausflüge und Ferien-Camps organisiert. Er weiß auch nicht, dass er damit selbst Teil  der im Untergrund wirkenden Kirche ist.
Als Student der Mathematik  lässt sein Interesse an Glaube und Religion nach. „Ich war damals wirklich kein Heiliger,“ lacht er. „Die Studentin, die ich kennengelernt habe, hat meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht.“ Doch auch wenn er die religiösen Zirkeln nicht mehr besucht, bleibt doch, eher unbewusst, die spirituelle Erfahrung der Jugendzeit in seinem Denken und Handeln erhalten, meint er rückblickend.
Das merkt er, als er und seine Freundin ans Heiraten denken. Da tut sich nämlich ein Zwiespalt auf, der ihn aus seinem religiösen Dämmerschlaf reißt: Viera, seine Verlobte soll auf Wunsch ihres Vaters, eines Parteimitglieds, wie vereinbart, nun auch in die Partei eintreten. „Da habe ich mich gefragt, in welche Richtung dann meine Ehe, meine Familie gehen würde? Wie würden wir unsere Kinder einmal erziehen?“, erinnert sich Palko. Dabei ist den Beiden bewusst, dass es im Kommunismus nicht besonders attraktiv ist, katholischer Christ zu sein, ja, dass es sogar gefährlich sein kann. Doch es geht jetzt um eine klare Entscheidung. „Es war im vierten Jahr unseres Studiums, 1979, als meine Verlobte dem KP-Führer der Universität erklärt hat, sie habe ihre Meinung geändert, werde der Partei nicht beitreten. Das war ein großer Skandal im ganzen kommunistischen Umfeld.“
Als Grund für ihre Absage teilt sie mit, sie werde auf Wunsch ihres Verlobten und dessen Eltern kirchlich heiraten.  Drakonische Maßnahmen sind die Folge: Der zukünftige Schwiegervater (!) der Braut verliert seine Stelle im Justizministerium und Vladimir sowie seine Braut haben jede Chance auf die erhoffte Hochschullaufbahn verspielt. Sie dürfen zwar noch ihr Studium beenden, müssen dann aber die Uni verlassen. „Das war für mich eine sehr gute politische Erkenntnis, für die ich Gott dankbar bin. Für den politischen Kampf, wie wir ihn später geführt haben, muss man ja gewisse politische Erfahrungen sammeln.“ Nun weiß er, für welche Seite er kämpfen will und was für ihn nicht in Frage kommt. So eine dezidierte Entscheidung, auch wenn sie weh tut, täte jedem von uns Christen gut, denke ich.
Nach der Hochzeit bekommt er, provisorisch, an einer anderen Universität, eine Stelle. Mitte der 80-er Jahre, als die Familie um zwei Buben und ein Mädchen angewachsen ist, wird ihm dort eine Dauerstellung angeboten – jedoch unter der Bedingung, dass er der KP beitritt. „Ich habe es sofort abgelehnt und musste daher gehen. Ich durfte noch mein Ph.D. (Habilitation) fertigmachen, musste dann aber schweren Herzens meine Arbeit in der sehr speziellen mathematischen Forschung, die ich sehr geliebt hatte, verlassen. Doch da der Kommunismus mit meinem Glauben nicht vereinbar ist, war es keine Frage: Ich musste gehen. Schon mein Stiefvater hat immer gemeint, dass es eine Grenze gäbe: niemals der Partei, deren Grundsätze dem Glauben widersprechen, beizutreten, obwohl man das System nicht provozieren solle.“  
Ab nun beginnt jedoch bei Palko trotz der Gefahren die Phase des Widerstands gegen das Regime. An seinem neuen Arbeitsplatz, der Akademie der Wissenschaften, lernt er nämlich Menschen kennen, die seinen Lebensweg entscheidend beeinflussen werden. „Beeindruckende Persönlichkeiten: Frantisek Mikloško, Ján Čarnogurský, der politische Führer der Geheimkirche, Bischof Korec sowie Silvester Krčméry (Portrait 3/90) und Vlado Jukl, die wegen ihres Glaubens viele Jahre in Gefängnissen verbracht und die informelle Geheimkirche gegründet hatten.
Es folgt eine Zeit, in der diese glaubensstarke Geheimkirche den Kommunismus langsam zum Kippen bringt. Trotz drohender Repressalien engagiert sich Palko beim Verfassen von Artikeln in Untergrundzeitungen, von Petitionen, in denen es um religiöse Freiheit und zivile Rechte geht; er steht öffentlich im Gericht den aus religiösen Gründen Inhaftierten bei, sammelt Unterschriften für die Verurteilten und vieles mehr.
1988 findet die von Mikloško organisierte Kerzendemonstration statt: Rund 15.000 Menschen demonstrieren in Bratislava Rosenkranz betend, mit einer brennenden Kerze in der Hand für religiöse und bürgerliche Freiheit. Palko ist dabei, als Wasserwerfer und Polizeiwagen vergeblich versuchen, die Menge zu  zerstreuen. Auch wenn diesen Menschen klar ist, dass der Kommunismus bald einer christlich geprägten Demokratie weichen muß, ahnt doch niemand, dass der Umschwung schon 1989 stattfinden wird.
Ján Čarnogurský gründet nach der Wende eine christlich-demokratische Bewegung: die KDH. Sie wird aber kein leichtes Spiel haben, denn die ehemaligen Kommunisten sind immer noch stark – und im Umgang mit Macht geübt. Um ihnen nicht ganz das Feld zu überlassen, engagieren sich die Katholiken nun auch politisch. Bei den ersten freien Wahlen wird die KDH die Zweitstärkste und Mikloško der erste Präsident des neuen Parlaments.
Doch bald tut sich eine neue, unerwartete Kampffront auf: „Wir hatten zunächst nicht viel Zeit gehabt, uns im Westen umzusehen. Anfangs hatten wir gedacht, wir müssten nun alles so machen wie die Christdemokraten im Westen. Doch bald erkannten wir, dass dies ein Fehler wäre. Denn manches, was sich dort etablierte hatte, war für uns nicht verhandelbar: z.B. bei Fragen des Lebensschutzes. In unserer Partei waren wir damals ganz klar gegen Abtreibung, sahen aber, dass die westlichen Politiker sich da allzu passiv verhielten, ja sogar für deren Legalisierung eintraten. Das Thema Abtreibung trennte uns von den meisten westlichen christdemokratischen Parteien.“ Im eigenen Land versuchen sie immer wieder, die seit kommunistischen Zeiten bestehende Abtreibungspraxis zu Fall zu bringen – leider ergebnislos.
In der Slowakei macht sich der Einfluss des liberalen Westen zunehmend breit: Daher Stimmeneinbußen bei der KDH bei den nächsten Wahlen. Auch da sind nicht wenige für mehr Anpassung an den Westen. „Für Christen war es in der Politik schwierig: Auf der einen Seite die Ex-Kommunisten, auf der anderen der Einfluss der unchristlich gewordenen westlichen Ideologie,“ schildert Palko das Dilemma. Noch geben aber in der KDH jene den Ton an, die christliche Werte als unaufgebbar ansehen.
Zu ihnen zählt Palko, der 1996 stellvertretender Vorsitzender der Partei wird. Und im Oktober 2002 ist die KDH, zwar geschwächt, aber doch wieder in der Regierung, die aus einer Vier-Parteien-Koalition besteht. Palko wird Innenminister. Eine der liberalen Parteien, die aus Ex-Kommunisten besteht („Ex-Kommunisten wandeln sich gern zu sehr Liberalen“), versucht 2003, ein Gesetz durchzuboxen, das Abtreibung bei möglicher Behinderung des Ungeborenen bis zum 6. Monat straffrei lässt.
„Da war also wieder so ein Moment der Entscheidung: Für uns war klar: Auch wenn wir die geltende Abtreibungspraxis in unserem Land nicht verhindern können, so ist es doch unmöglich, dass sie sich, solange wir in der Regierung sitzen, verschlechtert. Zu Recht wären wir unglaubwürdig. Also wird in der Regierung klargestellt: Sollte das Gesetz durchgehen, verlassen wir die Regierung  – was deren Sturz zur Folge hätte. Das Gesetz wurde abgelehnt,“ entsinnt sich Palko.
Dann kommt der 1. Mai 2004: der endgültige Schlusspunkt der Teilung Europas. Palko beschreibt in seinem Buch: „An diesem Tag sind acht ehemalige kommunistische Länder, unter ihnen die Slowakei, in die Europäische Union eingetreten. Am Dreiländereck, dort wo die Grenzen der Slowakei, Ungarns und Österreichs inmitten der Felder und Wiesen aneinander stoßen, habe ich mich als slowakischer Innenminister mit dem österreichischen Kollegen und der ungarischen Kollegin sowie mit den Bürgermeistern und Bewohnern der nahe liegenden Gemeinden zu einem schönen Fest getroffen.“
Im Sommer 2004 kommt schon die erste Bewährungsprobe für die christlichen Regierungsmitglieder in der EU: Der slowakische Justizminister und  Palko als Innenminister verweigern im EU-Rat im Namen der Slowakei als einziges Land – später schließt sich Malta an –  ihre Zustimmung zu einem Punkt des „Haager Programms“, der vorsah, „dass die EU-Mitgliedsstaaten gegenseitig registrierte Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Personen anerkennen sollten,“ wie sich Palko genau erinnert. Da es zu keinem einstimmigen Beschluss, der bis zum Vertrag von Lissabon notwendig war, kommt, wird der Punkt fallengelassen. Hätte die Slowakei sich damals nicht dagegengestellt, wäre diese Regelung der Bevölkerung aller EU-Staaten still und heimlich unterschoben worden.
Dauernd christliche Werte verteidigen zu müssen, ermüdet wohl viele christliche Politiker, meint Palko. Nicht jedoch vorerst die KDH-Politiker: Schon 2005 geht es nämlich um einen Vertrag mit dem Hl. Stuhl, der 2002 in das Regierungsprogramm aufgenommen worden war. Umstritten ist diesmal die Aufnahme des Rechts auf Gewissensfreiheit. Palko erläutert: „In Nordamerika und in vielen Teilen Europas entsteht eine neue Art der Christenverfolgung: Sie werden unter Androhung von Strafen (bis zu Gefängnisstrafen)  zu unmoralischen Handlungen gezwungen: Ärzte zur Durchführung von Abtreibungen, Lehrer zum Vortragen unmoralischer Aufklärung, Beamte zum Trauen von homo­sexuellen „Ehen“… Ein Vertrag mit dem Vatikan über die Freiheit der Gewissensentscheidung wäre daher sehr wichtig für ganz Europa gewesen, als Beispiel dafür, wie man die Freiheit der Christen und Andersgläubiger bewahren kann.“ Sollte das nicht selbstverständlich sein, denke ich.
Als der damalige Premierminister sich weigert, den Konkordatsvertrag, wie ursprünglich vereinbart, zu unterstützen, beschließt die Regierungsmannschaft der KDH, ihm ein Ultimatum zu stellen. Die Parlamentsmitglieder der KDH unterstützen diese Vorgangsweise: „Entweder er unterschreibt den Vertrag mit dem Hl. Stuhl oder wir verlassen die Regierung! Premierminister Dzurinda hat den Vertrag als inakzeptabel abgelehnt – und wir haben die Regierung verlassen.“
Palko ist also nicht mehr Innenminister. „Dass ich meinen Ministerposten für den Gewissensvorbehalt aufgegeben habe, ist für mich die Sternstunde meiner politischen Karriere und wird es bis an mein Lebensende bleiben,“ erklärt Vladimir Palko sichtlich zufrieden. Hier ging es eben um ein unverhandelbares Gut.  In seinem Buch schreibt er dazu: „Wir konnten es nicht zulassen, die Botschaft des Evangeliums politisch außer Acht zu lassen.“
In der KDH sieht man das allerdings bald anders. Der innerparteiliche Kampf um die Kultur des Lebens (oder des Todes) war länger schon im Gang: „Es war der Kampf, den Papst Johannes Paul II. vorhergesagt hatte,“ erinnert sich sichtlich schmerzlich mein Gegenüber. Die KDH geht aus wahltaktischen Gründen ein Bündnis mit liberalen Parteien ein. Čarnogurský verliert den Vorsitz: „Die Seele der KDH ging damals verloren. Bis dahin waren die Mitglieder Kämpfer gewesen, richtige Cowboys, doch immer mehr wollten nur mehr ihren Frieden und Vorteil haben.“ Es geht eben immer auch um einflussreiche Positionen und gute Gehälter.
Die waren jetzt nach dem Sturz der Regierung und den notwendig gewordenen Wahlen in Frage gestellt und so spitzt sich die Situation zu: Palko und einige andere KDH-Mitglieder sind gegen eine Zusammenarbeit mit dem Wahlsieger Robert Fico, einem ehemaligen Kommunisten und seiner post-kommunistischen Partei. Wieder große Enttäuschung unter den KDH-Kadern.
Palko, Mikloško und ihre Mitstreiter sind ernüchtert von dem Meinungswechsel: Das ist nicht mehr die Partei, die sie miteinander aufgebaut und in der sie die letzten 20 Jahre engagiert gearbeitet hatten. 2006 werden sie zwar noch in der KDH ins Parlament gewählt, doch 2008 treten sie aus der KDH aus und gründen eine neue Partei: KDS, die Konservative Demokraten der Slowakei.  Im April 2008  als Abgeordneter der KDS erklärt Palko im Parlament, warum der Lissabonner Vertrag (die Mitgliedstaaten geben die Souveränität in kulturellen und ethischen Fragen wie der Familie, Ehe und des Schutz des Lebens an die EU ab) abgelehnt werden soll: Der Relativismus, der Verlust der christlichen Werte in der EU sei nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar. Die KDS-Abgeordneten scheitern. Aber sind sie nicht doch im Recht?! 2010 zieht sich Palko aus der Politik – bis auf weiteres ? – zurück.
Für seine politische Laufbahn gilt wohl das, was er Journalisten nach der erfolgten Abwehr des Passus im „Haager Programm“ in Brüssel gesagt hatte, ein Wort des heiligen Paulus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Glauben bewahrt...“ Wäre es nicht notwendig, bei all unseren Entscheidungen so zu handeln, dass der Glaube, nicht nur oberflächlich, bewahrt bleibt?
Um auch in schwierigsten Situationen so zu entscheiden, bedarf es der Gnade Gottes. Dessen ist sich Palko bewusst. Und er fügt hinzu: „Sehr dankbar bin ich auch für die stetige Unterstützung  meiner Frau. Sie hat eine unsichtbare Last getragen und viel von meinen Problemen und Frustrationen aufgefangen. Kein Christ, vor allem kein christlicher Politiker, sollte seine Ehe als Selbstverständlichkeit nehmen. Ich bete immer für meine Ehe. Denn Ehe und Familie sind heute unzähligen Angriffen ausgesetzt. Doch Familie ist, wenn sie intakt ist, eine Festung. Wenn ich für meine drei Kinder bete, so vor allem darum, dass sie glückliche Ehen und Familien führen.“ Seine Tochter ist übrigens mit einem Grazer verheiratet. Freizeit? Seit vielen Jahren pflegt er gemeinsam mit seiner Frau seine schwerkranke und pflegebedürftige Mutter!
Palko ist heute zufriedener Professor, der junge Menschen in Informatik an der Universität unterrichtet. Ich bin sicher, dass seine Studenten durch ihren Professor, der innere Ruhe und Frieden ausstrahlt, weit mehr als nur Informatik ins Leben mitnehmen werden. Nämlich: Das Beispiel eines Mannes, der in seinem Leben bewiesen hat, dass er keinen inhaltsleeren Glauben praktiziert, sondern unbeirrt, auch im Gegenwind, in aller Öffentlichkeit die Gebote Jesu – die zu unser aller Schutz bestehen – umzusetzen bereit ist. So einem Professor kann man getrost vertrauen….     
 Bei der nächsten Präsidentschaftswahl im März wird er allerdings, ebenso wie einer seiner Söhne, Ján Čarnogurský – er ist ja einer seiner polit ischen Lehrer – unterstützen.
Zurück zum Buch, „Die Löwen kommen“, von dem anfangs die Rede war, das Palko nach Beendigung seiner politischen Karriere zu schreiben begann. Was sein Anliegen war, frage ich ihn. „Ich denke, dass es für Menschen in Westeuropa vorteilhaft sein kann, sich über unsere Erfahrungen mit Kommunismus zu informieren. Christen, die heute in Europa die Verfolgungen zu spüren bekommen, könnten ihre Lage als hoffnungslos betrachten. Sie meinen, daran könnten sie nichts ändern. Als wir 20 waren schien auch alles hoffnungslos, unumkehrbar. 10 Jahre später aber hat sich alles verändert – vor allem durch Menschen, die trotz aller Repressalien nicht aufgehört haben, ihren Glauben hochzuhalten und danach zu handeln. Wir leben jetzt in schweren Zeiten, aber wir sehen auch Zeichen der Hoffnung: z.B. in Frankreich, wo sich 1,5 Millionen Menschen (sehr viele Jungfamilien) unterschiedlicher Konfession mehrmals in Paris zusammengefunden haben, um in friedlichem Kampf für die unaufgebbaren Werte der Familie, der Ehe einzutreten.“ Stimmt: Wer hätte das bis vor kurzem gedacht?
Auswirkungen auf seinen Glauben? Sehr sicher antwortet er: „Rückblickend muss ich sagen, dass vieles in meinem Leben, das ich zunächst als unangenehm oder erschreckend erlebt habe, im nachhinein ein Segen war, wofür ich Gott sehr dankbar bin. Das hat mich auf die Zukunft und die politischen Kämpfe vorbereitet und meinen Glauben und meinen inneren Frieden gefestigt.“  
Lächelnd fügt er hinzu: „Ich sehe mich nicht als besonders wertvoll an. Als ich im Laufe meiner politischen Karriere als katholischer Hardliner gehandelt wurde, habe ich mich nicht sehr wohl dabei gefühlt. Das war überzeichnet. Es ist mir nicht gelungen heilig zu werden, obwohl unsere Zeit wirklich neue Heilige braucht.“
Und nach einer kurzen Pause: „Ich wollte nur ein aufrechter, ehrlicher Politiker sein, der Wahrheit verpflichtet. Ich hoffe, dass junge Politiker an meiner Art, Politik zu betreiben, erkannt haben, dass es mir um das Christliche gegangen ist. Bleiben wir unserem Glauben treu und wir werden sehen was geschieht.“
Um ein Schlusswort für die Leser bittet ich ihn und er wiederholt was Johannes Paul II. zu Beginn seines Pontifikats ausgerufen hat: „Fürchtet Euch nicht!“

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