VISION 20002/2018
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Weil die Lehre der Liebe guttut

Artikel drucken Eine Hinführung zum Verständnis der Enzyklika (Von Weihbischof Andreas Laun)

Alle gesunden Menschen wis­sen, was Sexualität ist. Aber nicht alle wissen, wie man mit ihr so umgeht, dass sie wirklich gelingt und glücklich macht. Viele meinen, davon verstehe die Kirche nichts, was falsch ist. Denn sie trägt die wunderbare Botschaft von der wahren Liebe durch die Zeit. Und diese Liebe ist der Schlüssel dazu, dass der Umgang mit der Sexualität gelingt..

Juden und Christen schöpfen ihr Wissen über Sexualität auch aus der Bibel! Damit lösten zuerst die Juden, dann auch die Christen die erste sexuelle Revolution der Geschichte aus. Im Gegensatz zu ihrer Umwelt verstanden sie: Die Sexualität hat ihren legitimen, einzig richtigen Ort in der Ehe! Jesus selbst verwies die Seinen für Fragen, die die sexuelle Liebe betreffen, auf die Bibel.
Als die Pharisäer Jesus mit kniffligen Fragen bezüglich Scheidung bedrängten, erinnerte Er an den Schöpfungsbericht: „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ Daher gilt: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“
Damit gab Jesus nicht nur eine Antwort auf die Ihm gestellte Frage, sondern zeigte auch, wie man über die Sexualität nachdenken sollte: Man betrachtet die Realität im Licht der Bibel und findet so die Antwort auch auf die Fragen von heute!
Jesus folgend besteht die Kirche darauf, dass die biblischen Bedingungen des „Ein-Fleisch-Werdens“ beachtet werden, die der Seele und die des Leibes. Daher die Frage: Was muss gegeben sein, dass dieses Ein-Fleisch-Werden wirklich erfüllend zustande kommt?
Die Bibel antwortet: Dadurch, dass sich ein Mann und eine Frau von ihren Eltern lösen, sich für immer füreinander entscheiden und zum krönenden Abschluss dieser ihrer Entwicklung ein Fleisch werden! Biblisch bestätigt ist auch das, was jeder Mensch über dieses Einswerden weiß: Es sollte Ausdruck der Liebe sein und ist ausgerichtet auf Nachkommenschaft.
Diese biblische Antwort lässt sich in sieben Schritten verdeutlichen:

Mann und Frau
Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, gleichwertig, aber nicht gleichartig. Ihre Unterschiedlichkeit ermöglicht die gegenseitige Ergänzung. Sie sollen sich aneinander binden, ein Fleisch werden und so Kindern das Leben schenken. Nur ein Mann und eine Frau können diesen Auftrag Gottes erfüllen, zwei Männer oder zwei Frauen hingegen nicht.

Die Liebe
Es ist die Liebe, die aus der Not der Einsamkeit erlöst, sie ist für den anderen die „Hilfe“, nach der sie sich beide sehnten: Adam nach Eva, Eva nach Adam. Ihr Zusammenfinden löst den Jubelschrei aus: „Endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch!“ Ohne Liebe, ohne solchen Jubel sollte niemand heiraten. Wirklich Einswerden können Eheleute nur mit der Liebe, nicht ohne sie!

Das Jawort
Menschen sollten zuerst einander „anhangen“, ihr „Anhangen“ durch das Jawort besiegeln und so den Jubelruf zur Vollendung führen! Erst dann ist die „Hochzeit“ gekommen, um ein Fleisch zu werden – eben wenn sie sich entschieden haben, nicht, wenn sie sich erst (vielleicht?) entscheiden werden! Das Jawort verweigern, ist dasselbe wie die Liebe verweigern! Papst Johannes Paul II.: „Die leibliche Ganzhingabe wäre eine Lüge, wenn sie nicht Zeichen und Frucht jener seelischen Ganzhingabe wäre.“ Wenn die endgültige Entscheidung fehlt, fordert die Keuschheit, das Immunsystem der Liebe, Enthaltsamkeit, also Reinheit vor der Ehe! Zusammenleben ohne Jawort entspricht nicht dem, was die Liebe will!

Vereinigung in Liebe
Es ist ein Wunder der Schöpfung: Das, was biologisch gesehen nur Trieberfüllung und Zeugungsakt zu sein scheint, kann und soll für den Menschen zugleich Akt der Liebe und Heiligkeit werden, mit Seele und Leib! Das Wunder wird noch größer, wenn man hört: Der Leib ist bestimmt dazu, Tempel, also „Wohnort“, des Hl. Geistes zu sein!

Andacht der Liebe
Wie der Gläubige gehalten ist, vor allem beim Empfang der heiligen Kommunion andächtig zu sein, so verlangt auch die eheliche Vereinigung nach einer Art „Andacht“, einer Bewusstmachung dessen, was die Vereinigung sein soll, Ganz-Hingabe der Liebe mit Seele und Leib! Wer den Leib aber bewusst unfruchtbar macht, verweigert im Grunde genommen dessen Ganz-Hingabe um der Lust willen. Und damit geht die zentrale Botschaft des Aktes, Sprache der Liebe zu sein, verloren.
Im Gebet des Tobias kommt dies zum Ausdruck: Bevor er die ersehnte Frau in die Arme nimmt, macht er sich seine Motivation bewusst: „Herr, ich nehme meine Frau nicht aus reiner Lust in meine Arme, sondern aus wahrer Liebe!“ Der Gegensatz dazu: Gedankenloser, liebloser oder rücksichtsloser Geschlechtsverkehr, also „nur“ um der eigenen Lust willen. Solches Verhalten hat die Kirche immer als sündhaft verurteilt.

Kinder
„Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde.“ Kein Wunder, dass sich Frauen danach sehnen, Mutter zu werden! (Im Kongo spricht man jede Frau mit „Mama“ an. Man ist sich der Würde und Größe der Mutterschaft bewusst). Ebenso gehört es zum Mannsein, Vater werden zu können. Das Wunderbare ist: Kinder werden nicht durch einen rein biologischen Akt gezeugt, sondern sind die Frucht der Umarmung und Liebe von Mann und Frau.
Künstliche Verhütung lehnt die Kirche ab und ebenso künstliche Befruchtung, weil Seele und Leib eine Einheit sind, die man nicht zerreißen darf, in keiner Richtung: weder zum Zweck der Verhütung, noch zur künstlichen Zeugung.
Gott verbindet
„Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen!“ Verbindet Gott nur am Beginn der Ehe? Nein, Er bleibt und begleitet das Paar mit Seiner Gegenwart. Der Heiland Jesus heilt, heiligt, reinigt und vollendet den Menschen, auch seine eheliche Liebe. Darum kann Papst Johannes Paul II. sagen: Durch die Gnade werde alles, auch die eheliche Vereinigung ein „Akt der Heiligkeit“.
Wenn das alles wahr ist, kann es nicht mehr wundern zu hören: Die Ehe ist ein Weg zur Heiligkeit. Auch ist die Liebe zwischen Mann und Frau das bevorzugte Bild der Bibel, um die Beziehung von Gott und Mensch zu beschreiben!
So groß denkt die katholische Kirche über die Liebe, über den Leib und die leibseelische Einheit von Mann und Frau in der Ehe. Das tut keine andere Religion! Natürlich weiß die Kirche, dass dieses Ideal nicht einfach zu erreichen ist. Aber wenn man nicht zu den Sternen schaut, macht man sich nie auf den Weg und erreicht auch kleinere Ziele nicht!
Oft hat man versucht, gegen die Lehre der Kirche die Autorität des Gewissens geltend zu machen. Dabei fallen jedem Menschen genügend Beispiele ein, bei denen eine Berufung auf das Gewissen absolut nicht möglich ist: Abtreibung, Ehebruch, Betrug und vieles andere. Der Grund ist: Das Gewissen verpflichtet zu allererst auf die Wahrheit und die leidenschaftliche Suche nach ihr. Dabei prüft es die Gründe, die für oder gegen ein bestimmtes Verhalten sprechen. Selbstverständlich stellt sich das Gewissen nie und nimmer über oder gegen die Autorität Gottes. Die Frage ist immer nur: Gründet ein bestimmter Anspruch wirklich in der Autorität Gottes oder eben nicht? Was Lehren der Kirche betrifft, fordert das Gewissen des Christen nur, sie nach den üblichen Kriterien der Kirche selbst zur Wertung ihrer lehramtlichen Entscheidungen zu prüfen!
Die Gründe für die Lehre der Kirche über Verhütung liegen nicht auf der Hand und jeder, der sie heute vertritt, schwimmt gegen einen reißenden Strom. Die Gegenströmung sind die öffentliche Meinung, der Spott über jene, die dagegen schwimmen, und natürlich der Widerstand im eigenen Innern angesichts der Frage: „Warum soll ich mir Zeiten der Enthaltsamkeit, die Temperatur-Messerei und andere Mühen antun, wenn es ohne das alles viel einfacher ginge?“
Ja, warum? Und warum sollen Priester und Bischöfe sich damit abquälen, die Menschen von dieser Lehre zu überzeugen, ihnen diese Last aufzubürden, was hat das mit der Frohbotschaft zu tun? Die Antwort.: Weil die Lehre wahr ist und der Liebe gut tut.
Aber wenn das so ist, dann ist es auch eine Pflicht der Bischöfe, Priester, Diakone, Theologen und Religionslehrer, diese Wahrheit darzulegen, möglichst gut verständlich und es sich dabei nicht leicht zu machen! Auch sie müssen dabei gegen den Strom schwimmen – und manchmal sind der „Strom“ die eigenen Mitbrüder und Theologen und immer fließt ein „Nebenarm des Gegenstromes“ im eigenen Herzen!

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