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Ein befreiender Blick auf Gott

Artikel drucken Falsche Gottesbilder sind oft eine Last (Franz Schöffmann)

Wer kennt sie nicht, die beleidigte Leberwurst? Einen Menschen, der sich aus nichtigem Anlass beleidigt fühlt und andere durch Missgunst straft? Doch wer kommt bei dieser Redensart schon auf die Idee, dass es sich dabei auch um ein falsches Gottesbild handeln könnte?
„Eines der ersten falschen Gottesbilder, die ich bei mir erlebt habe, ist die beleidigte Leberwurst“, erinnert sich Pater Klaus Einsle LC. „Einen Gott zu erleben, der anscheinend immer beleidigt ist und uns seine Liebe entzieht, wenn wir einen Fehler machen. Das kann eigentlich niemand ertragen.“
Gleich im ersten Kapitel seines neuen Buches mit dem frechen Titel „Schnell weg! Der Alte kommt!“ widmet sich der aus dem Allgäu stammende Priester der beleidigten Leberwurst. Dann folgen noch weitere 13 falsche Gottesbilder, wie beispielsweise der unzufriedene Chef, der nette Opi, der Kindergarten-Gott oder die neidische Spaßbremse.
Wie Menschen Gott erleben, diese Welt hat sich dem Seelsorger bei vielen Gesprächen mit Jugendlichen und Erwachsenen eröffnet: „Falsche Gottesbilder sind oft durch kindliche Erfahrungen entstanden, durch Eltern, Schule und das Umfeld. Ob liebevoll, gütig,  abwesend, streng oder fordernd: Was man damals erlebt hat, wird später oft auf Gott projiziert, ein strenger Gott, ein fordernder Gott. Als Erwachsene leiden wir darunter, ohne zu wissen, warum. Das raubt Lebensqualität.“
Das wahre Gottesbild ist für Pater Klaus ein ganz anderes. Deshalb versucht er, in jedem Kapitel dessen Antlitz freizulegen. „Jesus ist das schönste Bild von Gott, das wir haben! Gott wird in Ihm sichtbar.“ Er blickt auf Jesus, wie er lebt, wie Er handelt, was Er verkündet und über Seinen Vater sagt. Jesus, der von sich sagt, dass Er die Wahrheit ist.
Dabei erlebt man neue Frische und Freude – oder vielleicht seinen ersten positiven Geschmack am Glauben an Gott überhaupt. Der Mehrwert dieses Buches besteht auch darin, dass der Leser im zweiten Teil erfährt, wie er in mehreren Schritten vom falschen Gottesbild loskommen und davon geheilt werden kann: erkennen, bekennen, konfrontieren, reinigen.  
Das mag mitunter Schwerarbeit sein und eine Portion Demut verlangen, vermutet Pater Klaus, denn: „Wer gesteht sich schon ein, falsch zu liegen? Ich habe erst mal Jahre gebraucht, bis ich Gott überhaupt sagen konnte: Warum bist du eigentlich immer eine so beleidigte Leberwurst? Irgendwann musste ich mal ehrlich werden. Ich wusste zwar, dass mich Gott liebt, aber ich empfand es anders.“ Es gelte, eine Brille abzulegen, von deren Existenz man oft nicht einmal wisse, durch die man aber die Welt sehe, die das Denken, Führen, Handeln, einfach alles präge.
Dieser oft lange und schwierige Weg, sich von einem Gottesbild zu verabschieden, lohne sich, weiß der leidenschaftliche Seel­sorger: „Das Buch führt in die Freiheit. Und Freiheit ist das schönste Geschenk, das Gott uns gegeben hat.“
Bereits vor Jahren hatte der Priester den Blick auf eine zentrale Frage des Lebens gerichtet: Wohin gehe ich? Im Buch „Vorhang auf für den Himmel“ nimmt er den Leser beim ungewöhnlichen und „neugierigen Gang durchs Paradies“ an die Hand und weckt dabei die Lust aufs ewige Leben. Seit zwei Jahren gestaltet der Priester wöchentlich flotte Kurzimpulse auf YouTube zum Sonntagsevangelium.

Schnell weg! Der Alte kommt! Oder ist Gott viel besser als wir denken? Von Pater Klaus Einsle LC, Verlag Catholic Media, 272 Seiten, 18,40 €.

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