VISION 20002/2001
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Bettlerin vom Dienst, von der Gottesmutter geführt

Artikel drucken Hilfsaktion für Kroatien (Alexa Gaspari)

Gespannt schaue ich in alle Gesichter, als ich am Grazer Bahnhof ankomme. Eine VISION in der Hand ist mein Erkennungszeichen. Dann kommt eine Frau mit einem lieben Lächeln auf mich zu: Das muß sie sein. Ich weiß sofort: Mit dieser Frau werde ich mich gut verstehen. Viel Lebenserfahrung und Güte spricht aus ihrem Gesicht. Kein Wunder bei all dem, was sie erlebt, erfahren und getan hat. Einen ruhigen Platz zum Reden finden wir in der Pfarre Karlau.

Ich hätte viel von ihrem jahrelangen Einsatz für die Flüchtlinge in Kroatien gehört, beginne ich das Gespräch. Lächelnd gesteht Traude Schröttner, sie sei wohl die “Bettlerin vom Dienst". Und so stelle sie sich auch vor, wenn sie wieder einmal für andere Menschen bei Firmen und Geschäften sammeln geht. Und die Menschen geben gerne, wenn sie ihre Stimme hören: “Ja, kommen Sie vorbei," antwortete etwa der Direktor einer Schuhfirma, als sie ihm von ihren Flüchtlingen erzählte.

Ja, was hat sie nicht alles für “ihr" Flüchtlingslager in Kroatien erbettelt, von lebenswichtigen Lebensmitteln bis zu Kindergartenmöbeln! Und die Fotos, die sie mir zeigt, lassen erkennen, wieviel Zuneigung ihr von den vielen Schützlingen entgegengebracht wird. Allerdings hat sie selbst die Geborgenheit und Wärme, die sie heute anderen zu geben vermag, in ihrer Kindheit nicht gekannt.

Während ihre Mutter nämlich schwanger mit ihr ist, stirbt ihre um sieben Jahre ältere Schwester. Ein Schlag, den die Mutter nie mehr verwinden kann. Wahrscheinlich erinnert Traudes Anblick sie immer wieder an das tote Kind. Lehnt sie die Kleine deshalb ab? Vor allem aber gibt es da noch sechs andere Geschwister, drückende Armut in einer Zimmer-Küche-Wohnung und viele Sorgen durch einen kranken, oft betrunkenen Ehemann, die das Leben der Frau sehr erschweren.

Der Vater stirbt an Kieferkrebs, als Traude acht Jahre alt ist. Sie wird ihn hauptsächlich betrunken und Schläge austeilend in Erinnerung behalten. Waren es die furchtbaren Schmerzen, die ihn zum Alkohol verführten? Traude versucht es jedenfalls heute so zu sehen. Obwohl sie also zu Hause keine Geborgenheit kennt, möchte sie doch lieber daheim bleiben, als ihre Mutter die Achtjährige an Adoptiveltern abtreten würde.

Als die Mutter dann noch einmal heiratet, kommen die Kinder mit dem neuen Vater nicht zurecht. Traude leidet unter der großen Armut und fürchtet den Spott der Klassenkameraden. Da sie aber leicht lernt und eine gute Schülerin ist, wird sie geachtet und sogar zur Klassensprecherin gewählt.

Zu Hause wird nie über den Glauben gesprochen. Und doch öffnet sich für die junge Traude in ihrer Hauptschulzeit eine Tür zu Gott durch eine besonders liebevolle Beziehung zu ihrer Religionslehrerin. Wenn sie diese nach der Schule besucht, muß sie in die Kirche gehen, denn die Lehrerin spielt dort Orgel. Und in dieser Kirche, so meint Traude Schröttner heute, beginnt auch irgendwie und unbewußt ihr Glaubensweg.

Nach der Handelsschule macht Traude eine Büroausbildung. Mittlerweile ist sie von zu Hause ausgezogen. Den jungen Mann aus der Nachbarwohnung, den sie kennen und lieben lernt, heiratet sie im September 1962. Sie bekommt zwei Kinder: Karin und Franz. Das Mädchen kommt mit einem Herzfehler zur Welt und muß mit vier Jahren operiert werden. Eine lebensgefährliche Operation. In der Woche, die der Operation folgt und in der das Leben des Kindes an einem seidenen Faden hängt, bittet die Mutter Gott inständig um Hilfe, obwohl sie noch keine persönliche Beziehung zu Ihm hat. Die kleine Karin übersteht die Operation und ist heute selbst Mutter von vier Töchtern.

Von ihrer recht schwierigen Ehe, in der auch sie Fehler gemacht hat, erzählt Frau Schröttner nur, um die spätere Gnade, die Gott den beiden schenkt, deutlich werden zu lassen. Eine Ehe ohne Gott und ohne Gebet hat eben wenig Überlebenschancen. Ihrem Mann ist damals alles Religiöse zuwider. Die Ehe leidet auch unter dem oftmaligen Alkoholgenuß, der Strenge, die er aus seinem Beruf als Unteroffizier nach Hause bringt, und seiner Spielleidenschaft. Für die Familie bleibt kein Geld. Daher muß die Frau arbeiten gehen. Zuerst nur halbtags, um Zeit für die Kinder zu haben.

Für Traude Schröttner wird diese Ehe bald unerträglich. Sie möchte sich scheiden lassen. Der Pfarrer, mit dem sie darüber spricht, rät ihr zunächst, einmal auf einen Glaubenskurs zu gehen, einen Cursillo. Traude erinnert sich: “Hier habe ich zum erstenmal gespürt, daß es einen Gott gibt, und zwar weil Menschen von ihren Erfahrungen mit Ihm gesprochen haben. In meinem Herzen hab' ich eine Freude erfahren, die man nicht machen kann."

Diese Freude - der Pfarrer nennt es Gnade Gottes - geht aber im Alltag bald verloren, da Traude keinen Gebetskreis findet, in dem sie den frisch geschenkten Glauben pflegen könnte. Doch die Sehnsucht nach Gott war gewachsen.

Die nächste Etappe auf ihrem Weg ist eine Pfarrwallfahrt nach Mariazell. Traude geht mit ihren Kindern mit. Trotz eines beängstigend geschwollenen Knies hält sie bis zum Schluß durch. Am Gnadenort will sie Jesus und Maria um die Rettung ihrer Ehe bitten. Endlich in der Basilika! Und dort wird ihr eine tiefe Liebe zur Muttergottes ins Herz gegeben. Noch heute spürt sie ihre damalige Erfahrung ganz deutlich: “Eine richtige Mutterliebe, wie ich sie bisher nicht gekannt hatte."

Aber noch immer ist der Gedanke an Scheidung ganz aktuell - bis 1981, als sie an einem Seminar bei Pater Gots teilnimmt. Noch bei der Vorstellung der Teilnehmer sagt sie: “Entweder ich laß' mich nach diesen Tagen scheiden oder es gibt einen Gott, der mir hilft". In der Not sucht sie Gott und macht sich für Seine Wunder auf. Nach fünf Tagen Seminar macht sie eine Lebensübergabe. Nun weiß sie sich endgültig von Gott geliebt, gewollt und begleitet - was immer auch geschehen mag.

Sie begreift: Die Ehe ist ein Sakrament, bei dem Jesus der Dritte im Bunde ist. Sie muß nicht alle Last allein tragen. Jesus ist da und hilft. Sie darf sich alles von Ihm erwarten. Und so legt sie all ihre Sorgen in Seine Hände.

Zunächst geschieht jedoch scheinbar gar nichts! Oder doch? Später stellt sich heraus, daß ihr Mann im Gasthaus bald keine Lust zum Trinken oder Spielen hat. Er wäre lieber zu Hause, will dies zunächst aber nicht zugeben. Die Kassetten von P. Gots, die sich seine Frau zu Hause anhört, interessieren ihn plötzlich. Als Traude Schröttner zum Katholikentag nach Wien fährt, hinterläßt sie ihrem Mann ein Buch über Marienerscheinungen in Medjugorje, obwohl er beteuert, er wolle nichts davon wissen. Während der Papstmesse in Wien - es wird das Evangelium vom verlorenen Sohn gelesen - betet Traude intensiv für ihren Mann. Währenddessen liest dieser das Buch über Medjugorje, schaut sich die Übertragung vom Katholikentag an und hört die Worte des Papstes. Wenn das alles wahr ist, wird ihm plötzlich bewußt, ist eine Beichte überfällig.

In den ersten beiden Kirchen gibt es keine Beichtgelegenheit. Dennoch gibt er nicht auf. Er sucht weiter. Endlich findet er einen Beichtvater. Um Zentner leichter, verläßt er die Kirche. Als seine Frau heimkehrt, erwartet er sie feierlich im dunklen Anzug. Die Bibel liegt auf dem Tisch. Er erzählt von seiner Beichte - was für ein wunderbarer Beweis der Macht des Gebetes!

Als ihr Mann im Jahr darauf ebenfalls an einem Seminar mit P. Gots teilnimmt, erfährt er eine starke Bekehrung: Die Spielleidenschaft verläßt ihn. Hatte er bisher drei Packerl Zigaretten am Tag geraucht, so schenkt er diese Sucht der Muttergottes, als ein Nachbar im letzten Stadium Lymphdrüsenkrebs hat. Gemeinsam mit anderen betet das Ehepaar monatelang intensiv für ihn - und der Patient wird wunderbarerweise geheilt. Eine spontane Heilung, die kein Arzt erklären kann. Franz Schröttner wird übrigens unter keinerlei Entzugserscheinungen leiden. In den folgenden Jahren wird er Zeugnis von seiner Bekehrung ablegen. Natürlich sind nicht gleich alle Probleme des Ehepaars gelöst.

1984 fährt Traude Schröttner zum ersten Mal nach Medjugorje. Sie erkennt hier die große Bedeutung der Anbetung und der Eucharistie. Jahre später bei Exerzitien entschließt sie sich zu einer Ganzhingabe an Maria: “Von dort weg hat mein Leben eine total andere Wende genommen," erinnert sich Traude Schröttner im Rückblick. “Die Muttergottes hat nicht nur den kleinen Finger genommen, sondern die ganze Hand. Ich habe eine große Liebe zu den Armen ins Herz gelegt bekommen." Immer tiefer wird ihr bewußt, daß sie ein Kind Gottes, von Ihm geliebt, ist. All ihre innere Wunden heilt Er. Sie, die bis dahin nicht gewußt hatte, was Vaterliebe heißt, macht nun die wunderbare Erfahrung beschützender, heilender väterlicher Liebe.

Als der Krieg im Nachbarland beginnt, liest der Pfarrer während eines Gebetskreises die Worte der Schrift: “Du sättigst die Hungrigen." Er kann dann nicht mehr weiterlesen und erzählt von einem Pfarrer aus Kroatien, der ihm von der schrecklichen Not der Flüchtlinge erzählt hat. Traude Schröttner ist sofort entschlossen, möglichst bald nach Kroatien zu fahren. Und tatsächlich macht sich eine kleine Gruppe mit 26.000 Schilling auf die Reise in die genannte Pfarre. Dort führt sie der Pfarrer zu einem Hotel, das als Unterkunft für 1000 Flüchtlinge umfunktioniert wurde. In der ehemaligen Kegelbahn sitzen und liegen Männer, Frauen, Kinder, Alte und Junge zusammengepfercht am Boden. Es mangelt an allem. Eine 80jährige Frau kommt auf Traude zu und bittet sie: “Bringen Sie mir ein Bett."

Das Elend und der Hunger der Menschen dort erfordern dringende und rasche Hilfe. Das ist Frau Schröttner sofort klar. Und in den folgenden acht Jahren wird sie täglich Güter für die Flüchtlinge im Nachbarland besorgen. An den Wochenenden wird sie diese - zunächst mit Kleinbussen, später mit einem Lkw - gemeinsam mit freiwilligen Mitarbeitern nach Kroatien hinunterbringen. Ihr großer Einsatz ist nur möglich, weil nun ihr Mann auch hinter dieser Aktion steht.

In der Pfarre helfen jeweils fünf bis zehn Leute mit, die gespendeten Waren zu sortieren und aufzuladen. Eine der ersten Aktionen, die Frau Schröttner startet, ist die Beschaffung von Stockbetten. In Kasernen und Gefängnissen ruft sie an, bis einer der Verantwortlichen ihr zu 100 Stockbetten verhilft, als sie ihm von dem Wunsch der 80jährigen Frau erzählt. Seine Mutter sei auch gerade 80, und so käme er dem Wunsch gerne nach, erklärt er.

Da wird zum Beispiel folgende Aktion gestartet: Während des Krieges stellen sich Frau Schröttner und viele Helfer fünf Mal im Jahr vor alle Hofer-Filialen in Graz und bitten die Leute, die einkaufen gehen, ob sie nicht auch etwas für die Flüchtlinge mitnehmen und spenden könnten. Lebensmittel im Wert von bis zu 500.000 Schilling (bis zu 20 Tonnen) kommen auf diese Weise jedesmal zustande.

So gelingt es, die 1000 Flüchtlinge in Marija Bistrica ausschließlich durch diese Aktionen in all den Jahren mit Lebensmitteln und Gütern über Wasser zu halten. Und von dort aus werden auch noch andere Caritas-Filialen in Kroatien mitbeliefert. 1200 Tonnen Lebensmitteln und Waren im Wert von 55 Millionen Schilling werden in diesen Jahren in der Pfarre in Graz auf Lastwagen verladen.

Lächelnd erinnert sich Frau Schröttner: “Ich habe ,unsere' Flüchtlinge immer an den Schuhen erkannt. Wir hatten nämlich 4000 Paar Schuhe von ,Humanic' geschenkt bekommen." Immer wieder gab es wunderbare Erfahrungen der Vorsehung Gottes bei ihren Bettelanrufen. Vor jedem Anruf und während des Gesprächs bittet sie allerdings die Muttergottes konkret um ihren Beistand.

Eine Fülle von Beispielen bezeugen, was dann geschieht: Bei einem ihrer Besuche in Kroatien erkundigt sie sich wie üblich, was denn am nötigsten gebraucht würde. Zwei Tonnen Milchpulver seien von Nöten, heißt es. Zurück in Graz, ruft sie bei einer Firma an und erkundigt sich danach, was das koste: 50.000 Schilling. Der nächste Anruf gilt Pfarrer Sterninger. Ihn bittet sie, bei der nächsten Messe für diese Aktion zu sammeln. Das Sammelergebnis: 38.250 Schilling. Traude Schröttner ruft darauf bei der Firma an und bestellt um diesen Betrag Milchpulver - und es stellt sich heraus, daß die zwei Tonnen doch nicht 50.000 Schilling kosten, sondern nur 38.250 Schilling.

“Die Muttergottes hat mir immer genau das gegeben, was ich gerade gebraucht habe. Wenn ich fünf Tonnen Reis oder Mehl bestellt habe, so hatte ich zunächst nie ein Geld. Immer wieder habe ich die Muttergottes daran erinnert, daß ich das Geld brauche. Und sie hat ein Wunder nach dem anderen gewirkt," erinnert sie sich dankbar. So auch an einem Freitag als eine Rechnung noch nicht bezahlt ist. Traude Schröttner kommt in die Pfarre. Dort sitzt ein Mann auf der Bank. Im Gespräch mit ihm stellt sich heraus, daß ein Obdachloser (!) ihm ein Sparbuch mit 20.000 Schilling gegeben habe. Für einen guten Zweck. Es ist genau der fehlende Betrag.

Ein anderes Mal sind die Mitarbeiter in der Pfarre beim Sortieren der Waren nach einer Hoferaktion. Da kommt eine Frau auf sie zu: Sie sei aus Kroatien und brauche dringend Stoffwindeln, Medikamente und Verbandmaterial für ein Krankenhaus in der Nähe von Zagreb. Frau Schröttner bedauert. Das hätten sie nicht. Ob sie denn hier nicht bei der Caritas sei, fragt die Frau nach. Nein, bekommt sie zur Antwort.

Als die Frau auf ihrem dringenden Wunsch beharrt, vertröstet man sie auf den nächsten Tag. Und sie kommt, zu Mittag ist sie wieder da. Sie habe dafür gebetet, erklärt sie. Wo denn die Sachen seien? Frau Schröttner erklärt, all das gäbe es hier leider nicht, macht aber dann eine der Garagen auf, in der Waren gelagert sind. Da erblickt sie mehr als 20 Kartons, die sie vorher nicht gesehen hat: Stoffwindeln, Verbandmaterial und Medikamente. Ein eigener LKW wird damit beladen und in das Krankenhaus der Schwestern nach Kroatien gebracht.

Nächste Woche würde sie noch so einen Lkw mit Verbandmaterial brauchen, bittet die Frau. “Aber woher soll ich das nehmen?", entgegnet Frau Schröttner. Ein paar Tage darauf ein Anruf aus einem Spital in Graz: Sie hätten gerade Verbandmaterial für ihr Krankenhaus bestellt. Es sei auch für Frau Schröttner Material im Wert von 100.000 dabei - und die Firma gäbe das noch einmal so viel Ware zweiter Wahl dazu. Wieder ein ganzer LKW voll!

Ein anderer Fall: Für ein blindes, taubes, schwer verkrüppeltes Mädchen wird dringend ein Spezial-Rollstuhl gebraucht, genau auf ihre Maße abgestimmt. Doch das Mädchen ist in einem kroatischen Lager und Traude in Graz. Sie bittet die Muttergottes: “Du kennst die Maße, ich nicht. Hilf, bitte!" Dann der Anruf bei einer Firma, die solche Geräte herstellt und sie bekommt einen nagelneuen kleinen Rollstuhl mit Kopfstützen geschenkt. Wen wundert es nach all dem bisherigen noch, daß der Arzt der aus Kroatien - er nimmt den Rollstuhl mit Tränen in den Augen entgegen - erkennt: genau die richtigen Maße!?

Oder: Ein Anruf aus Zagreb, von Jelena Brajsa, Leiterin der dortigen Caritas: Sie hätten so viele Waisenkinder und Mütter mit Babys und bräuchten dringend Milchpulver, Babynahrung, Windeln usw... Traude ruft bei “DM" an und fragt, ob sie und ihre Helfer zwei Tage vor den DM-Geschäften betteln dürften. Bei dieser Aktion fragt die “Bettlerin vom Dienst" auch einen jungen Mann, der dort einkaufen geht, ob er eine Kleinigkeit für ein junge Mutter in Kroatien beisteuern möchte. Wie erstaunt ist sie, als ihr dieser dann freudestrahlend eine ganze Babyausrüstung schenkt. Warum so großzügig? fragt sie. Er sei heute stolzer Vater geworden und möchte nun einer jungen Mutter eine Freude bereiten. Mit seinen Worten wird Frau Schröttner am nächsten Tag in Kroatien einer Frau, die am selben Tag ein Baby bekommen hatte, das großzügige Geschenk übergeben.

Und noch eine ganz erstaunliche Geschichte: Mit 5000 Schilling geht sie eines Tages in eine Schuhfirma und bittet um Schuhe für die Flüchtlinge. Welche Art von Schuhen? Egal, was sie eben geben könnten. Sie erhält 100 Kartons. In Kroatien angekommen, hört sie von der Flüchtlingsbetreuerin, daß dringend hohe gefütterte Turnschuhe für die 96 Schulkinder gebraucht würden. Sie schauen in den Kartons nach. Ob man es nun glaubt oder nicht: Es sind hohe gefütterte Turnschuhe und alle 96 Kinder finden die passende Schuhgröße. Und die restlichen vier Paar Schuhe? Die passen vier Kindern, die später dazustoßen, wie angegossen! “So etwas kann man nicht organisieren," sagt Traude Schröttner auch heute noch mit einer gewissen Fassungslosigkeit in der Stimme. “Ich habe oft weinen müssen, wenn so etwas passiert ist."

“Das war der größte Gnadenstrom, in den wir jemals alle hineingezogen worden sind, weil wir der Muttergottes helfen durften," sagen noch heute all jene, die in diesen Jahren tatkräftig dabei waren," erzählt mir Frau Schröttner strahlend. “Das schöne an der ganzen Aktion," fügt sie hinzu, “war, daß viele Menschen die Liebe Gottes in einem Maß erfahren haben, daß sie sich bekehrt haben. Da ist etwa ein Mann, der bei einer ,Hoferaktion' gemeint hat, all die Dinge kämen sowieso nie in Kroatien an. Ich habe ihn daraufhin eingeladen mitzufahren. Am nächsten Tag ist er wirklich dagestanden und mitgefahren. Oder ein junges Mädchen, das mitgeholfen Barbie Puppen zu sammeln. Heute leitet sie den größten Gebetskreis in Graz."

Dieses Mädchen hat greifbar die Liebe Gottes erfahren und so zum lebendigen Gott gefunden, erzählt mir die unermüdliche “Bettlerin". Jede Firma die etwas gespendet hat, und davon gab es wirklich viele wie etwa Kastner und Öhler, Humanic oder die Firma Haberkorn, die 60 Sessel und 25 Tische für einen Kindergarten zur Entlastung der Mütter gespendet hat, bekamen eine Statue der schwarzen Madonna mit einem Dankschreiben des Pfarrers. Lächelnd meint Traude Schröttner: “Ich glaube die Madonna wollte in all diesen großen Firmen Einzug halten."

Allergrößte Hochachtung vor ihrem Mut habe ich, als ich höre, daß sie einmal sogar einen Mann - seine Familie lebte bereits in Graz - ohne Papiere über vier Grenzen nach Österreich geschmuggelt hat. Er war von den Serben gefoltert, eingesperrt, dann aber geflohen. Vom Beginn der Reise an haben bei dieser Aktion allerdings alle, die in diesem Konvoi mitfuhren, den Rosenkranz gebetet - und an allen vier Grenzen wurden sie durchgewunken, was bei allen 200 Fahrten vorher nie der Fall gewesen war! Bei keiner der Grenzen! Der Name des Mannes war übrigens Josef.

Abschließend sagt Frau Schröttner: “Ich habe durch all diese Jahre so ein Vertrauen in das Gebet bekommen! Wenn der Herr will, daß wir Gutes tun, gibt er uns die Kraft und die Charismen dazu. Mir hat er sicher das Charisma des Bettelns gegeben."

Traude Schröttner unterstützt derzeit die von Jelena Brajsa geleitete Caritas-Zagreb und eine Aktion von P. Gots in der Ukraine. Ihr Spendenkonto:

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