VISION 20006/2017
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Die heiligen Cyrill und Method

Artikel drucken Botschaft an uns (Von Helmut Hubeny)

Dieser Text schließt die Portraitserie über die Patrone Europas: Benedikt von Nursia (VISION 2/04), Edith Stein(4/12), Katharina von Siena (1/14), Birgitta von Schweden (4/17) ab. Mit den Slawenmissionaren Cyrill und Method haben sich die Päpste Johannes VIII. (880), Leo XIII. (1880), Pius XI. (1927), Johannes XXIII. (1963), Paul VI. (1969) und schließlich Johannes Paul II. befasst, der mit dem Apostolischen Schreiben Egregiae virtutis (1980) die Slawenapostel in den Rang von Schutzheiligen Europas erhob.
Das „Ora et labora“ des Heiligen Benedikt ist uns ja in seiner europäischen Bedeutung vertraut. Womit hat nun das griechische Brüderpaar zur Konstituierung Europas beigetragen? Europas Frühmittelalter ist mit der „Völkerwanderung“ verknüpft, in deren Verlauf das weströmische Kaisertum unterging. Unter Karl dem Großen entwickelte sich das Frankenreich zur Hegemonialmacht des lateinischen Kulturkreises, in der byzantinischen Kultur des Ostens entstanden Herrschaftsgebiete der Slawen. Dann zerfiel im neunten Jahrhundert das Karolingerreich, die Spannungen zwischen lateinischer und orthodoxer Kirche nahmen dramatisch zu.
In dieser Zeit wurde Konstantin (Cyrill) um 826 als jüngster von sieben Söhnen des kaiserlichen Beamten Leo in Thessalonike geboren. In dieser Stadt lebten viele Slawen, zu denen die Familie gute Beziehungen hatte. Der begabte Konstantin wurde zur Erziehung nach Konstantinopel geschickt und war dort ein Gefährte des jungen Kaisers Michael III. Nachdem er eine glänzende Eheschließung abgelehnt hatte, beschloss er, die heiligen Weihen zu empfangen, und wurde „Bibliothekar“ an der Hagia Sophia.
In der Zwischenzeit zog sich sein elf Jahre älterer Bruder Michael nach einer Verwaltungs-Karriere in Makedonien in ein Kloster auf dem Berg Olymp in Bithynien zurück, wo er den Namen Methodios erhielt (der Name als Mönch musste mit demselben Buchstaben beginnen wie der Taufname) und wurde Vorsteher des Klosters Polychronion.
Um das Jahr 861 wurden die Brüder vom Kaiser Michael III. zu den zwischen Dnjepr und Wolga lebenden Chasaren ent­sandt. Diese hatten um einen Gelehrten gebeten, der mit den Juden und Sarazenen diskutieren konnte. Cyrill hielt sich in Begleitung seines Bruders lange auf der Krim auf, wo er Hebräisch lernte. Auf der Rückreise erkannten sie auf der Krim visionär das Grab des heiligen Papstes Klemens I., der dorthin verbannt worden war, und führten die kostbare Reliquie von nun an ständig mit sich.
Um 863 bat Fürst Rostislav an der Spitze des Großmährischen Reiches den byzantinischen Kaiser, Missionare in sein Land zu entsenden, um die Menschen in ihrer Landessprache zu unterrichten. Der Patriarch Photios von Konstantinopel wusste um die linguistischen Kenntnisse der beiden Brüder und empfahl sie für diese Mission.
Konstantin und Methodios übersetzten einen Großteil der Bibel sowie liturgische Texte in die slawische Sprache. Konstantin (Cyrill) arbeitete auch eine Schrift aus, die Glagoliza, um diese Übersetzungen aufzuzeichnen. Eine spätere Entwicklung der Schrift wurde ihm zu Ehren die „cyrillische“ genannt.
Die Mission hatte schon sehr bald einen ungewöhnlichen Erfolg. Das erregte ihnen gegenüber aber die Feindseligkeit des fränkischen Klerus, der zuvor in Mähren eingetroffen war und das Gebiet als zur eigenen kirchlichen Jurisdiktion gehörend betrachtete.
Der slawischen Mission fehlte jedoch ein Bischof, der Priester weihen könnte. Der Bischof von Passau lehnte es ab, die Anhänger der slawischen Liturgie zu weihen. Fürst Rostislav wie auch der westslawische Fürst Kocel sah in der Mission der Brüder eine Alternative zu den deutschen Missionaren.
Daher begaben sich die Brüder 867 nach Rom, um sich zu rechtfertigen.  Unterwegs hatten sie eine angeregte Diskussion mit Vertretern der „Drei-Sprachen-Häresie“. Diese meinten, dass man Gott nur in den drei Sprachen der Kreuzesinschrift preisen dürfe: Hebräisch, Griechisch und Lateinisch. Dem widersetzten sich die beiden Brüder nachdrücklich.
In Rom wurden sie vom gütigen Papst Hadrian II. empfangen, der ihnen in einer Prozession entgegenging, um die Reliquien des heiligen Klemens würdig entgegenzunehmen.
Der Papst hatte die große Bedeutung ihrer außerordentlichen Mission erkannt. Seit Mitte des ersten Jahrtausends hatten sich nämlich die Slawen zwischen den beiden spannungsreichen Teilen des östlichen und des westlichen Römischen Reiches niedergelassen. Der Papst begriff, dass die slawischen Völker eine Brückenrolle spielen könnten, um die Einheit unter den Christen der beiden Reichshälften zu bewahren. Er zögerte daher nicht, die Mission der beiden Brüder in Großmähren zu genehmigen und billigte gleichzeitig den Gebrauch der slawischen Sprache in der Liturgie. Die slawischen Bücher wurden auf den Altar der Kirche Santa Maria von Phatmé (Santa Maria Maggiore) gelegt und die Liturgie in slawischer Sprache gefeiert.
Konstantin wurde 868 schwer krank und ging in Rom ins Kloster. Dort nahm er den Ordensnamen Kyrillos an. Danach bat er eindringlich seinen Bruder Methodios, die Mission in Mähren weiterzuführen. An Gott wandte er sich mit der Bitte, die ihm anvertraute Herde von der „Irrlehre der drei Sprachen … zu befreien.“ Er starb am 14. Februar 869.
Getreu der Verpflichtung gegenüber seinem Bruder kehrte Methodios im folgenden Jahr nach Mähren und Pannonien zurück. 870 weihte ihn der greise Papst Hadrian II. zum Priester und ernannte ihn zum Gesandten des Papstes für die Slawen. Schließlich wurde er zum Metropoliten von Sirmium (dem heutigen Mitrovica in Serbien), Pannonien (heute Ungarn) und Mähren geweiht.
Doch die politische Lage hatte sich  verändert. Den staatstreuen ostfränkischen Bischöfen von Salzburg, Passau und Regensburg war die Slawenmission eine gefährliche Konkurrenz, Method betrachteten sie als Feind. So wurde Method von der bayrischen Synode in Regensburg seines Amtes enthoben und in Ellwangen eingekerkert.
Erst 873 wurde Method vom kraftvollen Papst Johannes VIII. befreit, die Benutzung der slawischen Sprache in der Liturgie mit Ausnahme von Predigten wurde jedoch verboten. Aber Method ignorierte dieses Verbot und setzte seine Evangelisierungstätigkeit und die Ausbildung einer Gruppe von Schülern fort.  Diese setzten Methods Mission fort, indem sie im „Gebiet der Rus“ das Evangelium verkündeten.
879 wurde Methodios wieder nach Rom bestellt, um auf die Vorwürfe seiner Gegner zu antworten. Papst Johannes VIII. rehabilitierte ihn vollkommen. 880 wurde ihm das Amt des Erzbischofs und des Legaten für Pannonien und Mähren zurückgegeben. Auch durfte er die slawische Liturgie feiern, nur das Evangelium sollte lateinisch gelesen werden. Trotzdem wurde er weiter angegriffen, vor allem von Bischof Wiching aus Nitra.
Unter Papst Stephan V. wurde die slawische Liturgie erneut verboten, die Kirche in Pannonien und Mähren der westlichen Kirche angeschlossen. Methodios starb am 6. April 885 in seiner Residenz Velehrad.  Sein Grab wurde jedoch bis heute nicht gefunden.
Method und seinen Schülern ist unter anderem die Übersetzung der ganzen Heiligen Schrift, der Nomokanon und das Buch der Väter zu verdanken. Es war das Verdienst dieser Schüler, dass die Krise nach Methods Tod überwunden werden konnte: Sie wurden verfolgt, einige als Sklaven verschleppt, von einem Beamten aus Konstantinopel freigekauft und konnten in die Länder der Balkanslawen zurückkehren. Auch Bischof Wiching ließ die Nachfolger von Methodios verfolgen, einer von ihnen – der heilige Klemens von Ohrid  – flüchtete nach Bulgarien, wo er die slawische Liturgie verbreitete. Später verstärkten sich die Einfälle der Magyaren und trieben einen Keil zwischen Nord- und Südslawen, Slowaken und Slowenen. Als ein christlicher ungarischer Staat eine neue Epoche Osteuropas eröffnete, war die Geburt Europas abgeschlossen.
Cyrills und Methods Verdienst europäischer Dimension war der Brückenschlag zwischen Byzanz und Rom, die Bewahrung der Einheit zwischen der orthodoxen slawischen Welt und dem Stuhl Petri. Ihr Kerngedanke der Verkündigung in der Landessprache kam erst beim zweiten Vatikanum in der Liturgie-Konstitution zum weltweiten Durchbruch. Er wird heute zu Recht als großartige Vorwegnahme der „Inkulturation“ gefeiert.

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