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Quellen, aus denen wir leben

Artikel drucken Christen können auf das Wirken Gottes in ihrem Leben vertrauen (Amparo Lluch)

Der Familie den Vorrang einzu­räumen, heißt heute, gegen den Strom zu schwimmen. Dieses Unternehmen gelingt vor allem denen, die sich bewusst ma­chen, dass sie Kinder Gottes sind, und dass Er die Kraft schenkt, diesen Weg zu gehen.

   
 Amparo Lluch  

Papst Benedikt hat immer wieder betont: Wir sind nicht das Produkt der Evolution. Wir sind von Gott gewollte Wesen. Wie gut tut es, das zu wissen! Wir sind von Gott geliebt. Er hat uns erschaffen. Er hat sich über uns Gedanken gemacht. Wir waren in Seinem Kopf, in Seinem Herzen. Und wir sind Geschöpfe, wir sind nicht ganz autonom. Das ist eine Realität, die wir im Kopf haben müssen.
Haben wir uns schon einmal dabei ertappt, dass wir auf der Straße gedacht haben: Wow, Gott liebt mich? Ich mache mir nichts aus all dem, was mir heute nicht so gut gelingen wird – weil Gott mich liebt. Dann geht man mit einem anderen Elan durch das Leben. Diesen Gedanken zu pflegen, ist wirklich empfehlenswert: Gott liebt mich! Und wir können es auch den anderen sagen: Hey, hast du das schon einmal gehört? Gott liebt Dich! Das ist eine wunderschöne Botschaft, die wir im Kopf haben müssen: Wir sind von Gott geliebte Geschöpfe.
Die zweite Aussage: Wir haben gesündigt. Ok. Damit komme ich wieder runter auf den Boden. Wir müssen dazu stehen: Wir sündigen auch. Wir sind nicht perfekt. Wir haben Fehler, machen nicht alles richtig. Aber Gott erwartet nicht von uns, dass wir perfekt sind. Wir alle neigen nun einmal zur Sünde. Wir neigen dazu, ein bisschen Gott sein zu wollen, ein bisschen Macht zu haben, selbständig, autonom zu sein, niemanden über mir zu haben… Ja, so ist das nun einmal. Es war die Sünde Adams und Evas, und es ist unsere Sünde heute.
Aber was bedeutet das für meinen Alltag heute? Es bedeutet, dass wir mit dieser Tatsache ganz ruhig umgehen sollen. Wir fallen nun einmal. Wir dürfen nicht verzweifeln, dass uns die Dinge nicht gelingen – und dass wir immer wieder zur Beichte gehen sollen. Die Sünde darf uns nicht nervös machen. Sie macht uns bewusst, dass wir Gott brauchen. Wer jedes Mal erstaunt ist, dass er schon wieder gefallen ist, ist ein Mensch, der nicht wirklich an Gott glaubt. Wahrscheinlich glaubt er nur an sich.
Werde nicht nervös, wenn du bemerkst, dass du schon wieder nicht dazugekommen bist zu beten, obwohl du es dir schon so oft vorgenommen hast. Oder: Ich nehme mir vor, den Rosenkranz zu beten, gehe ins Bett – und schlafe sofort ein. Dann verzage nicht. Wir neigen dazu zu sagen: Entweder alles oder nichts; entweder es gelingt mir oder ich lasse es fallen. Nein, wir müssen dazu stehen, dass wir vieles nicht schaffen. Aber auch die anderen sind nicht perfekt. Es gibt das Paradies auf Erden nicht. Wie viele haben versucht, es einzurichten, und sind gescheitert!
Also streben wir nicht nach Perfektion. Lassen wir den Perfektionswahn in unserem christlichen Leben nicht zu! Das hilft uns nicht.  Wir sind Geschöpfe, die sündigen. Aber wir wurden erlöst. Christus ist für uns gestorben. Er hat die Sünde überwunden. Wir haben daher eine Hilfe. Wenn wir wollen, werden unsere Sünden vergessen. (…) Wir dürfen aus dem Zustand der Sünde heraus – durch die Erlösung Christi.  
Wir haben zu dieser Erlösung „ja“ gesagt. Das bedeutet, dass wir uns von Christus nicht erwarten, dass wir perfekt werden, sondern dass wir an Seiner Erlösung durch den Empfang der Sakramente teilhaben. Durch die Taufe haben wir zum Ausdruck gebracht, dass wir diese Erlösung anstreben. Durch sie haben alle getauften Christen eine Berufung. Papst Franziskus spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Gott einen Traum für uns hat. Und ich möchte diesen Traum entdecken und bei diesem Traum mitmachen. Es geht darum zu entdecken, was Gott sich gedacht hat, als Er mich geschaffen hat.
Und nun die Frage: Wie komme ich zu dieser Erkenntnis? Erwecke in dir den Wunsch, nach dieser Berufung zu handeln – der Wunsch wird erfüllt werden, wenn wir ihn ehrlich meinen.  

Die Autorin ist Juristin, Ehemediatorin und -beraterin  und im Persönlichkeitscoaching tätig.  Ihr Beitrag ist ihrem Vortrag beim Mama-Kongress entnommen.

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