VISION 20001/2000
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Die Ausgrenzung beenden

Artikel drucken Eine Anfrage an jedermann (John Mallon; Maria Loley)

Über das Alter zu sprechen, stößt auf Widerstand. Der Mensch unserer Gesellschaft will jung bleiben. Und weil das in Wirklichkeit nicht möglich ist, möchte er wenigstens jung aussehen, wenigstens im Aussehen einen solchen Eindruck erwecken. Wie immer man das kritisieren möchte hinsichtlich Vernunft oder Geschmack, es läßt auch eine tiefe Sehnsucht des Menschen erkennen, die Sehnsucht nach Leben, das nicht abnimmt, das keine Minderung kennt.

Die Menschen versuchen einen Höhepunkt von Kraft und Schönheit festzuhalten, das unvermeidbare Älterwerden mindestens so weit wie möglich hinauszuschieben. Das Sterbenmüssen soll kein Thema sein.

Aber wie gehe ich mit dem unvermeidbaren Doch-Sterbenmüssen um? Habe ich nur die Perspektive der Oberflächlichkeit : "Übrig bleibt keiner", so als heimliche Schadenfreude gegenüber dem geizigen Reichen?

Habe ich in diesem Dilemma nur die Ausflucht in den trügerischen Schein?

Am deutlichsten zeigt sich das im Umgang mit alten Menschen. Mit dem Ausgrenzen des Themas Altern wird meist auch der alte Mensch ausgegrenzt: Er darf dem Jungen nicht im Weg stehen. Wenn es auch, Gott sei Dank, Ausnahmen gibt, der Regelfall ist es nicht.

Der alte Mensch verliert in der Ausgrenzung - auf jeden Fall in der Ausgrenzung aus der Leistungsgesellschaft - an Persönlichkeitswert und dieser Verlust steigert sich nach dem Maß seiner Hilfsbedürftigkeit. Er erhält seinen Platz im Altenheim zugewiesen. "Ich bin zu nichts mehr nütze" - unzählige Klagen vereinsamter alter Menschen hören wir am Rande einer egoistischen Gesellschaft. Dabei muß Altenheim nicht unbedingt gleichbedeutend mit Ausgrenzung sein.

Wir stehen hier vor einem allgemeinen Problem: Können wir überhaupt miteinander umgehen? Warum nehmen Vereinsamung, Depression und Trostlosigkeit in solch erschreckendem Ausmaß zu?

Mühsame Versuche einer Sinnfindung sind nicht imstande, dem ausgegrenzten Menschen seine Würde wiederzugeben, ihm Wertschätzung spürbar zu machen. Gesellschaftspolitische Maßnahmen können nicht zum Kern des Problems vordringen.

Dringen aber Anstrengungen der Pastoral zum Kern der Not? Sicher sind entsprechende Hilfestellungen notwendig. Absolut notwendig ist jedoch, daß jeder von uns seine Beziehungen konkret und änderungsbereit ins Auge faßt und Schritte setzt.

Der Wert des Menschen darf nicht an seiner materiellen Nützlichkeit gemessen werden. Ein solcher Maßstab ist tiefste Verachtung und tödlich.

Was müssen wir tun wider die Ausgrenzung, daß Weihnachten wahr wird? Weihnachten: "Erschienen ist die Menschenfreundlichkeit Gottes ..." - "Laßt alle Menschen eure Güte erfahren; der Herr ist nahe ..."

Wir müssen die Zäune der Ausgrenzung niederreißen - und das beginnt im Herzen, wo alles seinen Ursprung hat: das Wohlwollen, das "Herz" füreinander, das weihnachtliche Tun unserer Augen, der hoffnungweckende Ton im Reden und die mutige Tat der Umkehr, die Ausgegrenzte wieder hereinholt und egoistische Pläne aufhebt für ein neues Miteinander. Da läßt dann einer den anderen Platz nehmen, da hat unsere Phantasie neue Einfälle, die das Leben des anderen aufbauen und da sind wir überrascht, wie wir selbst plötzlich aufgebaut werden.

Dann bekommt das Leben der Alten und das Leben der Jungen einen neuen Sinn, nicht im Habenwollen, sondern im Geben aus einem bekehrten Herzen. Da holen wir uns im Gebet Rat für das richtige Tun und bitten ehrlich um ein weises Herz, denn gekommen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes."

Maria Loley

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