VISION 20004/2008
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Europa muß sich für die Christen im Orient einsetzen

Artikel drucken Gespräch mit dem libanesischen Bischof Melki über das Zusammenleben von Christen und Muslimen

In Europa galt der Libanon als Oase im Vorderen Orient. Viel gepriesen wurde das Zusammenleben verschiedener Konfessionen. Was hat da die Krisen der letzten Jahrzehnte hervorgerufen?

Bischof Flavien-Joseph Melki: Ich sehe folgende Ursachen für diese tiefgreifende Veränderung: Zunächst die Anwesenheit der Palästinenser, die aus Israel geflohen sind. Sie haben sich bewaffnet - und waren bisher nicht bereit, ihre Waffen abzuliefern. Ihr Lebensbereich steht außerhalb der Kontrolle der libanesischen Armee. Von dort gehen aber laufend Angriffe auf Israel aus, das seinerseits mit militärischen Mitteln antwortet. Syrien hat die Spannungen weiter angeheizt und 1975 Krieg geschürt. Das Ziel: den Libanon, der sich im Konflikt zwischen Israel und dessen Nachbarn neutral verhalten hatte, unter syrischen Einfluß zu bringen. 15 Jahre hatten wir Krieg. Dieser hat uns die “Hisbollah" beschert, eine von Syrien geschaffene Organisation, die als schiitische Partei auftritt, über paramilitärische Einheiten verfügt und von Syrien und dem Iran mit Waffen versorgt wird.

Ein zweiter Grund: Die Christen - sie hatten 50 Jahre lang durch ihre ausgleichenden Bemühungen den Libanon zu einem Ort des Friedens gemacht - haben zahlenmäßig an Bedeutung verloren. Viele Christen sind ausgewandert, während die Zahl der Muslime anstieg.

Ist es sehr schwierig für die libanesischen Christen, in einem stark muslimisch geprägten Umfeld zu leben?

Bischof Melki: Man schätzt, daß derzeit zwischen 35 und 40 Prozent der Libanesen Christen sind. Als der Libanon 1920 gegründet wurde, betrug dieser Anteil 65 Prozent. Diese christliche Mehrheit hat letztlich für die Aufrechterhaltung eines gewissen Friedens im Land gesorgt und wesentlich zum wachsenden Wohlstand und zu den guten internationalen Beziehungen beigetragen. Aus zwei Gründen blieb diese christliche Mehrheit nicht erhalten. Da war zunächst die Auswanderung der Jungen - meist in christlichen Schulen erzogen, gut ausgebildet und im westlichen Ausland beruflich sehr erfolgreich: für andere Jugendliche ein Ansporn, auch das Land zu verlassen. Dazu kommt: Die Geburtenrate der Muslime liegt deutlich über jener der Christen. Beides führt dazu, daß der christliche Einfluß abnimmt.

Stellt diese Auswanderungsbewegung bereits eine Gefahr für das Überleben des Christentums im Libanon dar?

Bischof Melki: Die Christen machen sich Sorgen. Was ihnen Rückhalt gibt, ist die Tatsache, daß sie im Parlament unabhängig von ihrer Zahl 50 Prozent der Abgeordneten stellen. Das wurde in den Abkommen von Taif nach dem Krieg festgelegt. Dennoch findet eine Islamisierung statt: in der Region und im Staatsdienst. Immer mehr Beamte sind Muslime. Die Christen verkaufen zunehmend ihren Besitz. Ihn erwerben die großen Kapitalien aus dem arabischen Raum.

Wie hat sich das Zusammenleben von Christen und Muslimen früher im Libanon dargestellt?

Bischof Melki: In den christlich dominierten Regionen werden Muslime gut aufgenommen. Man gibt ihnen nicht das Gefühl, unwillkommen zu sein. Aber die Christen mögen nicht wirklich unter Muslimen leben. Sie fühlen sich nicht angenommen.

Hat sich dieser Bruch verstärkt?

Bischof Melki: Ganz sicher während der kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Menschen wurden ja umgebracht, entweder weil sie Christen oder weil sie Muslime waren. Bei uns spielt die Religion eine große Rolle. Man muß bedenken: die Abgeordneten im Parlament vertreten nicht eine bestimmte Partei, sondern eine Religion: Sunniten, Schiiten je nach Anteil an der muslimischen Bevölkerung. Ähnlich bei den Christen: Maroniten, Katholiken, Orthodoxe anteilsmäßig. Trotz all der Schwierigkeiten bleibt der Libanon ein Land, in dem man sich bemüht, miteinander zurechtzukommen.

Was können europäische Christen von Ihren Erfahrungen lernen: Was ist im Umgang mit den Muslimen in unseren Ländern zu beachten?

Bischof Melki: Wir Christen im Libanon sehen mit einer gewissen Bitterkeit, was den Muslimen hier in Europa gewährt wird, im Vergleich zu dem, wie wir von der muslimischen Mehrheit behandelt werden. Wenn ein Moslem fünf Jahre in Europa arbeitet, kann er um Staatsbürgerschaft ansuchen. Und er erwirbt alle Rechte, alle Türen stehen ihm offen. Die Religion ist kein Hindernis im bürgerlichen Leben. Wir Christen hingegen haben in den arabischen und islamischen Ländern keineswegs dieselben Rechte. Dabei sind wir Christen im Vorderen Orient weder Fremde, noch Flüchtlinge, noch Fremdarbeiter. Wir leben hier - haben aber nicht dieselben Rechte wie die Muslime. Überall Diskriminierungen. Diese Diskrepanz schmerzt uns.

Wenn Sie mich nun nach der Zukunft Europas, das die Muslime mit offenen Armen aufnimmt, fragen: Es ist schon recht, daß Europa den Muslimen solche Rechte einräumt. Aber gleichzeitig muß Europa von den Ländern, aus denen die Zuwanderer kommen, verlangen, daß sie den Christen gleiche Rechte gewähren. Wenn ein Europäer in die Türkei übersiedelt, dort arbeitet, um Einbürgerung ansucht und dann dort eine Kirche bauen will, geht das nicht. Es geht also darum, auf der Gegenseitigkeit des Verhaltens zu bestehen. Das ist eine demokratische Vorgangsweise.

Ein anderer Punkt: In Europa bekommen Muslime Förderungen für konfessionelle Schulen, da werden riesige Moscheen hingestellt. Ich frage mich: Stehen diese großen Bauten im rechten Verhältnis zur Zahl jener, die dort beten? Und was die Kosten anbelangt: Verfügen die in Europa arbeitenden Muslime über jene Mittel, die der Moscheenbau kostet? Woher kommt das Geld? Im allgemeinen zahlen die islamischen Staaten für all das. Aber wer hilft uns, den Christen im Libanon? Die europäischen Staaten sind es nicht. Soweit sie helfen, gehen die Mittel an den libanesischen Staat, der sie dann für alle Bürger einsetzt. Saudi-Arabien hingegen stellt sein Geld direkt für Schul- und Moscheebauten zur Verfügung und fördert islamische Anliegen somit direkt. Es geht darum, auf diesem Gebiet ein Bewußtsein zu entwickeln. Und noch etwas: Der Islam zeigt sich hier in Europa von der angenehmen, seiner geschönten Seite. Er sei eine Religion des Friedens, der Brüderlichkeit, der Liebe. Tatsächlich ist von all dem keine Rede.

Für die meisten europäischen Ohren sind das ungewohnt harte Worte...

Bischof Melki: Man schaue doch in den Koran, was er über die Christen sagt, über jene, die keine Muslime sind. Schauen Sie, was er über die Frauen sagt. Die Frau ist eine “Sklavin": Der Mann kann fünf Frauen haben, er kann sie schlagen und verstoßen, wann er will. Entspricht das den demokratischen Werten? Wenn ich als einzelner zum Haß, zum Rassenhaß anstachle, mache ich mich strafbar. Aber der Koran ruft auf zum Töten, zum Verjagen, zum Tributzahlen für die “Nichtgläubigen", zum Schlagen der Frauen... Das sollen demokratische Werte sein? Da darf man nicht blauäugig sein.

Hat Europa nichts aus der Geschichte des Orients gelernt? Unsere Kirchen sind entweiht, in Moscheen umgewidmet worden. Unsere Klöster hat man zerstört. Deren Schätze, die heiligen Bücher wurden verbrannt. Allein in Syrien gibt es 300 Ruinen von Klöstern und Kirchen - und kaum mehr Christen. Man hat sie gezwungen, ihren Glauben zu verleugnen, zum Islam überzutreten, hat ihnen unerträgliche Zahlungen aufgelastet. Diese Diskriminierung besteht bis heute. Kein Christ kann Präsident oder Minister werden - einzige Ausnahme: der Libanon. Wo bleibt da die Religionsfreiheit? Auch verbietet der Islam seinen Anhängern, die Religion zu wechseln.

Ich frage: Wo bleiben da die demokratischen Werte? Islam und Demokratie sind inkompatibel. Der Islam akzeptiert auch keine Trennung von Religion und Staat. Wie könnt Ihr da den Islam unterstützen? Es ist Zeit, daß Ihr Euch zu Wort meldet. Bedenkt: Jetzt machen die Muslime fünf Prozent der Bevölkerung aus und Ihr paßt Euch an. Was werdet Ihr machen, wenn sie 20 Prozent - oder bei Euren niedrigen Geburtenraten 50 sind! Wie soll das gut gehen? Eure schönen Kirchen werden zu Ruinen verkommen, wie im Vorderen Orient.

Das klingt so, als wären Sie gegen die Muslime?

Bischof Melki: Keineswegs. Das sind gute Menschen. Aber ich bin gegen den Islam, gegen die Lehren des Islam, der Haß und Lüge predigt - der eine blutige Geschichte hat. Nach der Rede des Papstes in Regensburg hieß es, der Islam lehre keineswegs die Gewaltanwendung. Er sei tolerant. Aber statt den Beweis dafür anzutreten, kam es zu Gewalttaten und Zerstörungen. Wo bleibt da die Toleranz? Damals wurde die Lüge offenkundig. Man muß den Islam studieren. Und dann soll man klar darüber reden. Noch einmal: Ich bin nicht gegen die Muslime.

Dr. Flavien-Joseph Melki ist Auxiliarbischof der Syrisch-Antiochisch-Katholischen Kirche (mit Rom uniert) und Kanzler des Patriarchats in Beirut.

Mit ihm sprach Alexa Gaspari.


Hilfswerke des Bischofs

Bischof Melki hat mehrere Hilfswerke gegründet: das Waisenhaus Home of Hope, Speranza, eine Seniorenheimstätte für Priester und gläubige Katholiken, den Foyer de l'Ésperance für mittellose Kinder. Wer für diese Werke spenden will, kann dies tun über das Konto: 144-6806-60 (Libanon Hilfe) der Deutschen Bank (BLZ 390 700 20).

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