VISION 20001/2011
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Für den Rest meines Lebens bedroht…

Artikel drucken Ein irakischer Muslim bekehrt sich zu Jesus Christus – und wird von seiner Familie verfolgt (Joseph Fadelle)

Joseph Fadelle (Pseudonym) stammt aus einer großen, schiiti?schen Familie im Irak. Er hat 10 Brüder. Während seines Militärdienstes teilt er das Zimmer mit einem Christen, den er zum Islam be?kehren will. Die offene Art und die Liebenswürdigkeit seines Zimmergefährten führen jedoch dazu, daß Fadelles Leben eine radi?kale Wende nimmt: Er ent?deckt Jesus Christus und bittet um die Taufe. Die irakische Kir?che verweigert sie ihm jedoch aus Angst vor den absehbaren Folgen: Als seine Familie nämlich von Josephs Gesinnungswandel erfährt, verfolgt sie ihn. Nur durch ein Wunder entkommt er dem Tod, flieht mit seiner Frau und landet schließlich auf Um?wegen in Frankreich. Eine Fatwa trägt den Schiiten weltweit auf, ihn zu töten.


Ihre Geschichte ist außergewöhnlich, aber ist sie einzigartig?
Joseph Fadelle:
Sicher nicht. Ich bin keineswegs eine Ausnahme, nicht der erste und nicht der letzte, der verfolgt wird, weil er sich für Christus entschieden hat. In islamischen Ländern werden täglich Menschen wegen ihres Glaubens umgebracht. Neun Jahre lang konnte ich nicht Zeugnis geben. Sicher gibt es viele Menschen, die – wie ich in meiner damaligen Situation – nicht reden können. Nur deswegen scheint meine Geschichte außergewöhnlich zu sein.
Ihre Frau hat das Geheimnis bewahrt, als sie von Ihrer Umkehr erfahren hat. Ihr Onkel und Ihre Brüder aber haben Sie in der Annahme, Sie seien tot, in der jordanischen Wüste liegen gelassen, nachdem sie auf Sie geschossen hatten. War Ihr Überleben ein Wunder?
Fadelle: Das wahre Wunder ist die Eucharistie. Wozu anderswo suchen? Beide Ereignisse sind in unseren Augen außergewöhnlich. Aber bei Gott ist nichts unmöglich. Wer glaubt, kann Berge versetzen…

Sind Sie jetzt in Frankreich gefährdet?
Fadelle:
Wegen der Fatwa, die gegen mich ausgesprochen worden ist, bin ich für den Rest meines Lebens von der Ermordung bedroht. Jeder Muslim, der dem Koran folgt, ist verpflichtet, mich umzubringen, weil ich vom Islam abgefallen und Christ geworden bin.
(…)
Wie haben Sie die Christen gesehen, als Sie noch Muslim waren?
Fadelle: Bevor ich Christus begegnet bin, habe ich die Christen durch die Brille des Koran betrachtet und sie so eingeschätzt, wie man es von mir verlangte. Das heißt: als Unreine, die man bekämpfen und umbringen sollte. Die ärgste Beschimpfung in diesen Ländern lautet: „Christen-Schädel“. Lustigerweise behauptet die Legende, die Christen würden wegen ihrer Unreinheit schlecht riechen. Es war das erste, was mich bei Massoud, dem Christen, mit dem ich das Zimmer teilte, erstaunt hat: Er roch gut!

Und wie sehen Sie jetzt den Islam?
Fadelle:
Zunächst ist die Unterscheidung zwischen den Muslimen und dem Islam wichtig: Die Muslime gehören zu meiner Familie, wir sind ihnen gleich an Menschlichkeit. Ich liebe die Muslime zutiefst. Aber der Islam ist, als Religion oder als Idee, das Schlimmste, was die Menschheit hervorgebracht hat. Es ist die einzige Religion, die das Töten befiehlt. Es ist evident, daß dies für die Menschheit schädlich ist, eine planetare Bedrohung – zunächst für die Muslime selbst. Sie sind als Schiiten, Sunniten, Salafiten uneins – und neigen dazu, sich gegenseitig umzubringen. Ich bin wohl einer Inspiration gefolgt, als ich einmal feststellte, was ich jetzt wiederhole: Das einzig Gute am Islam sind die Muslime.

Auch die Christen sind uneins. Die Geschichte lehrt uns, daß auch sie getötet haben…
Fadelle:
Das stimmt, aber da gibt es einen größeren Unterschied. Die Christen haben sich gegenseitig umgebracht, aber die Bibel ruft niemals dazu auf, den anderen zu töten. Der Koran und das koranische Gesetz aber rufen zum Mord auf. Man könnte sagen, es gibt „schlechte“ Christen, jene, die nicht auf die Bibel hören. Die „schlechten“ Muslime oder die Extremisten sind aber gerade jene, die den Koran lesen und anwenden!

Ihrer Ansicht nach gibt es also keinen signifikanten Unterschied zwischen maßvollen und extremistischen Muslimen?
Fadelle:
Sicher nicht. Da gibt es keinen Unterschied. Es gibt nur einen Koran und daher nur einen Islam. Einige Muslime wissen einfach nicht, was der Islam sagt, und sie sind daher gute Menschen, weil ihr Menschsein sie dazu drängt, Gutes zu tun. Die anderen hier in Frankreich sind solche, die den Koran kennen. Sie erscheinen gemäßigt, weil sie derzeit die Minderheit sind und daher den Koran nicht umsetzen können. Jene, aber die man heute als „gute Muslime“ bezeichnet, werden allerdings, wenn sie den Koran lesen, ebenfalls zum Töten verleitet werden wie die anderen – oder sie werden, wie ich, dem Islam den Rücken kehren. In den muslimischen Ländern aber ist, den Islam zu verlassen, wie mein Beispiel zeigt, so schwierig, daß man in ihm aus Angst verharrt.
Außerdem besteht in Frankreich die Gefahr der Demokratie. Die Muslime finden ihre Identität nicht in Frankreich, sondern suchen Zuflucht im Islam. An dem Tag, an dem sie im Parlament die Mehrheit stellen, werden sie für die Scharia optieren.

Ihr Onkel hat mit Ihren Brüdern versucht, Sie zu töten. Ihr Vater hat Sie ins Gefängnis gebracht und dem Ayatollah vorgeführt, der eine Fatwa ausgesprochen hat. Ist dieses Töten Ihrer Ansicht für die Familie ein Leiden?
Fadelle:
Natürlich ein großes, vor allem für meinen Vater, der, wie ich weiß, mich ja sehr geliebt hat. Aber so ist eben das Gesetz, der Islam zwingt ihn dazu. Als meine Brüder mich erstmals töten wollten, hat mein Vater vorgezogen, mich ins Gefängnis zu bringen in der Hoffnung, ich würde zum Islam zurückkehren. Als er mir meinen Onkel und meine Brüder nachgeschickt hat, befahl er ihnen mich tot oder lebend zurückzubringen – wohl hoffend, daß ihre Gewalt und meine Angst mich lebend heimführen würden. Ich habe 13 Jahre auf die Taufe gewartet – ein großes Leiden –, aber Gott wußte, warum Er mich warten ließ. Als ich vor dem Ayatollah gestanden bin, konnte ich erklären, daß ich nicht der Kirche angehöre. Damit konnte ich verhindern, daß meine Eltern die schwere Schuld, mich zu tötten, auf sich geladen haben. Wäre ich getauft gewesen, hätte ich nicht schweigen können. Dann hätten sie mich umgebracht. So ist das islamische Gesetz. Und meine Eltern hätten gelitten.

In einem Interview mit „Kirche in Not“ haben Sie erklärt, Ihr Ziel sei es, den Islam zu zerstören…
Fadelle
: Zweifellos ein schockierender Satz, den ich aber sicher nicht zurücknehme. Man muß ihn allerdings richtig verstehen. Ich will den Islam zerstören, zunächst einmal, um die Muslime zu retten. Das Auseinanderhalten der beiden ist entscheidend. Mir geht es um das Heil der Muslime. (…) Man muß die Muslime dazu bringen, den Koran verstehen zu lernen und nicht nur auswendig zu rezitieren. Er kann nämlich nicht das Wort Gottes sein. Ich weiß, daß es nicht leicht sein wird, das zu erreichen. Alles muß mit dem Gebet beginnen. Wir sind nur Werkzeuge. Nicht wir werden den Islam zerstören, wir werden die Muslime nicht retten, es wird die Hand Gottes sein.

Was antworten Sie aber jenen, die Ihnen vorhalten, Sie würden anderen Ihre Wahrheit aufdrängen und die Ihnen Mangel an Toleranz vorwerfen?
Fadelle
: Ja, ich verkündige laut meine Wahrheit. Sie ist „Die Wahrheit“, Christus. Wen soll das verletzen? Diese Wahrheit tötet niemanden, sie liebt. Ich dränge niemandem etwas auf, wohl aber spreche ich von der Liebe Christi. Christus ist die Toleranz in Person: Kein anderer als nur Er ruft dazu auf, seine Feinde zu lieben. (…) Wie kann man im Zusammenhang mit dem Islam von Toleranz reden? Wo er in der Minderheit ist, ist der Islam „tolerant“. Aber kein einziges islamisches Land ist es. Dem anderen tolerant zu begegnen, hindert nicht daran, über die Liebe Christi zu sprechen.

Sie haben 13 Jahre auf die Taufe und das Brot des Lebens gewartet. Eine lange Zeit
Fadelle
: Sehr lang. Dieses Warten war dank des unstillbaren Durstes, den ich hatte, zu ertragen. Als mir anfangs die Priester die Taufe aus Vorsicht verwehrten, litt ich. Dann ist mir P. Gabriel begegnet und er hat mir wiederholt gesagt, daß ich getauft werden würde. Er hat diese Wartezeit genutzt, um mich vorzubereiten. Ich wollte im Irak getauft werden, aber er hat mir geschickt klargemacht, daß ich der Kirche gehorchen müsse, die wollte, daß ich das Land verlasse.

Waren Sie den Christen böse, die Ihnen anfangs systematisch die Türen verschlossen?
Fadelle:
Sicher. Solange ich im Irak war, habe ich nicht verstanden, warum man mir die Taufe verwehrte. Mit dem Abstand, den ich heute habe, nehme ich es ihnen aber überhaupt nicht mehr übel. Ich verstehe ihre Vorsicht. Einen Konvertiten zu taufen, ist im Irak eine todeswürdige Handlung. Indem man mir die Taufe verwehrte, schützte man die gesamte christliche Gemeinschaft, aber auch mich, der dadurch in Todesgefahr geriet. Sie hatten keine Wahl.

Waren Sie froh, als Sie hier in Frankreich zu Christen gestoßen sind?
Fadelle:
In Frankreich bin ich Christen begegnet, die ich vom Irak her und aus Jordanien kannte. Aber mehrmals täglich in die Messe zu gehen, wenn ich wollte – war für eine Freude! Ihr Christen in Frankreich müßt aufwachen, Euren Glauben beleben! Zu lange schon schlaft Ihr vor Euch hin. Man muß mit den Muslimen sprechen, das ist unsere Aufgabe. Mittlerweile ist die Lage schon so, daß man wirklich nicht mehr weiterschlafen darf. Da geht es nicht nur um Barmherzigkeit, sondern um unsere Verantwortung als Kinder Gottes!

Das Gespräch hat Faustine des Lys für „L’Homme Nouveau“ (v. 20.11.10) geführt. Siehe auch das Buch: Le Prix à payer. Von Joseph Fadelle, LOeuvre éditions, 224 Seiten, 18 Euro.

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