VISION 20005/2020
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Christus in die Politik bringen

Artikel drucken Über einen Lehrgang für Christen mit Migrationshintergrund (Jan Ledóchowski)

Seit drei Jahren setze ich mich als Präsident der überparteilichen Plattform Christdemokratie für christliche Werte in der Politik ein und stehe sozusagen vor der Quadratur des Kreises. Ich sehe, wie wichtig diese Arbeit ist, weil mit dem Glaubensverlust auch das Verständnis für die Würde des Menschen verloren geht, auf dem unsere gesamte Zivilisation aufbaut. Aber ich habe einen Beruf, vier kleine Kinder, und mit meiner Frau würde ich auch gerne viel mehr Zeit verbringen.

Es wäre alles bedeutend leichter, wenn mehr Chris­ten sich politisch engagierten und sich mehr Männer und Frauen trauten, die Hände an diesen Pflug zu legen, selbst wenn man dabei schwitzt, Schwielen bekommt und zumindest äußerlich häufig schmutzig wird. Die Botschaft des Evangeliums ist richtiggehend gesellschaftsrevolutionär und soll ausgerechnet vor der Politik haltmachen?
Um diesen seltsamen Rückzug aus der Gesellschaft in geschützte kirchliche Reservate zumindest langfristig zu beenden, habe ich deshalb vor etwa zwei Jahren gemeinsam mit Gemeinderätin Caroline Hungerländer und Johannes Moravitz einen politischen Lehrgang für junge Christen mit Migrationshintergrund gegründet. In erster Linie wollten wir damit junge Christen für die Idee begeistern, Christus in die Politik zu bringen.
Wir wollten damit auch einen Beitrag zur Integration leisten und sozusagen dort beginnen, wo es zumindest religiös ein gemeinsames Wertefundament gibt. Außerdem wollten wir diesen jungen Menschen verdeutlichen, dass Österreich sie braucht. Wir brauchen Menschen, die an Christus glauben, die die Familie und die Ehe bewahren.
Mit Bangen habe ich auf die erste Begegnung mit unseren 16 Teilnehmern gewartet, die wirklich ein bunter Haufen waren, ethnisch wie konfessionell. Wir hatten Ägypter, Syrer, Iraner, Afrikaner, Armenier, Polen, Litauer, Slowaken und Rumänen, und sie waren katholisch, koptisch-orthodox, syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, maronitisch-katholisch, armenisch-apostolisch und freikirchlich.
Sehr schnell wurden mir einige Dinge klar. Auch die jungen Christen mit außereuropäischem Hintergrund brauchen keine Hilfe bei der Integration, wenn es um unsere Werte geht. Auch wenn wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, aber die europäischen Werte sind in ihrer Substanz alle christlich.
Im Gegenteil, viele von ihnen haben einen klareren Blick, was Österreich und Europa ausmacht, als so viele von uns, die hier aufgewachsen sind. Zweitens hat sich bestätigt, was C.S. Lewis geschrieben hat: „In ihrer Mitte, dort, wo ihre treusten Söhne wohnen, sind sich die einzelnen Konfessionen am nächs­ten, wenn auch nicht immer in der Lehre, so doch im Geist.“ Ich bin katholisch und bemühe mich ein treuer Sohn unserer Kirche zu sein. Weil auch unsere Teilnehmer fest in ihren Traditionen verwurzelt waren, konnten wir mit offenem Visier miteinander sprechen und arbeiten und deshalb erkennen, dass uns Christus eint.
Im Laufe von sieben Wochenenden haben zahlreiche hochkarätige Vortragende aus Politik, Kultur, Kirche, Medien, Wirtschaft usw. ihr Wissen und ihre Erfahrung geteilt und unsere Schulungsteilnehmer darauf vorbereitet, Verantwortung für unser Land zu übernehmen. An jedem Schulungswochenende haben sie in Kursen an ihren Rhetoriktechniken gearbeitet, und es haben sich spannende Duelle vor allem zwischen einer jungen polnischen Katholikin, einer ägyptischen Koptin und einer freikirchlichen Ghanaerin ergeben. Wir haben nicht nur viel gelernt, sondern vor allem Freundschaften geschlossen.
Ich bin sehr stolz darauf, dass einige von ihnen in der Zwischenzeit auch politisch aktiv sind. Eine Teilnehmerin kandidiert als Bezirksrätin, eine andere hat sich für ein Mentoringprogramm einer Partei angemeldet. Wieder andere arbeiten freiwillig bei der Plattform Christdemokratie mit, um christliche Kandidaten verschiedener Parteien – unter anderem mich – bei der Wiener Gemeinderatswahl am 11. Oktober zu unterstützen. So kann es uns vielleicht gelingen, als Arbeiter im Weinberg des Herrn, Seine Zeugen in der Welt zu sein.

Jan Ledóchowski ist Jurist, verheiratet, Vater von vier Kindern, Präsident der Plattform Christdemokratie und Kandidat zum Wiener Gemeinderat
Weitere Infos:
www.ledochowski.at
http://www.christdemokratie.at

 

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