VISION 20005/2020
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Tankstelle des Glaubens in unseren Tagen

Artikel drucken Begegnung mit der Gemeinschaft Cenacolo (Alexa Gaspari)

In dieser schwierigen Corona-Zeit, in der Regierung und Medien so viel Angst verbreiten, war ich auf der Suche nach positiven Ereignissen. Weil ich weiß, dass jede Veranstaltung der Gemeinschaft Cenacolo Freude, Hoffnung und Zuversicht ausstrahlen würde, habe ich das heurige Fest des Lebens, das vom 16. bis 19 Juli stattfand, mitverfolgt. Auch wenn es nur via Internet stattfand, war ich sehr froh darüber.

Wegen der Corona-Maßnahmen konnte das Fest – sein Motto: „Ich sage Dir: Steh auf“ – nicht wie jedes Jahr im Mutterhaus der Gemeinschaft in Saluzzo die jungen Menschen aus den weltweit über 60 Häusern der Gemeinschaft versammeln. Trotzdem – die Eucharistiefeiern, Katechesen und Zeugnisse, die Lieder und die Tänze, die aus den verschiedenen Erdteilen übertragen wurden – es war eben eine online-Begegnung – vermittelten ein Feuerwerk der Lebensfreude und Hoffnung, richtig ansteckend für alle, die, so wie ich, das Geschehen zu Hause an den Bildschirmen mitverfolgt haben (übrigens nach wie vor im Internet zu sehen: www.festadellavita.info).
Das hat mich auch auf die Idee gebracht, das Ehepaar Zemann – beide ehemalige Cenacolo-Mitglieder – in Vision2000 zu portraitieren.
Mit Cenacolo verbinde ich, seit vielen Jahren, mehrere Begriffe. Da ist in erster Linie das Gebet: Es ist das Wichtigste. Mutter Elvira, Gründerin des Cenacolos, hatte den Mut, junge Menschen, die von Drogen und Alkohol zerstört worden waren, vor den eucharistischen Jesus zu bringen. Sie hat ihnen die Tore weit geöffnet, weil sie überzeugt war: Der in der Eucharistie gegenwärtige Jesus ist es, den die jungen Menschen brauchen, die Anwesenheit des wahrhaftigen, lebendigen Gottes im eucharistischen Brot, die Freude an der persönlichen Begegnung mit Gott, die im Gebet entsteht, im vertraulichen Sprechen.

 

Pater Ivan Filipovic

 Dieses lebendige Brot würde die Leere der Süchtigen füllen, sie vom Bösen befreien und sie so zu einem Neubeginn, zum Glauben und zur Liebe, eben zu einer Auferstehung führen. Aber ist es nicht genau das, was wir alle bräuchten?
Weitere Eckpfeiler sind die Gemeinschaft, die hier gepflegt wird, die Freude an der Arbeit, ja überhaupt die Lebensfreude, die Cenacolo-Bewohner ausstrahlen, eben Freude am Leben, und am neuentdeckten Glauben. Welche Wunder dieses „Öffnen der Tore“ vollbringen kann, erkennt jeder, der einmal ein Cenacolo-Haus besucht hat.
Ein Beispiel für solche Wunder ist Don Ivan Filipovic. Auf ihn bin ich beim Suchen im Internet gestoßen. Er bezeichnet sich als „eucharistisches Wunder“. Da beschreibt er seinen Lebensweg: Geboren in einer wunderbaren katholischen Familie in Kroatien, bekommt seine heile Welt einen schweren Sprung, als der Vater – der Sohn ist erst drei – auf der Suche nach Arbeit  nach Deutschland geht.
Ab nun sieht er ihn nur mehr ein oder zweimal im Jahr. Mit 17 Jahren geht auch er unter dem Vorwand, ein Freund hätte ihm dort Arbeit gefunden, nach Deutschland. Tatsächlich sucht er aber das Abenteuer, die Freiheit. Hatte er vorher zu Hause schon Bekanntschaft mit leichten Drogen gemacht, gerät er jetzt tief in die Szene. Er entdeckt nämlich, dass redliche Arbeit viel Mühe, aber nur wenig Geld einbringt, dass sich jedoch mit Drogen leicht ein Luxusleben verdienen lässt. So gerät er in den Sog von Heroin und ähnlichen Stoffen.
Er dachte, das sei der glücklich machende Weg, der ihn zum Mann machen würde. Aber: „Nach zwei Jahren hatte ich so ziemlich alles ausprobiert. Die Welt der Drogen bringt dir gewissermaßen den Tod ins Herz. Es war ein schmutziges Geld, das ich da mit einem unsauberen Handel angehäuft habe. Die Droge ist das Böse. Sie hat mich innerlich aufgefressen, mich kaputt gemacht.“
Wie zu erwarten, bekommt er Probleme mit dem Gesetz, der Polizei und flieht zurück nach Kroatien. In Kroatien ist Krieg. Schwere Zeiten für alle. Es geht ihm so schlecht, dass er zum Arzt gebracht wird, der ihn mit Metadon behandeln soll. Dieser erzählt ihm vom Cenacolo und von Mutter Elvira. Und so tritt er, als letzte Hoffnung,  in die Gemeinschaft ein. „Die erste Begegnung mit Mutter Elvira war sehr schön und aufrüttelnd. Sie hat uns mit starken, ja brennenden Worten davon überzeugt, dass wir nicht Angst davor haben müssten, gut zu werden. In der Nacht habe ich viel nachgedacht, all die Jahre bisher beweint. Am nächsten Tag, als wir mit ihr den Rosenkranz beteten, ist in mir etwas gewachsen, und ich fasste den Entschlus: Auch ich will gut werden.“
Er erlebt dann wunderbare drei Jahre in der Gemeinschaft, „über die ich stundenlang erzählen könnte. Ich hatte wunderschöne Erlebnisse im Gebet, vor allem im persönlichen Gebet bei der Anbetung, vor dem Allerheiligsten, die Anwesenheit des wahren, lebendigen Gottes im eucharistischen Brot. Macht das Herz die Erfahrung, dass der lebendige Gott in der Eucharistie lebt, muss der Verstand nicht viel tun.“ Und langsam wächst der Wunsch in ihm, „noch mehr über den Glauben, über die Heilige Schrift, über Gott zu erfahren.“ Uns so bleibt er in der Gemeinschaft und wird Priester.
Bei einer Predigt 2015 in Medjugorje erzählt er den jungen Leuten: „Ich war schwer von Heroin abhängig, ich war gefesselt von Satan. Er hat mich Jahre hindurch so hin und her gerissen, dass ich nicht nur mich verletzte und verwundete sondern auch das Leben der anderen genauso. Dieser Übergang aus meinem Ägypten, aus meinem Tod in den neuen Menschen, in das versprochene  Land, in die vollkommene Freiheit, dieser Übergang ist bei der Eucharistie, beim eucharistischen Brot geschehen. Jesus hat mich Schritt für Schritt in die Freiheit geführt. Ich würde lügen, wenn ich das nicht vor allen bezeugen würde: ich bin ein eucharistisches Wunder.“
Und er fügte hinzu, dass wohl viele, die dort seiner Predigt zuhörten, genau so wie er selbst auch solche Wunder seien.

Die Gemeinschaft Cenacolo ist auch in den verschiedenen Medien zu finden auf: Facebook, Instagram, Youtube und Vimeo.

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