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Maria braucht kein Update!

Artikel drucken Maria 1.0 gegen Maria 2.0: Kampf um das Leitbild der Frau in der deutsche Kirche

Gegründet von einer jungen Bayerischen Lehrerin ist Maria 1.0 eine Vereinigung von Frau­en, die sich zur Lehre der Kirche bekennen. Sie wollen zeigen, dass es in der Kirche viele Frau­en gibt, die sich dagegen wehren, dass die deutsche Kir­che jetzt wie ein Verein durch Statutenänderung umgemodelt wird. Wie Jesus Christus selbst habe auch die Kirche von An­fang an den Frauen Wertschätzung entgegengebracht. Dass Gott Seinen Sohn Jesus einer Frau, Maria, anvertraut und sie so zur Vermittlerin zwischen Ihm und den Menschen erwählt hat, hebt die besondere Würde der Frau hervor. Im Folgenden ein Gespräch mit einer engagierten Maria-1.0-Mitarbeiterin.

Was kennzeichnet die Initiative Maria 1.0?

 
Larissa Porzelt  

Larissa Porzelt: Wir sind ein Zusammenschluss von vorwiegend jungen deutschen Katholikinnen, die ihre Einheit und Treue zur katholischen Kirche und dem päpstlichen Lehramt zum Ausdruck bringen. „Maria 1.0“ ist durch verschiedene Spiritualitätsrichtungen gekennzeichnet, und wir legen Wert auf das klassische Gebets- und Laienapostolat. Auch die Präsenz in den sozialen Medien, wie Instagram und Facebook, zur Evangelisierung ist uns ein besonderes Anliegen, um so auf moderne Weise den Glauben zu verkünden. Für die Zukunft plant „Maria 1.0“ theologische Tagungen sowie eine Möglichkeit, für Katholiken im deutschsprachigen Raum ein gutes Kommunikations-Netzwerk zu schaffen.
Unser Motto: Marianisch, eucharistisch, papsttreu und katholisch. „Maria 1.0 – Maria braucht kein Update!“  war ursprünglich eine Gegeninitiative zu „Maria 2.0“, die sich beide im Mai 2019 entwickelt haben. Jedoch schauen wir mittlerweile auf alle theologischen Themen und möchten den Schatz der Kirche bewahren. Unsere Gründerin Johanna Stöhr hat ihre Leitung im Mai 2021 an die Eichstätter Studentin Clara Steinbrecher abgegeben.

Und welche Anliegen hat nun „Maria 2.0“?
Porzelt: „Maria 2.0“ ist eine Initiative, die das Ziel verfolgt, eine Erneuerung der Kirche zu erreichen, indem man die Ämter für jeden zugänglich macht, den Zölibat abschafft, die Sexualmoral der Kirche als lebensfremd und diskriminierend bezeichnet und den Klerikalismus als Grundproblem der Kirche sowie als Ursache des sexuellen Miss­brauchs darlegt. Agiert wird mit Streiks und Protesten. Im vergangenen Jahr wurden die Argumente durch einen Thesenanschlag auch in den Medien präsent. Erwähnenswert ist übrigens, dass die Initiatoren von „Maria 2.0“, Elisabeth Kötter und Andrea Voß-Frick aus Münster, voriges Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten sind.  

Was sind einige der Hauptkritikpunkte von „Maria 1.0“ an „Maria 2.0“?
Porzelt: „Maria 1.0“ kritisiert diese Art von Reform zur Erneuerung der Kirche, weil die drei Säulen der Kirche nicht beachtet werden: Tradition, Heilige Schrift und Lehramt haben keinen Platz in dieser Organisation. Außerdem wird die heilige, immerwährend jungfräuliche Gottesmutter für deren Zwecke missbraucht. Deshalb haben wir den Leitspruch: „Maria braucht kein Update!“ Wir sind der Meinung, dass diese Initiative sich vom Wesen der Kirche entfremdet hat, indem sie sich von der göttlichen Ordnung loslöst, um ihre eigene Ideologie, den Feminismus, durchzudrücken. Davon distanzieren wir uns und sehen es als sinnlos, überflüssig und theologisch falsch an, einen deutschlandweiten Streik gegen das Wesen der Kirche zu führen.

Wer sind die Teilnehmerinnen an „Maria 1.0“?
Porzelt: Vorwiegend sind wir junge deutsche Katholikinnen, die sich aus allen gesellschaftlichen Bereichen – sei es als Hausfrau, Studentin, Arbeiterin oder Akademikerin – zusammengeschlossen haben, um unsere Liebe zur Kirche und Got­tesmutter zu zeigen. Die deutsche Kirche ist bekannt dafür, sehr liberal zu sein, manchmal liberal bis zur Unkenntlichkeit.

Wie haben Sie es geschafft, nicht mit dem vorherrschenden Strom der Kirche in Deutschland mitzuschwimmen?
Porzelt: Ich bin aus Deutschland nach Österreich geflohen. Aber Spaß bei Seite: Nach meiner Bekehrung Ende 2016, einen Tag vor meinem 19. Geburtstag, habe ich die Gnade Gottes erhalten, in einem guten konservativen Umfeld mein Theologie- und Philosophiestudium in Heiligenkreuz beginnen zu dürfen. Außerdem bin ich vom Wesen her so gestrickt, dass ich mich gerne selbst informiere und Gott immer mehr kennenlernen möchte. Dadurch sind gewisse Fragen in mir hochgekommen: Was ist Wahrheit? Wo ist diese Wahrheit zu finden? Was macht die Kirche wirklich aus? Letztendlich ist es für mich entscheidend gewesen zu erkennen, dass Gott die eine heilige katholische und apostolische Kirche durch Seinen Sohn gestiftet hat und wir nicht befugt sind, unsere eigene Lehre zu machen, indem man Traditionsgut weglässt, etwas hinzufügt oder einfach erfindet.

Warum haben Sie sich entschieden, „Maria 1.0“ zu unterstützen?
Porzelt: Ich möchte nicht nur Theologie und Philosophie für mich studieren, sondern auch meinen Glauben leben und weitergeben. Dabei ist es mir wichtig gewesen, etwas zu finden, das erstens von einer Gemeinschaft getragen und zweitens wirklich katholisch ist. Mein persönliches Motto: Ganz oder gar nicht. Und „Maria 1.0“ steht – auch wenn die Kirche nicht perfekt ist – ganz hinter und zur Kirche.

Haben Sie Kritik für Ihr Engagement erhalten?
Porzelt: Mehrmals in der Woche wird man aufgrund der Einstellung und Treue zur Kirche verbal angegriffen. Dabei werden so gut wie immer die gleichen Argumente vorgebracht: man habe keine eigene Meinung, ließe sich von einem patriarchalischen System unterdrücken und würde im Mittelalter leben. Das nimmt man mittlerweile mit Humor.

Was ist Ihre Rolle in Maria 1.0?
Porzelt: Ich arbeite ehrenamtlich im Socialmedia-Bereich. Wir sind vor allem auf unserer Homepage erreichbar und haben einen Instagram-, Facebook- und Twitter-Account. Davon obliegt mir die Leitung von Twitter. Auch gibt es einzelne Dienste, die man nach eigenem Zeitpensum erledigen kann. Das können etwa das Erstellen von Posts sein, das Schreiben von Zusammenfassungen bestimmter Ereignisse in der Kirche oder auch das Stellen von Interview­-Anfragen.

Welche Rolle spielt „Maria 1.0“ beim deutschen „synodalen Weg“?
Porzelt: Bei den synodalen Treffen haben wir eine Vertreterin direkt vor Ort, die die Lehre der Kirche vertritt. Wir haben schon unterschiedliche Artikel, Interviews, Radiobeiträge oder Fernsehinterviews gemacht, um vor dem Irrweg des Synodalen Weges zu warnen und darauf aufmerksam zu machen, dass nicht eigenwillige Reformen oder lehramtliche Veränderungen die Kirche „retten“ werden, sondern nur eine Rückbesinnung auf Gott, Tradition, Schrift und die bestehende Lehre selbst.

Maria 1.0 handelt von Maria. Welches ist Ihr liebstes Marienfest oder Ihre liebste Marienandacht, und warum hat sie eine besondere Bedeutung für Sie?
Porzelt: Ich liebe das Fest Mariä Empfängnis, das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter am 8. Dezember. Sie ist ganz Mensch, aber voll von Gnade. Sie ist die Frau in der Kirche und wurde von der Erbschuld ausgenommen. Es ist unglaublich, was Gott in und mit ihr gemacht hat. Außerdem: Im Dezember 2016 hat mich die Muttergottes durch den Rosenkranz bekehrt.

Stellen Sie sich vor: Sie dürfen drei Heilige zum Mittagessen einladen und bitten sie um Rat für Maria 1.0. Wen würden Sie einladen, und was würden Sie sie fragen?
Porzelt: Ich würde den Kirchenvater Augustinus einladen, denn er ist der erste Kirchenvater, mit dem ich in Kontakt gekommen bin. Er hat ein unglaubliches Fundament für die Entwicklung der Kirche – und in meinem Leben geschaffen. Meine Frage wäre, wie er heute mit den synodal-deutschen Bischöfen umgehen würde, die sich so offensichtlich von der Lehre der Kirche abwenden und inwieweit wir ihnen gegenüber noch Gehorsam leisten müssen.
Weiters würde ich die heilige Kirchenlehrerin Katharina von Siena einladen und um ihre klaren Worte bitten und fragen, wie sie den Papst Gregor XI. dazu bewegen konnte, wieder nach Rom zu gehen. So würde ich mir erhoffen, Worte von ihr zu erhalten, die deutsche Bischöfe zur Vernunft bringen könnten.
Zuletzt würde ich den Ehrwürdigen Bischof Fulton J. Sheen fragen, wie man mit Humor, Gelassenheit, Geduld und mit Ruhe die Katholiken in Deutschland wieder auf den richtigen Weg führen kann.

Das Gespräch hat Jennifer Bryson geführt.
Eine Übersetzung des Interviews ins Englische ist auch auf der Website OnePeterFive.com erschienen.
Larissa Porzelt studiert Theologie an der Hochschule Heiligenkreuz. Jennifer Bryson, Ph.D., ist Fellow am Ethics and Public Policy Center in Washington, DC und Gastwissenschaftlerin an der Hochschule Heiligenkreuz.




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