VISION 20005/2001
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Einfach leben - damit andere überleben

Artikel drucken Eine Gruppe teilt den Glauben, Freud und Leid, Besitz und Zeit (Marianne und Michael Kain)

Unter diesem Motto fanden sich in den Jahren 1989 in Dornbirn und 1995 in Landeck einige franziskanisch geprägte Christen zusammen, die sich die christliche Tugend des “Teilens" besonders auf ihre Fahnen hefteten. “Teilen mit Herz", so steht es auf jedem der monatlich erscheinenden “Teilen-Briefe" der beiden Gruppierungen um die Ehepaare Veronika und Hermann Gasser in Dornbirn und Marianne und Michael Kain in Landeck, und daher auch das Logo mit dem “TAU" im Herzen.

Ausgehend vom Gedanken: “Teilen beginnt im Kopf und hat in erster Linie den Verzicht als Ursprung", begannen wir 1996 Leute zu suchen, die im Vertrauen auf Gott und im Blick auf Jesus Christus und der Muttergottes Maria bereit sind, Freud und Leid, Besitz und Zeit, den Glauben zu teilen - sozusagen “Kirche im Kleinen" zu sein. Das Teilen sollte ja für einen Christen ureigenste Pflicht und Tugend zugleich sein.

“Drei Pfeiler" sind es, auf denen die Gruppen aufbauen:

* Gebet: Gott ist die Mitte unseres Lebens! Aus diesem Grund wollen wir uns jeden Tag bewußt Zeit für Ihn nehmen (Gebet, Eucharistiefeier, Bibellesung, etc......) Wir möchten eine aktive Zelle in der römisch - katholischen Kirche sein, sind aber auch offen für jeden Menschen und ökumenisch ausgerichtet und treffen uns zweimal im Monat in einem Gebetskreis.

* Gemeinschaft: Allein gegen den Strom zu schwimmen, ist schwierig. So wollen wir versuchen, im fruchtbaren Miteinander die frohe Botschaft Gottes weiterzutragen und so unsere Ziele verwirklichen. Zur Förderung der Kommunikation geben wir einen monatlich erscheinenden “Teilen-Brief" heraus.

* Aktion: Wer Gott den ersten Platz einräumt, den wird Gottes Liebe zur Tat drängen! So wollen wir einfach und umweltbewußt leben, auf unnütze Dinge verzichten, unsere Zeit und unsere Talente, unsere Kraft und unser Geld verfügbar machen für jene Brüder und Schwestern, die hier und dort in großer Not leben, aber auch für jene, die sich zu einem priesterlichen Leben berufen fühlen und zuwenig Mittel für die Ausbildung haben. Die einzelnen Monats-Projekte sind über Entwicklungshilfe-Projekten, Missionsprojekten, pro-life Projekten weltweit breit gefächert.

Solche Anliegen sind leichter ausgesprochen, als dann auch in die Tat umgesetzt. Teilen beginnt schon viel früher, als die Brieftasche aufgeht, Teilen beginnt im Kopf und hat in erster Linie den Verzicht als Ursprung. Der Christ gibt nicht vom Überfluß, sondern echtes Teilen schmerzt. Aus diesem Grund liegt unser Hauptaugenmerk auf der Bewußtseinsbildung, und ist nicht auf den einen Punkt des “finanziellen Teilens" beschränkt, sondern wir wollen mehr. Wir wollen anregen, auf etwas zu verzichten, auch wenn es schmerzt und dann dieses “ersparte" Geld bedürftigen Menschen in der Welt zur Verfügung stellen.

War es in früheren Zeiten einfach üblich, den zehnten Teil jedes Einkommens mit den Bedürftigen zu teilen, so hat sich in heutiger Zeit das Sparen durchgesetzt. Jesus spricht in diesem Zusammenhang sehr deutliche Worte, etwa wenn er uns aufruft, uns einen bleibenden Schatz im Himmel zu sammeln, wo weder Rost noch Motte ihn zerstören können (Mt 6, 19-21).

Erfolg ist kein Wort im Sprachschatz des Herrn, und doch ist es uns in dieser Zeit, ohne irgendwelche “Aktionen" zur Geldbeschaffung, rein nur mit diesem Brief, den regelmäßig etwa 90 Personen erhalten und den wir in einigen Kirchen auflegen, gelungen, über 1,3 Millionen Schilling zu sammeln und ohne irgendwelchen Verwaltungsaufwand 1:1 weiterzugeben. Wir können wirklich mit Recht sagen, dass wir durch diese Initiative sehr vielen Menschen weltweit helfen haben können. Von einigen Projektpartnern, sei es aus Indien, Afrika oder sonst woher, bekamen wir Besuche und äußerst positive Rückmeldungen über von unserer Gruppe unterstützte Projekte.

Unzählige Beispiele wie jenes der armen Witwe, von der im Evangelium berichtet wird, die nur zwei der geringsten Münzen in den Opferstock warf, könnte ich anführen, einige solcher Menschen gibt es auch noch heute.

Unsere einzige Aktion ist die alljährlich zu Weihnachten stattfindende “Anstatt-Aktion". Da geht es in erster Linie auch um die Bewußtseinsbildung. Sinn und Zweck ist dabei, “anstatt" eines oftmals “sinnlosen" Geschenkes, weil der zu beschenkende “eh' schon alles hat", einen (oder mehrere) Bedürftige in der Dritten Welt zu beschenken. Durch diese originelle Idee, anstatt eines Geschenkes einen Gutschein zu schenken, setzen wir ein Zeichen ausgleichender Gerechtigkeit! Wir laden ein, die Weihnachtsfreude und das Weihnachtsbudget zu teilen! Eines darf keinesfalls vergessen werden: das regelmäßige Gebet, mit dem wir unsere Gaben “veredeln" wollen. Das ist “Aktion" genug.

Für uns alle zählt die Freude und der Einsatz an der “ Teilen-Gruppe" zu unserem Apostolat in Kirche und Welt.

Marianne und Michael Kain

Für nähere Informationen: Marianne und Michael Kain, Perfuchsberg 49, 6500 Landeck

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