VISION 20005/2001
« zum Inhalt Zeugnis

Jesus ist der Messias!

Artikel drucken Gespräch mit einem messianischen Juden (H.H.)

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit findet eine neue Form von Erweckung unter Juden statt: Sie erkennen in Jesus den verheißenen Messias, bleiben aber ihrer jüdischen Tradition treu. Im folgenden ein Gespräch mit dem Gründer der Vereinigung “Pfad der Tora":

Was bedeutet die Bezeichnung “messianischer Jude"?

H.H.: Die ersten Christen waren Juden, das darf man nicht vergessen. Und bis zum 5. Jahrhundert gab es eine Kirche der Judenchristen, die an der Tradition und den jüdischen Festen festhielt im Gegensatz zur Kirche der Heidenchristen, die sich davon abgesetzt hatte. Was uns messianische Juden betrifft, so stehen wir in der Tradition dieser Bewegung von Juden, die an Jeshua, der von den Völkern Jesus genannt wird, glauben. Wir sehen in Ihm die Erfüllung der Prophezeiung. Für uns ist Er der Messias - Hebräisch der Gesalbte des Höchsten.

Stellt das eine Bekehrung dar?

H.H.: In der Geschichte hat es immer Juden gegeben, die zum Protestantismus oder zum Katholizismus übergetreten sind wie etwa Kardinal Lustiger. In unserer Bewegung ist das insofern anders, als wir nicht von Bekenntniswechsel sprechen. Eine solche “Bekehrung" würde heißen, daß wir unsere jüdische Identität aufgeben, um eine andere anzunehmen. Wir ziehen es vor, von einem Wiedersehen, von einer Heimkehr zu sprechen. Denn es handelt sich für uns um eine Erfüllung, die Fortsetzung eines Weges. Wir glauben, daß Jesus wirklich der Messias ist, daß er König ist, der Retter. Er ist nicht gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Er ist fest in seinen jüdischen Wurzeln und in seiner Tradition verankert.

Verstehen Sie sich als christliche Kirche?

H.H.: Wir gehören Christus, also sind wir eine christliche Kirche, deren besonderes Merkmal es ist, die Tradition und die jüdischen Riten zu bewahren, wobei wir einige Vorschriften , die mittlerweile überholt sind, ablehnen. Das wichtigste für uns ist der Sabbat und das Brotbrechen, aber im Namen Jesu. Einige begehen den Samstag, andere den Sonntag feierlich, aber immer im Namen Jesu. Wir haben auch eine vom jüdischen Ritual abgeleitete Taufe. Man darf das jüdische Erbe nicht verwerfen; es erklärt vieles an den christlichen Riten. Das wissen übrigens viele Katholiken gar nicht und es wäre gut, wenn sie es entdeckten. In der katholischen Liturgie findet man Traditionen der Synagoge wieder. Als ich den Katholizismus näher kennengelernt habe, nahm ich an Liturgien, Prozessionen und Riten teil, die direkt von der Synagoge herrührten. Dafür danke ich dem Herrn, da es beweist, daß unsere Brüder dem Stamm verbunden bleiben. Wenn ich zur Eucharistie in der Kirche bin, begreife ich, daß uns der Herr zum Allerheiligsten führt, zu jenem Ort, der uns verwehrt war, zu dem der Priester nur einmal im Jahr Zutritt hatte. Heute steht dieser Ort der ganzen Welt offen.

Wie kamen Sie dazu, das Evangelium anzunehmen?

H.H.: Ich habe alle Prophezeiungen studiert, die Jesus erfüllt, die Stellen im Alten Testament, die er zitiert. Ich habe entdeckt, daß es eine ausgezeichnete rabbinische Lehre war. Besonders berührt hat mich die messianische Prophezeiung in Zacharias 12, in der die Kreuzigung des Messias vorhergesagt wird: “Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben."

Fühlen Sie einen Missionsauftrag im Gegensatz zu den Juden, die den Proselytismus ablehnen?

H.H.: Wie sollten die Juden Jeshua erkennen, wenn Ihn niemand verkündet? Meine Sehnsucht ist es, daß die Juden - ob sie nun praktizieren oder nicht - Ihn als Messias entdecken, aber verankert in der jüdischen Tradition. Ohne Proselytismus, manchmal durch Schweigen, einfach durch meine Gegenwart. Ich merke es an der Hebräischen Universität, wo ich mit Rabbinern studiere: Nach einiger Zeit sind sie es, die mich fragen. Weil wir eben das Salz sind. Nach Marokko, wohin ich regelmäßig fliege, nehme ich immer rund 600 Evangelienbücher mit, die ich bei meinen Begegnungen verteile. Wir wollen bezeugen, daß Jesus nicht gekommen ist, um uns zu entwurzeln, sondern um uns in unserer Identität zu verankern.

Und wie stehen die Juden zu Ihnen?

H.H.: Die messianischen Juden werden in Israel von den Ultra-Orthodoxen sehr verfolgt. Einige ihrer Kultstätten wurden angezündet, manche ihrer Häuser geplündert, Druck wird ausgeübt, damit sie keine Arbeit bekommen... Der Anteil der atheistischen Juden in Israel ist hoch; einige von ihnen sind Suchende und fühlen sich von diesen messianischen Gemeinschaften angezogen, durch das Neue, das sie darstellen, und durch die überbordende Freude. Die Entdeckung von Jesus als Messias bedeutet eine innere Erneuerung und wir sind leidenschaftlich von ihr erfüllt: Es ist ein wenig der verlorene Sohn, der heimkehrt. Und die Leute sehen, daß die Hand Gottes da anwesend ist.

Auszug aus Famille Chrétienne.

© 1999-2020 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11