VISION 20002/2002
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War das Grab etwa doch nicht leer?

Artikel drucken Im Film “The Body" werden die sterblichen Reste Jesu entdeckt

Wieder einmal wird die Auferstehung Jesu in Frage gestellt. Diesmal im Film “The Body". Er ist vor wenigen Wochen angelaufen.

Ein Krimi nimmt sich des Themas an: In Jerusalem wird ein Grab gefunden und ins Jahr 32 n. Chr. datiert. Der Tote: ein Gekreuzigter mit Merkmalen aus der Leidensgeschichte Jesu. Die Frage steht im Raum: Ist es der Leichnam Jesu von Nazaret? Alarmiert schickt der Vatikan einen Experten. Er soll nachweisen, daß die Gebeine nichts mit Jesus zu tun haben. Der Jesuit begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit - und legt am Ende verzweifelt sein Amt nieder...

Die im Film aufgeworfene Frage nach dem leeren Grab rief natürlich auch Theologen auf den Plan. Manche von ihnen gaben Erstaunliches von sich, etwa der Wiener Neutestamentler Jacob Kremer (Die Presse v. 9.2.2002):“Das leere Grab ist keine unabdingbare Voraussetzung für die Auferstehung Jesu. (...) Wenn heute, was so gut wie unmöglich erscheint, der Leichnam Jesu gefunden würde, spräche das niemals gegen die Auferstehung..."

Wer solches behauptet, unterstellt, die Auferstehung sei kein physisch wahrnehmbares Geschehen gewesen, kein historisches Ereignis. Vielmehr hätten die Jünger ihre Glaubenserfahrung in Form von Geschichten wiederzugeben versucht.

Im Film hingegen zieht die Archäologin Sharon Golban einen anderen Schluß aus der Entdeckung des Leichnams, der Jesus zugeschrieben wird: “Das ist ein Fund, der Ihrer Kirche für alle Ewigkeit den Rest geben wird", stellt sie nüchtern fest.

Und mit dieser Aussage trifft sie den Nagel auf den Kopf: Wenn das Grab nicht leer war, Jesus also gestorben, begraben, vermodert, somit denselben Weg gegangen ist wie alle übrigen Menschen, dann ist alles, was die Kirche seit 2000 Jahren verkündet, Humbug. “Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos", schreibt der Apostel Paulus an die Korinther. Und er hat damit recht.

Die Auferstehung aber setzt ein leeres Grab voraus - auch wenn dieses allein das einmalige Geschehen der Auferweckung Jesu nicht beweist. Das leere Grab ist jedoch eine notwendige, wenn auch keine hinreichende Bedingung. Denn für ein leeres Grab lassen sich andere Erklärungen finden. Das kann man schon bei Matthäus nachlesen: Die Soldaten, die das Grab zu bewachen hatten, sollten erzählen, sie seien eingeschlafen und während dessen hätten die Jünger den Leichnam gestohlen.

Zwar wird bei dieser Story das leere Grab als Tatsache hingenommen, eigentlich aber dieselbe Botschaft verbreitet: Jesus sei gestorben und den Weg alles Irdischen gegangen: Verwesung an einem unbekannten Ort...

Zurück zum Film: Woran erkennen dort die Experten, daß es sich um Jesu Leiche handelt? An Spuren eines Lanzenstichs, Verletzungen am Schädel durch spitze Gegenstände, Grabbeigaben. Woher das Wissen über diese Merkmale kommt? Aus den Evangelien, woher sonst?

Man beachte: Insoweit die Heilige Schrift über Leiden und Sterben des Herrn berichtet, nimmt man sie also ernst. Kaum geht es aber um die leibliche Auferstehung, will man denselben Schriften plötzlich keinen Glauben mehr schenken.

Verständlich ist das ja. Denn an dieser Stelle verlassen wir den Bereich des Nachvollziehbaren. Die Berichte über die Osterereignisse halten ein einmaliges Geschehen fest. Auferstehung gab es vorher nicht und nachher nie wieder. Da ist plötzlich einer, der mausetot war, wieder lebendig - und zwar auf eine schwer faßbare neue Art.

Auch die Jünger konnten es nicht glauben, waren total verwirrt, obwohl ihnen Jesus dreimal seine Auferstehung angekündigt hatte. Sie meinten, einen Geist zu sehen, hielten die Erzählungen der Frauen für Gewäsch. Darf man sich darüber wundern? Und ist nicht auch die Reaktion des Apostels Thomas die normalste der Welt? Er muß erst sehen, angreifen.

Doch dann geschieht das Unfaßbare: Jetzt, da der Auferstanden ihn einlädt, die Hand in die Wunde zu legen - ganz konkret - begreift Thomas, daß der auferstandene Jesus derselbe ist wie der, den er gekannt hatte. Er läßt sich anfassen, spricht mit Seinen Jüngern, ißt sogar mit ihnen. Allerdings steht er auch in einer ganz neuen Existenzweise vor ihnen, kommt bei verschlossenen Türen, ist nicht einfach nur ins Leben zurückgekehrt wie vor ein paar Tagen der ebenfalls tote Lazarus, der später einmal sterben wird. Blitzartig begreift das Thomas und er erkennt: Vor ihm steht der Mensch gewordene Gott, der Lebende, den der Tod nicht besiegen konnte: “Mein Herr und mein Gott!"

Wer ist dieser Jesus aus Nazaret? Vor diese Frage stellt uns auch der Film “The Body". Sollten Sie, liebe Leser, in ein Gespräch über den Film verwickelt werden, so ist das eine gute Gelegenheit zu bezeugen, daß eine Alltagserfahrung, nämlich daß der Tod das letzte Wort hat, einmal durchbrochen worden ist: Als Gott in Jesus von Nazaret Mensch wurde.

“Ich bin das Leben," hatte der Herr Seinen Jüngern verkündet und in Seiner Auferstehung machte er sie mit dieser revolutionierenden Wahrheit vertraut. Seit damals liegt es an Seinen Jüngern (heute an uns), der Welt glaubhaft kund zu tun, daß der Weg zum Leben über Jesus Christus führt.

Die Botschaft vom leeren Grab ist ein wichtiges Element dieser Verkündigung. Es besteht überhaupt kein Grund, von ihr abzurücken, weil man es heute angeblich besser wisse. Im Gegenteil: Neue Erkenntnisse über das Grabtuch von Turin lassen erkennen, daß es Zeuge eines nicht nachahmbaren Ereignisses (einer plötzlichen Entmaterialisierung?) gewesen sein muß (siehe Seite 25).

Zugegeben: Alle Informationen über das Grabtuch stellen letztlich auch nur einen Indizienbeweis dar. Aber wer die Fülle all dessen auch nur halbwegs unvoreingenommen betrachtet, kann eigentlich nur zu dem Ergebnis kommen: Das Grabtuch ist Zeuge der Auferstehung des Herrn.

Auf jeden Fall aber reicht das, was wir heute wissen, um den Osterberichten jene Glaubwürdigkeit zu erhalten, die sie seit 2000 Jahren haben und die den Glauben von “Fundamentalisten" wie dem heiligen Franz von Assisi, der heiligen Teresa von Avila, dem Pfarrer von Ars genährt haben.

Christof Gaspari

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