VISION 20002/2002
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Pressesplitter kommentiert

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Abtreibungen also doch rechtmäßig?

Das Landgericht Heilbronn hat mit Urteil vom 27. November 2001 einem Privatmann verboten, “wörtlich oder sinngemäß" die Behauptung aufzustellen, ein Heilbronner Arzt führe in seiner Praxis “rechtswidrige Abtreibungen" aus. In der Urteilsbegründung heißt es, die juristischen Laien (...) verstünden “unter einer ’rechtswidrigen Abtreibung' einen illegalen, vom Gesetzgeber nicht erlaubten, sondern verbotenen Schwangerschaftsabbruch."

Wörtlich heißt es in dem Urteil: “Ein Schwangerschaftsabbruch hingegen, dessen Voraussetzungen detailliert geregelt sind und an dessen Durchführung zudem staatliche und kirchliche Stellen im Rahmen des obligatorischen Beratungsgespräch mittelbar mitwirken, ist nach dem Verständnis eines unvoreingenommenen und verständigen Publikums wenn auch nicht erwünscht, so doch rechtmäßig."

Daß hier unter anderem die Mitwirkung der Kirche als Begründung für die ’Rechtmäßigkeit' des Schwangerschaftsabbruchs herhält, beurteilt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner als “ausdrückliche Bestätigung für die Position des Papstes", der die Bischöfe aufgefordert hatte, in katholischen Stellen keine Beratungsscheine mehr für eine straffreie Abtreibung auszustellen.

Kath.net 28.2.02

China für Gentech

China forciert ganz entschieden die Entwicklung transgenischer Pflanzen, auch wenn diese noch reichlich umstritten sind. Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie (Science v. 25.1.02) geht hervor, daß dieses Land derzeit auf diesem Forschungssektor nur knapp hinter den USA liegt. 31 genetisch veränderte Organismen wurden bereits entwickelt und in Verkehr gesetzt. Die Liste der untersuchten Arten ist sehr lang: Baumwolle, Reis, Getreide, Erdäpfel, Paradeiser, Soja, Raps, aber auch Kohl, Erdnüsse, Melonen, Paprika, Papayas. Die aus öffentlichen Mitteln finanzierten Labors konzentrieren ihre Forschung auf mehr als 40 Pflanzen und 120 Gene.

Le Figaro 4.2.02

Trotz ihrer unabschätzbaren Gefahren gilt Biotech als die Zukunftsindustrie. Klar, daß die EU als Wirtschaftsgroßmacht im Wettlauf mit China und den USA da nicht zurückstehen will:

Es lebe Biotech

Europa stehe vor der politischen Entscheidung entweder eine passive Rolle einzunehmen und die Auswirkungen der biotechnologischen Entwicklung andernorts abzuwarten oder aber selber aktiv zu werden. Nach der Informationstechnologie würden Biowissenschaften und Biotechnologie die nächste Phase der technologischen Revolution sein, sagte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. Europa müsse sich dieser Herausforderung stellen. Das Einstehen für grundlegende ethische Werte werde dabei von entscheidender Bedeutung sein, um Vertrauen zu schaffen und die Akzeptanz der neuen Technologie zu fördern. Bis zum Jahr 2005 könnte der Markt für Biotech allein in Europa die Marke von 100 Milliarden Euro erreichen, schätzt die EU-Kommission.

AIZ v. 24.1.-30.1.02

In Europa gehört es zum guten Ton, die Bedeutung der Ethik zu betonen. Bisherige Erfahrungen mit Ethik-Debatten lehren aber, daß wissenschaftliche und wirtschaftliche Interessen Vorrang haben. Was da herauskommt, wird nett mit Ethik verpackt. Wirtschaftliche Interessen zum Maß der Dinge zu machen, erweist sich übrigens in vielfacher Weise als Irrweg:

Wenn die Bevölkerung schrumpft

In den letzten 20 Jahren haben fast alle Industriestaaten Geburtenraten unter dem Bestanderhaltungsniveau gehabt. Was ist das für eine Gesellschaft, die nicht reproduktionsfähig ist? Die Antwort lautet: Es ist die marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaft. Der Markt hat an diesem Thema kein Interesse, denn der Markt denkt nur kurzfristig. Firmen und Staaten sind in dieser kurzfristigen Perspektive gefangen, und das aus gutem Grund, denn sie werden für jedes kurzfristige Versagen sofort von den Finanzmärkten bestraft. Ist aber das Hauptaugenmerk erst einmal auf den kurzfristigen Zeithorizont gerichtet, werden langfristige Investitionen von der Tagesordnung gestrichen, bei Firmen wie bei Regierungen. ... Egal wie erfolgreich der Markt ist, wird er unter den in den meisten Ländern herrschenden Gegebenheiten immer kinderlose Menschen bevorzugen und Familien benachteiligen. Der Einbruch in den Geburtenraten in den meisten Industriestaaten stellt eindrucksvoll unter Beweis, daß der marktwirtschaftliche Ansatz die soziale Reproduktion nicht fördert.

beziehungsweise 23/01

Selbst der materielle Wohlstand ist beim Wettlauf um Reichtum gefährdet:

Armut in den USA

Die Bischöfe haben eine Kampagne gestartet, um die Bürger auf die versteckte Armut ihres Landes aufmerksam zu machen. (...) In den USA leben 31 Millionen Bürger unter dem Existenzminimum. 12 Millionen Kinder (jedes sechste Kind) lebt unter sehr schwierigen Bedingungen. Eine im März 2001 von Gallup veröffentlichte Meinungsumfrage enthüllte, daß nur 5 % der Amerikaner Armut und Obdachlosigkeit als ein wichtiges Problem des Landes betrachten. Der Leiter dieser Kampagne, P. Bob Vitillo, sagte Radio Vatikan gegenüber: “Die Armutsrate ist höher als in irgend einer anderen europäischen Industrienation, höher als in Japan und derzeit fast der russischen gleich".

Zenit v. 1. 2.02

Dafür werden in den USA die Reichen noch reicher: 1999 verdienten 205.000 Steuerzahler über eine Million Dollar - mehr als doppelt so viele wie 1995. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe stieg um über 500.000 Dollar auf 3,2 Millionen... Nicht nur in dieser Hinsicht sind die USA das Land der unbegrenzten Mögichkeiten:

Folter im TV

Alligatoren, Kälte und Feuer: US-Sender setzten ihre Spielshow-Kandidaten zum Gaudium des Publikums bewußt Qualen aus - und fahren gute Quoten ein. Wie ein begossener Pudel sieht Jennifer aus. Die Haare hängen ihr ins Gesicht, der Kopf ist mit kleinen Eisstückchen übersät. Zum Glück scheint wenigstens die Wimperntusche wasserfest zu sein. Ansonsten trieft die Kandidatin der neuen US-Fernsehshow “The Chamber" in ihrem engen Gymnastik-Trikot und klappert vor Kälte mit den Zähnen... Während der Sender Fox in besagte Folterkammer einlädt, bittet ABC auf “The Chair". Hier handelt es sich eher um eine Art Zahnarztstuhl, in dem man sich - nur scheinbar entspannt - zurücklehnen kann. Zwar bläst dem Kandidaten in dieser Quizsendung kein eisiger Wind ins Gesicht, aber er darf beim Beantworten der Fragen eine gewisse Herzfrequenz nicht überschreiten - zumal Moderator John McEnroe ... zwar keine Folterwerkzeuge einsetzt, aber verschiedene Trümpfe ausspielen kann, um sein “Opfer" zu erschrecken: Rauchbomben, glühende Feuerbälle und ähnliches. ... Mehr als neun Millionen Seher verfolgten die erste Ausstrahlung von “The Chamber" auf Fox, mehr als zwölf Millionen sahen “The Chair" auf ABC.

Die Presse. v. 28.1.02

Merkwürdiges auch auf manchen US-Universitäten, weltweit als vorbildlich gerühmt:

Pornographie als Studienfach

Wie Edwin Feulner, Präsident der “Heritage Foundation", dem führenden konservativen “Think Tank" in den USA, kürzlich in einem Kommentar bemerkte, wird das Thema Pornographie immer häufiger an Schulen und sogar Universitäten - unter dem Vorwand der Wissenschaft - bearbeitet und erforscht. Derzeit bieten unter anderem die Universitäten von Massachusetts-Amherst, Kalifornien (Santa Crus und Berkeley) und die Arizona State Universität derartige Seminare an. An der Wesleyan Universität in Connecticut drehen die Studenten sogar ihre eigenen Pornofilme. Erst im November vergangenen Jahres wurde diese Entwicklung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als Michele Malach, eine Englischprofessorin am Fort Lewis College in Durango, im Bundesstaat Colorado, in aller Öffentlichkeit für ihr Seminar “The Poetics of Porn - Die Poesie der Pornographie" warb.

kath.net v. 28. 01. 2002

Mit solchen Fehlentwicklungen stehen die USA nicht allein da. Wegen ihrer weltweiten Dominanz muß man aber beachten, wo ihr “Fortschritt" hingeht.

Schlechtes Jahr für Hellseher

Die Hellseher hatten - was ihre “Treffsicherheit" angeht - ein schlechtes Jahr 2001. Den 11. September und den folgenden Militäreinsatz in Afghanistan sagte niemand voraus. (...) Angekündigt waren beispielsweise ein großes Erdbeben in der Türkei, in Deutschland eine positive Wirtschaftsentwicklung, sinkende Arbeitslosenzahlen und ein wachsendes Ansehen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Auch der Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen war eine glückliche Zeit an der Seite von Theo Baltz geweissagt worden; tatsächlich trennte sich das Paar jedoch. Trotzdem zahlte sich das vergangene Jahr für die Wahrsager aus. Rund 20.000 deutsche “Zukunftsexperten" hätten eine halbe Milliarde Euro umgesetzt, meldet die Wochenzeitung Rheinischer Merkur. Anderen Blättern zufolge gibt es in Deutschland mehr als 90.000 hauptberufliche Hellseher, Magier oder “Lebensberater", die zusammen zwischen sieben und neun Milliarden Euro verdienen.

pur-magazin 1/02

Wo der Glaube verlorengeht, hat nicht nur der Aberglaube, sondern die “Gegenpartei" selbst Hochkonjunktur:

Satanismus in Deutschland

Es waren 66 Messerstiche und Hammerschläge, die den Tod brachten, und die Begründung der mutmaßlichen Täter lautete: “Satan hat uns die Tat befohlen." Der grausame Ritualmord an einem 33jährigen, der seit Donnerstag vor dem Landgericht Bochum verhandelt wird, wirft wieder einmal ein Schlaglicht auf die in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Satanisten-Szene. Hinter dem Begriff Satanismus verbergen sich ganz unterschiedliche Strömungen, die von harmlos bis zu extrem gefährlich reichen. “Ich schätze die Zahl der gefährlichen Satanisten in Deutschland auf 3.000 bis 7.000, mit Tendenz nach oben", sagt Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Göttingen. Darunter verstehe er diejenigen, “die gedanklich Ritualtötungen in Kauf nehmen". Auch wenn ein Fall wie der Ritualmord in Witten eine Ausnahme sei, seien Menschenopfer bei dieser speziellen Form des Satanismus' “systemimmanent", da Blut als Energieträger angesehen werde.

APA 10.1.02

3.000 bis 7.000 zu Mord bereite Bürger. Wenn das kein Anlaß zur Sorge ist! Gott sei Dank gibt es aber nicht nur das, sondern auch eine Gegenbewegung:

Ordensleben - ja, aber wie geht das?

Obgleich sie oft nicht alle Aspekte des geweihten Lebens kennen, fühlen sich katholische Jugendliche in den USA vom Klosterleben angezogen. Das hat eine Studie des Verbandes amerikanischer Ordensoberen und der Conference of Major Superiors of Men (CMSM) und die Leadership Conference of Women Religious (LCWR) ergeben. ... Ein großer Teil der Befragten (78%) hat eine positive Vorstellung vom Ordensleben, obgleich ihnen nichts genaues der wirklichen Aspekte bekannt ist. 57% wissen, daß man, um in ein Kloster oder einen Orden einzutreten, katholisch sein muß; 18% glauben hingegen, daß es reicht, einen Universitätsabschluß vorzuweisen; 25% meinen, daß man, um Priester, Nonne oder Mönch zu werden, jungfräulich sein muß. 93% meinen, Hauptaufgabe der Ordensleute sei der Einsatz für die Armen, während 89% meinen, Ordensleute kümmern sich eher um Probleme, die mit der Gerechtigkeit zu tun haben.

Zenit 4. 2.02

Es bedarf also noch verstärkter Informationsarbeit. Aber das Interesse ist vorhanden.

Familie bleibt wichtig

Unter dem Titel “Lebenswerte" hat das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut in St. Gallen (SPI) eine Studie veröffentlicht, in der erstmals die Beziehung zwischen Religion und Lebensführung eingehend untersucht wird. (...) Interessant sind die Umfrageergebnisse zum Thema Ehe und Familie. Der Institution Ehe werde unter den 20- bis 50jährigen als handlungsleitende Orientierung nach wie vor eine “hohe Präferenz im Zusammenleben von Mann und Frau" eingeräumt: “71,5 % vermögen in der Ehe überhaupt nicht und 16,1 % zumindest teilweise keine veraltete Einrichtung erkennen." Obwohl das klassische Ehe- und Familienmodell seine exklusive Monopolstellung verloren habe, sei das Bedürfnis nach engen sozialen Paarbeziehungen ungebrochen. Die Ehe bleibe weiterhin ein herausragendes Lebensziel junger Frauen und Männer.

Und noch eine Meldung:

Drei Viertel geben an, in einer schwierigen Lage Hilfe bei ihrer Familie zu suchen - vor 40 Jahren waren es nur 48 Prozent. Auch fallen heute viel mehr Menschen als früher beim Stichwort Familie sofort die eigenen Eltern und die Geschwister ein, nicht nur der Partner und die eigenen Kinder. “Die Familie ist kein Auslaufmodell", heißt es in der Studie, bei der 3.060 Männer und Frauen über 14 Jahren befragt wurden, die mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren zusammenwohnen.

Agentur Schw. Stiftung f. Familie Jänner 2002

Schamgefühle

Wir schämen uns. Und das ist gut so, sagt der Wiener Psychiater Univ. Prof. Peter Gathmann. Zählt doch das Schamgefühl zu den elementarsten menschlichen Regungen mit einer immens bedeutenden Funktion: dem Schutz der für jeden so wichtigen Intimität. Und weil das Gefühl fast den Urinstinkten zuzurechnen ist, gelingt es auch nicht, es bei ärztlichen Untersuchungen abzulegen... Noch völlig unklar ist, wann im Laufe des Lebens vom Säugling zum Erwachsenen sich Scham entwickelt. Die Ansichten schwanken von vier Monaten bis zu acht, neun Jahren. Ist sie genetisch vorprogrammiert oder anerzogen? Beobachtungen an Kindern in Kibbuzim sowie an Sprößlingen von überzeugten Nudisten zeigten, daß trotz erzieherischer Maßnahmen (Scham erst gar nicht aufkommen zu lassen), die Kinder dennoch deutliche Schamgefühle entwickelten. Beim derzeitigen Stand des Wissens scheint nur sicher, daß sich Scham auf jeden Fall und bei jedem Menschen und zu allen Zeiten entwickelte.

medizin popular 2/2002

Sagt der Psychologe und nicht das Kirchenblatt!

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