VISION 20001/2005
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Das zentrale Geheimnis des Heils

Artikel drucken Über die Eucharistie und deren Bedeutung für das Leben der Christen

Die Enzyklika “Ecclesia de Eucharistia" ist sehr lesenswert. Wir zitieren im folgenden zwei Stellen aus ihr und lassen die Kardinäle Meisner, Ratzinger und Schönborn zu Wort kommen.

Als wären wir dabeigewesen

Wenn die Kirche die heilige Eucharistie, das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung ihres Herrn, feiert, wird dieses zentrale Mysterium des Heils wirklich gegenwärtig und »vollzieht sich das Werk unserer Erlösung«. 11 Dieses Opfer ist für die Erlösung des Menschengeschlechts so entscheidend, daß Jesus Christus es vollbrachte und erst dann zum Vater zurückkehrte, nachdem er uns das Mittel hinterlassen hatte, damit wir so daran teilnehmen können, als ob wir selbst dabei gewesen wären. Jeder Gläubige kann auf diese Weise am Opfer Christi teilnehmen und seine Früchte in unerschöpflichem Maß erlangen. Das ist der Glaube, aus dem die christlichen Generationen im Laufe der Jahrhunderte gelebt haben. Diesen Glauben hat das Lehramt der Kirche unaufhörlich mit freudiger Dankbarkeit für das unschätzbare Geschenk bekräftigt. 12 Ich möchte noch einmal an diese Wahrheit erinnern und mich mit euch, meine lieben Brüder und Schwestern, in Anbetung vor dieses Mysterium begeben: das große Geheimnis, das Geheimnis der Barmherzigkeit. Was hätte Jesus noch mehr für uns tun können? In der Eucharistie zeigt er uns wirklich eine Liebe, die »bis zur Vollendung« ( Joh 13, 1) geht, eine Liebe, die kein Maß kennt.

Papst Johannes Paul II.


Gegengift gegen den Tod

Wer sich von Christus in der Eucharistie nährt, muß nicht das Jenseits erwarten, um das ewige Leben zu erlangen: Er besitzt es schon auf Erden als Erstlingsgabe der künftigen Fülle, die den ganzen Menschen betreffen wird. In der Eucharistie empfangen wir tatsächlich auch die Garantie der leiblichen Auferstehung am Ende der Welt: “Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag" ( Joh 6, 54).

Diese Garantie der künftigen Auferstehung kommt aus der Tatsache, daß das Fleisch des Menschensohnes, das uns zur Speise gereicht wird, Sein Leib im verherrlichten Zustand des Auferstandenen ist. Mit der Eucharistie nehmen wir sozusagen das “Geheimnis" der Auferstehung in uns auf. Deshalb definierte der heilige Ignatius von Antiochien das eucharistische Brot zu Recht als “Medizin der Unsterblichkeit, Gegengift gegen den Tod".

Papst Johannes Paul II.

 Auszüge aus der Enzyklika “Ecclesia de Eucharistia" (11, 16)


Tabernakel Christi

In der heiligen Kommunion werden wir wirklich zum Tabernakel Christi. Der hl. Paulus erinnert die Christen daran, indem er sagt: “Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist" (1 Kor 6,19). Vom hl. Pfarrer von Ars wird berichtet, daß er einem Mann, der immer unmittelbar nach der heiligen Kommunion die Messe verließ, zwei Ministranten mit brennenden Kerzen nachschickte, um dem eucharistischen Herrn in der Person dieses Mannes ein würdiges Geleit in den Alltag zu geben.

Die heilige Kommunion bewirkt die Gegenwart Christi im einzelnen Menschen und damit in der Mitte einer Hausgemeinschaft und macht diese so zu einer Hauskirche. In ihr prägt Christus den Lebensstil der Hausgenossen, zu denen der Herr selbst gehört. Und darum bestimmt Er die von allen zu beachtende Hausordnung, indem er sagt: “Ich aber bin unter euch wie der, der bedient" (Lk 22,27).

Auf diese Weise wird der eucharistische Herr neben dem Dom und neben unseren vielen Kirchen und Kapellen auch für unsere unmittelbare Nachbarschaft berührbar in unseren christlichen Hausgemeinschaften, die zur Hauskirche geworden sind.

Kardinal Joachim Meisner

Aus der Predigt zum Fronleichnamsfest vor dem Dom zu Köln 2004 am 10. Juni 2004


Bleib still sitzen und sage Dank

Wie lange dauert die Gegenwart in der Eucharistie? Der Glaube der Kirche sagt ganz klar: So lange das Zeichen da ist. Denn diese Gegenwart des Herrn ist an das Zeichen gebunden. Er schenkt sich uns in der Gestalt von Brot und Wein. Wenn es nicht mehr Wein ist, wenn es nicht mehr Brot ist, ist auch diese Gegenwart des Herrn nicht mehr gegeben (vgl. KKK 1377). Wenn ich den Herrn in der Kommunion empfange, solange das Brot sozusagen nicht verdaut ist, währt die sakramentale Gegenwart des Herrn.

Seine gnadenhafte Gegenwart bleibt natürlich darüber hinaus bestehen. Ich kann immer mit ihm in Verbindung treten, im Gebet, in der Fürbitte, in einem Akt der Liebe und der Zuwendung. Aber sakramental ist der Herr gegenwärtig, so lange die sakramentale Gestalt besteht.

Daher eine ganz einfache praktische Schlußfolgerung: Wir gehen, solange die Kommunion sozusagen in uns noch da ist, nicht einfach zur Tagesordnung über. Darum hat es so einen großen Sinn, nach dem Empfang der Kommunion eine Weile in Stille, in Anbetung, in Dankbarkeit zu verweilen: Jetzt habe ich dich im Sakrament empfangen. Jetzt verweile ich bei dir, wie du bei mir verweilst.

Darum habe ich so gebeten, daß in den Gottesdiensten in unserer Diözese nach der Kommunion eine Zeit der Stille ist, der innigen Beziehung zu Christus, den ich in der Kommunion empfangen habe. Deshalb ist es schön, wenn es möglich ist, auch nach der Heiligen Messe es ausklingen zu lassen, nicht einfach davonzustürmen und in den Alltag überzugehen.

Kardinal Christoph Schönborn

 Auszug aus der Katechese vom 18. April 2004 im Wiener Dom.


Damit Christen in Form bleiben

Die Heilige Eucharistie ist nicht in erster Linie dazu da, uns die Sünden zu vergeben. Dazu ist uns eigens das Bußsakrament gegeben worden. In der Eucharistie geht es vornehmlich um die Heiligung des Menschen oder - wie das mutig die östlichen Kirchenlehrer sagen - um die Vergöttlichung des Menschen. In der heiligen Kommunion wird die Nahrung, der Leib Christi, nicht wie gewöhnliche Speise in die Substanz des Menschen assimiliert (aufgenommen, Anm), sondern genau umgekehrt: Der Mensch wird in die eucharistische Speise hinein assimiliert, der Mensch wird zum Leib Christi, zum Glied am Leibe Christi, er wird Mit-Glied der Kirche Christi. “Dies ist ein tiefes Geheimnis", sagt der Apostel Paulus, “ich beziehe es auf Christus und die Kirche" (Eph 5,32).

Die Eucharistie ist darum für die Kirche und für den einzelnen Christen so etwas wie ein Dauertropf, an dem er hängt, damit er in Form bleibt, nämlich in der “Forma Christi", der sich am Kreuz für die Menschen hingegeben hat, um sie mitzunehmen zum Vater. Darum hat der Herr am Kreuz ein offenes Herz, offene Arme, offene Hände. Jede Kommunion assimiliert uns in die Forma Christi hinein, sodaß wir begnadet und befähigt werden, die Menschen unserer Umwelt mitzunehmen zum Vater.

Wer an den eucharistischen Tisch tritt, gerät in den Sog: weg von sich selbst, hin zum Vater. Und wer in unsere Nähe gerät, sollte von diesem Sog erfaßt werden: weg von sich selbst, hin zum Vater. Das ist letztlich die Energie der Eucharistie, in die sich der Herr am Gründonnerstag hineingegeben hat, um am Karfreitag alles an sich zu ziehen: "Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen" (Joh 12,32), aber, um sie dann in der Auferstehung mitzunehmen zum Vater. Jede Eucharistie bewirkt darum eine Standortveränderung: weg von mir selbst, hin zum Vater.

Kardinal Joachim Meisner

 Auszug aus der Predigt zum Gründonnerstag 2004 im Dom zu Köln am 8. April 2004


Die Liturgie gibt Beheimatung

Gerade in der Wegwerfgesellschaft, in der alles auf Verbrauch und damit auf Veränderung angelegt ist, wird der Mensch seelisch wurzel- und haltlos. Er ist ständig auf der Suche nach einer geistigen Beheimatung, die ihm Identität und Halt gibt. Und beides schenkt ihm die Liturgie, wenn sie frei von permanenter Veränderung und Variation bleibt.

Die gleichbleibenden liturgischen Gesten, Gebete und Texte schaffen diesen Innenraum, in welchem dem Menschen Identität und Halt geschenkt wird. Nicht das Einmalige, nicht das Außergewöhnliche ist für die Liturgie wichtig, sondern das genaue Gegenteil. Der Mensch lebt geistig und seelisch davon, daß im liturgischen Vollzug alles für ihn wiederholbar, praktizierbar und zelebrierbar bleibt.

Die Liturgie wird nicht von uns gemacht, sondern zur Liturgie tritt man hinzu. Das heißt: Die Liturgie ist vor uns da. Denn Liturgie ist eigentlich die Anbetung und der Lobpreis Gottes durch die Engel und Heiligen im Himmel. Und zu dieser himmlischen Liturgie dürfen wir auf Erden, dank der Menschwerdung Gottes in Christus, hinzutreten, wenn wir selbst die Liturgie feiern.

Weil nun Gott immer derselbe und unveränderlich ist, darum darf sich auch die Liturgie nicht permanent wandeln, sondern muß, wie ich schon sagte, wiederholbar, praktizierbar und zelebrierbar sein. (...)

In dem Maß wie man die Eucharistiefeier als Experimentierfeld für sogenannte liturgische Modellversuche mißbraucht, wird das Mysterium des Gottesdienstes durch Banalisierung, Profanisierung und Horizontalisierung tödlich gefährdet. Die Intention, der Mensch müsse sich im Gottesdienst wiederfinden, läßt ihn am Ende Gott verlieren.

Kardinal Joachim Meisner

 Auszug aus “Mit dem Herzen sehen". Von Kardinal Meisner. MM-Verlag 2000, 230 Seiten


Eine Haltung der Ehrfurcht

Wie benimmt man sich beim Empfang der heiligen Kommunion? So, wie es der Gegenwart des Herrn angemessen ist. Die Zeichen der Ehrfurcht haben dabei im Laufe der Zeit gewechselt. Aber das Wesentliche ist, daß das Benehmen die innere Sammlung und die Ehrfurcht auch körperlich ausdrückt. Früher wurde Kommunion, was durchaus sinnvoll war, kniend empfangen. Heute geschieht es stehend. Aber dann soll auch dieses Stehen ein ehrfürchtiges Stehen vor dem Herrn sein. Die Haltung des Kniens darf auf keinen Fall aus der Kirche verschwinden. Es ist die eindringlichste körperliche Darstellung der christlichen Frömmigkeit, durch die wir einerseits aufrecht bleiben, hinschauend, hinaufschauen auf Ihn, und uns andererseits doch beugen.

Kardinal Joseph Ratzinger

Auszug aus "Gott und die Welt" Von Kardinal Joseph Ratzinger (Gespräch mit Peter Seewald), DVA 2000, 395 Seiten

 Diese und andere Schriften können bezogen werden bei: Christoph Hurnaus, Waltherstr. 21, 4020 Linz, Tel/Fax: 0732 788 117; Email: hurnaus@aon.at

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