VISION 20002/2006
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Aufstand gegen die Hoffnungslosigkeit

Artikel drucken Europa für Christus gewinnen

Wissen ist Macht. Für Christen ist Wissen auch ein Werkzeug, die Welt besser zu kennen und zu lieben, ihr besser zu dienen. Und das Unwissen ist ein großes Hindernis für die Erlösung der Welt.

Eine neue, europaweite Initiative will von dieser Erfahrung ausgehen und den Menschen sagen: “Ihr müßt über euren Glauben und eure Gesellschaft mehr wissen als über eure Gesundheit und euer Auto! Und Ihr sollt die Hoffnung haben, daß sich vieles in unserem Land und auf unserem Kontinent zum Besseren wenden läßt, wenn Christen sich der praktischen Bedeutung der Gemeinschaft der Heiligen stärker bewußt werden und sich zu einer gemeinsamen Anstrengung aufraffen, Europa für Christus zu gewinnen - durch Beten und Tun."

Und was hat dies mit Wissen über unsere Gesellschaft zu tun?

Wenn wir heute auf Europa blicken, kommt uns immer dramatischer das Bild vom Tanz auf dem Vulkan in den Sinn. War es früher der Gedanke an die Situation der sogenannten Dritten Welt, der uns beunruhigte oder manchmal verzweifeln ließ, so ist es am Beginn des 21. Jahrhunderts das alte Europa, das so keine Zukunft hat. Auch die Reaktionen der Europäer angesichts der deutlicher werdenden Krise geben keinen Anlaß zu Optimismus.

Während viele die Dramatik der Situation überhaupt nicht erkennen oder sich in Beschwichtigungsformeln ergehen, ziehen sich andere verbittert zurück und begnügen sich mit kulturpessimistischen Klagen. Beide Haltungen findet man häufig unter Christen, und das, obwohl diese Positionen genau den der Tugend der Hoffnung entgegengesetzten Lastern entsprechen: der Vermessenheit und der Verzweiflung.

So gesehen besteht der erste Beitrag der Christen zur Zukunft Europas darin, Zeugnis für die rechte Hoffnung zu geben. Nur so können sie wirklich versuchen, das Steuer mit Gebet und Tun herumzureißen. Nur so können sie auch andere ins Schlepptau nehmen, die je nachdem vom Halbschlaf der Spaßgesellschaft oder vom Weltschmerz der Konservativen angesteckt sind.

Zu dem Mangel an authentischen Hoffnungsträgern kommt der Mangel an echter Toleranz hinzu. Dort, wo Christen aus dem selbstgewählten Ghetto der Resignation oder Feigheit ausbrechen, werden sie oft im Namen eines völlig falsch verstandenen Toleranzgebots in ein unfreiwilliges Ghetto zurückgestoßen. Die Causa Buttiglione (der von Italien nominierte EU-Kommissar wurde wegen seiner christlichen Überzeugungen zu Ehe und Familie im November 2004 für das Amt nicht zugelassen) gab vielen zu denken. Seither gab es zahlreiche kleinere Fälle ähnlicher Art, wo Christen aufgrund ihrer Überzeugungen diskriminiert wurden.

Um diesem Klima der Hoffnungslosigkeit entgegenzuwirken, ist ein neues, großes Projekt entstanden. “Europa für Christus!" will Christen überall in Europa einladen, mit neuem Selbstbewußtsein eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen. Wir bauen dieses ökumenische Projekt auf drei Säulen auf.

Der erste Schritt ist die Aufforderung, täglich zu Mittag ein“ Vater unser" für ein christlich geprägtes Europa zu beten - für Katholiken am besten vor oder nach dem Engel des Herrn. Dieser Gebetssturm für ein gesellschaftliches Anliegen kennt historische Vorbilder (etwa in Österreich nach 1945) und wird zu neuem Schwung verhelfen: Wie schön ist doch die Vorstellung, daß in ganz Europa hunderttausende Menschen ihre “Mittagspause" zu einem gemeinsamen Gebet nützen und sich zugleich auf ihre Geschwister stützen können.

Der zweite Schritt beinhaltet einen monatlichen Newsletter zu aktuellen Themen, die an der Schnittstelle von Glaube und Gesellschaft liegen. Diese kurzen Briefe sollen “normalen" Christen Argumente liefern, um in den großen und kleinen Auseinandersetzungen einer zunehmend radikal verweltlichten Umgebung zu bestehen. So kann sich zum Beispiel eine Mutter durch so einen Text rasch auf den Elternabend in der Volksschule vorbereiten, wo sie früher oder später mit der Frage des Kruzifixes an der Wand oder der Notwendigkeit des Religionsunterrichts konfrontiert wird. Sie kann sich an Argumente erinnern lassen, daß z.B. auch der alternativ geforderte weiße Fleck an der Wand oder im Lehrplan nicht mehr Freiheit bringt, sondern nur ein anderes Symbol ist: für die “Religion" der Neutralität, der Abwesenheit Gottes eben.

Der dritte Schritt ist eine Konsequenz der beiden anderen und soll zum Engagement auf kultureller und politischer Ebene Mut machen: Unser Aufkleber mit dem “Europafisch" auf zigtausend Autos und Schultaschen wird zeigen, daß wir nicht allein sind. Er enthält die Elemente der europäischen Flagge, die zum urchristlichen Symbol des “Ichtys" umgeformt sind. Der Sticker soll auch ein Anstoß sein, an unsere Verantwortung für ein Europa zu denken, das Christus nicht verleugnet und nur so auch ein Zeichen der Hoffnung für die Welt sein kann.

Martin Kugler

Der Autor ist Geschäftsführer der Non-Profit-Beratungsagentur Kairos Consulting (Wien).


 Europa für Christus

Die Ziele:

* Besser erkennen, wie tief Europa durch das gelebte Evangelium geprägt ist.

* Sich für die Respektierung christlicher Überzeugungen in der Öffentlichkeit einsetzen.

* Sich für Europas Zukunft verantwortlich fühlen, für sie beten und handeln.

* Sich mit Geschwistern im Glauben verbunden wissen.

Die Aktion hat keine Mitglieder, sondern nur Teilnehmer, die der Charta zustimmen: Näheres siehe:

www.europe4christ.net

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