VISION 20002/2006
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Wir brauchen die heilsame Nähe zu Gott

Artikel drucken Eine Prophetin unserer Tage blickt auf ihren Weg zurück

Gnadenreich waren wir dem Inferno des 2. Weltkrieges entronnen und schauten in der Mitte der 60er Jahre im Westteil unseres Landes auf ein unvorstellbares Wunder, auf das Erblühen unseres Lebens - ohne Arbeitslosigkeit, ohne Schulden, ohne Rauschgift! Und dann, wie aus heiterem Himmel, dies: Eine plötzlich laut propagierte Familienfeindlichkeit, (aber die Familie ist unaufgebbar, eine Vorgabe Gottes), Diffamierung der Mütterlichkeit, (Mutter ist in unserer Öffentlichkeit ein Unwort), Massenabtreibung, Verlachen der Christen, besonders der katholischen Kirche, verabsolutierter Relativismus und eine vergötzte, sich von der Fortpflanzung weitgehend abtrennende Einstellung zur Sexualität.

Mit Entsetzen konnte ich als Jugendpsychotherapeutin vom Fachwissen her erahnen, daß dies ein selbstmörderischer Trend war. Und mir wurde klar: Ich mußte es in der Öffentlichkeit sagen, so laut ich nur zirpen konnte, um mich nicht durch Schweigen oder gar Mitlaufen schuldig zu machen. Aber in den Medien und unter den Politikern wollte kaum jemand das existenzbedrohliche Ausmaß der Gefahr erkennen und erst recht nicht die tiefste Ursache: die leichtfertige, hochmütige, schläfrige Gottvergessenheit im Wohlstand - der Verlust des demütigen Wissens, ein Geschöpf in der Schöpfung des Schöpfers zu sein.

Ich rannte also auf die Straße und schwang die Glocke, zwar nicht dem großen Propheten Jonas in Ninive vergleichbar, wohl aber in seinem Tenor: “Noch 30 Jahre - und unser Land ist zerstört", rief ich hundertfältig auf den Märkten. “Die Zahl der seelisch Kranken wird dann zu groß sein und der Geburtenschwund wird unsere Existenz bedrohen."

Viele lachten, schüttelten den Kopf. Kluge Familien merkten auf. Die Medien bissen. Kaum jemand dort wollte begreifen, daß wir jenseits der Jahrhundertmarke eine schwerkranke Gesellschaft sein würden, so krank, daß das Gesundheitswesen nicht mehr bezahlbar sein würde und die Zahl zu klein, die den Karren in die Zukunft ziehen müßte.

Da passierte mir 1980 etwas seltsames: Ein Verband atheistischer Revolutionäre schickte mir aus der Schweiz die jüngste Ausgabe seiner Zeitung zu, in der unter Hinweis auf mich zu lesen stand: Nun wäre der Sieg über Europa fast erreicht. Zwei Restposten nur seien noch zu bewältigen: der neue Papst in Rom und diese Frau in Deutschland, dieser “Flurschaden in der Lüneburger Heide", dieser “neue Drachentöter", wie meine Titulierungen in der Presse - federführend in Die Zeit - damals waren.

Doch die kaum verblümte Aggression wirkte sich außerordentlich positiv aus: Ich begann in die Verlautbarungen dieses Geschmähten im fernen Rom hineinzulauschen. Ich las nun regelmäßig die rasch hintereinander erscheinenden Enzykliken, z.B. mit wachsender Begeisterung die Enzyklika “Redemptoris mater" und entdeckte: Ich hatte einen mächtigen, großen, wunderbaren Mitstreiter!

Ich erkannte: Ja, so, mithilfe der Urkirche würden sich Himmel und Erde gegen das verderbliche Elend unserer Zeit, besonders der Frauen und Mütter, bewegen können! Gestärkt durch die erhabene, allgemeingültige Wahrheit, daß der Mensch nur durch die Liebe zu seinen Nächsten und zu Gott zum Menschen zu werden vermag - eine Erkenntnis die mit meiner Praxiserfahrung (und neuerdings sogar mit den Ergebnissen der Hirnforschung) übereinstimmte - erzählte ich es auf den Märkten.

Ich betonte, wie besonders wir, die Nachkommen Evas, an dem großen Ja der Maria, ihrem Gehorsam Gott gegenüber, vor allem durch unsere Standfestigkeit als Mütter teilhaben sollten, damit in diesem Geist - dem der Maria - der Kopf der Schlange zertreten werden könnte. So verhieß es doch bereits die Genesis.

Natürlich bewirkte das auch, daß ich nicht mehr heimlich als scheuer Zaungast bei den Heiligen Messen verharren konnte, erfuhr ich doch: Wir brauchen eine heilige, die Richtung vorgebende Autorität wie den Papst, um nicht den Schlichen der Schlange zu erliegen (gegen die Versuche, notwendige Hierarchie zu beseitigen). Wir brauchen das Mysterium der direkten, heilsamen Nähe zwischen Gott und Mensch durch die Kommunion und wir brauchen besonders in unserer Zeit Maria, die Mutter der Mütter - wir brauchen die Geburt einer neuen gereinigten Menschlichkeit aus dem Geist der Hingabe an Gott.

Und hier sind die wachgewordenen christlichen, besonders die jungen Frauen die Avantgarde der neuen Zeit. Wenn auch die Schlange, der alte Drache noch nicht besiegt ist - so steht doch herrlich groß die Hoffnung auf die neue Mädchengeneration im Raum, zum Beispiel in Gestalt jener 17jährigen, die, als man ihr beim Weltjugendtag auf Kölns Straßen Kondome anbieten will, lächelnd mit einem verschämten Stolz erwidert: “I am a virgin." (Ich bin Jungfrau.)

Christa Meves

Auszug aus der Dankrede der Autorin anläßlich der Verleihung des Gregoriusordens am 20. 11. 2005 im Albertinum zu Bonn.

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