VISION 20006/2016
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Über eheliche Treue

Artikel drucken (Olivia de Fournas)

Manche Lebensabschnitte können eine besondere Gefährdung für die eheliche Treue darstellen: Belastungen (Trauer, Arbeitslosigkeit, geographische Trennung…) können angreifbar machen. Oder die Ankunft eines Kindes, das zum Zentrum der Familie wird oder die berühmte Midlife-Crisis der 40- bis 50-Jährigen, die noch einmal ihre Verführungskunst testen wollen. Man kann auch Opfer familiärer Erfahrungen sein: eines flatterhaften Vaters, einer Rabenmutter… Man kann einer Person begegnen oder sich in eine verlieben, die objektiv „besser zu uns passe“. Es findet sich stets ein Grund, das gegebene Wort zu brechen.
Denis Moreau mit seinem Buch "Pour la vie? Court traité du mariage et des séparations" entzaubert diese flüchtigen Beziehungen, die nicht verpflichten und keine wirklich persönliche Hingabe darstellen. Wer glaubt, das Leben mit seiner Angebeteten oder dem Liebhaber sei einfacher, irrt. Ein paar Jahre später stellt sich das gleiche Szenario ein: die Gewöhnung macht sich breit, das Liebespaar ist enttäuscht. Statistisch gesehen sind zweite Beziehungen übrigens nicht stabiler als die ersten. Im Gegenteil! Nur 7% der ersten Beziehungen werden im Laufe der ersten drei Ehejahre geschieden, bei den zweiten sind es 17%.
Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es die vollkommene Liebe, die alle unsere Sehn­süchte erfüllt. Das zu erkennen, gehört nun einmal zum Eheleben. Nicht weil sich die Hormonschübe des Anfangs gelegt haben, ist deswegen schon die Liebe erloschen. „In einer Liebe, die auf Dauer angelegt ist, gibt es notwendigerweise eine Willenskomponente,“ stellt Denis Moreau fest.
„Treu zu bleiben, bedarf einer Entscheidung,“ fasst P. de Romanet zusammen. Ja, manchmal erfordert Treue Heroismus – aber das eheliche Glück gibt es nur um diesen Preis.

Auszug aus Famille Chrétienne v. 7.-13.5.16

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