VISION 20005/2017
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Liebe Leser

Artikel drucken (Christof Gaspari)

Ein Video wurde zum Hit im Internet: Es zeigt den US-Präsidenten Donald Trump im Gebet am 3. September. Er hatte diesen zum Gebetstag ausgerufen, nachdem der Hurrikan Harvey enorme Zerstörungen vor allem im Bundesstaat Texas verursacht hatte. Als ich mir die Szene – eine Freundin hatte uns auf das Video aufmerksam gemacht – anschaute, dachte ich: In Europa undenkbar! In einigen Medien wurde dementsprechend auch Kritik laut: Das verstoße gegen die Trennung von Kirche und Staat. Tut es das wirklich? Gut, wir sind uns darüber einig, dass weder Priester oder Bischöfe, Imame, Ayatollahs oder andere religiöse Führer weltliche Macht ausüben sollten. Dass es hier zu Missbrauch gekommen ist, haben wir Europäer durchaus in unserer Geschichte erfahren, und im muslimischen Raum erfahren es viele auch heute noch. Andererseits aber stimmt es doch fraglos, dass jeder Politiker seinen Dienst auf dem Hintergrund einer Weltanschauung ausübt, einer Vorstellung also, wie die Welt zu gestalten ist, was dem Menschen gut tut und was nicht. Bei Politikern überwiegt in Europa derzeit eine Mischung von Atheismus und Agnostizismus. In beiden Fällen ist es eine Position, die von einem Vorurteil, einem Tabu ausgeht, das deren Vertreter nicht infrage stellen lassen: Gott spiele in den Angelegenheiten, die uns als Gemeinschaft betreffen, keine Rolle. Glaube sei reine Privatsache. Klar, dass für sie öffentliche Gebete suspekt erscheinen. Nun teilen allerdings viele diese Sichtweise, ohne sich klarzumachen, dass es sich dabei um eine quasi-religiöse Ansicht handelt, die insbesondere christliche Lösungsansätze mit dem Argument „Trennung von Kirche und Staat“ ausgrenzt. Ich weiß nicht, wie ernst Donald Trump das Gebet nimmt. Aber aus meiner Sicht macht es Sinn, wenn ein christlicher Politiker, der seinen Glauben ernst nimmt, sich öffentlich dazu bekennt, dass er mit dem Wirken Gottes in der Geschichte rechnet und sein Handeln diesem Glauben entsprechend ausrichtet. Er muss das nicht bei jeder Entscheidung in die Auslage stellen, sollte es aber auch nicht verschämt verheimlichen. Es gab Zeiten nach dem 2. Weltkrieg, in denen sich österreichische Politiker, wie Leopold Figl und Julius Raab, zu so einer Haltung bekannten. Beten wir darum, dass der Herr auch in unseren Tagen Menschen dieses Charisma schenke. Zum Schluss dieser Einleitung möchte ich Ihnen, liebe Leser, Dank sagen für die treue Begleitung, für Ihr Gebet und Ihre Unterstützung. Mit der nächsten Ausgabe beginnt der 30. Jahrgang der Zeitschrift. Ihr Interesse und Ihre Hilfe machen es möglich, dieses mit 23.000 Exemplaren doch recht auflagenstarke Medium herauszubringen. Dafür möchten wir alle uns wieder einmal herzlich bedanken. 

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