VISION 20005/2017
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Das Thema heißt: Keuschheit

Artikel drucken Klarstellungen zur Homosexuellen-Debatte

Im Folgenden Gedanken zum Thema Homosexualität aus christlicher Sicht. Ein zentraler Punkt dabei: Es gilt, zwischen gleichgeschlechtlichen Handlungen und den Personen, die solche ausführen,  zu unterscheiden. Erstere sind zu verurteilen, die Menschen aber als Personen zu achten.
Im Zentrum der Betrachtung steht das Thema Keuschheit! Die Kirche legt homosexuellen Personen ebenso wie allen Menschen nahe: Geht geordnet mit euren sexuellen Wünschen und Begehren um! Und zwar nicht, um bestimmten Vorschriften zu entsprechen, sondern weil ein keusches Leben der Weg ist, den Gott für uns als allein geeignet vorgesehen hat. Denn im Tiefsten unseres Wesens haben wir Sehnsucht danach, ganz angenommen zu werden, mit unserem ganzen Wesen. Dieses Einswerden ist jedoch aufgrund der Gestalt unserer Leiber nur möglich, wenn es sich um Personen verschiedenen Geschlechts, um Mann und Frau, handelt. So sind wir nun einmal geschaffen.
Obwohl sich heute Menschen scheinbar stolz als schwul oder lesbisch outen, sollten wir Christen uns davor hüten, sie mit dieser Punze zu versehen. Damit bekommt dieser Einzel-Aspekt ihrer Persönlichkeit nämlich eine überzogene Bedeutung, hinter der leicht das eigentlich entscheidende Merkmal verschwindet: dass sie Schwestern und Brüder sind, Sünder wie wir alle. Außerdem verlieren wir leicht aus den Augen, dass diese Menschen im allgemeinen unter ihrem Lebensstil leiden – auch wenn sie so tun, als wäre er total erfüllend.
Dass Menschen sich von Menschen desselben Geschlechts angezogen fühlen, ist an sich kein Problem. Auf dieser Anziehung beruht ja ein Großteil der Freundschaften. Es ist normal, Sympathie für Personen desselben Geschlechts zu empfinden. In vieler Hinsicht verstehen sie uns besser, schwingen auf derselben Wellenlänge, haben ähnliche Interessen. Man fühlt sich bei guten Freunden zu Hause. Problematisch wird das Naheverhältnis, wenn es zu sexuellen Handlungen führt. Nur da spricht die Kirche  ein deutliches Nein.
Christof Gaspari


Jeder ist berufen, keusch zu leben
Die Ursünde hat dazu geführt, dass unsere Sehnsüchte die Orientierung verloren haben. Und das gilt für alle Menschen. Wir hungern oft nach Dingen, die unsere Bedürfnisse nicht stillen können. Wenn wir uns entfalten wollen, dann müssen wir lernen, zu Bedürfnissen, die uns an der Entfaltung hindern, nein zu sagen. Nur so kann ich ja zu all dem sagen, was mich wirklich aufleben lässt.
Keuschheit ist jene Tugend, die unsere sexuellen Sehnsüchte dem Plan Gottes entsprechend ausrichtet. So können wir Erfüllung finden. Jeder ist berufen, keusch zu leben – nicht als Unterdrückung seiner Wünsche, sondern in der Form, dass er seine Sehnsüchte integriert und Gottes Plänen entsprechend erlöst. Auf diese Weise leben wir nach Seiner Vorsehung.
Dem Naturrecht entsprechend zu leben, heißt, demütig nach Gottes Vorsehung sein Leben zu gestalten. Es heißt: Ich entscheide mich, mein Leben auf diese Weise zu leben – auch wenn ich in meinem Inneren gegen Impulse und Wünsche zu kämpfen habe, die mich in eine andere Richtung drängen. Ich demütige mich eben und sage mir: Da gibt es einen größeren Plan, eine höhere Realität – ihr unterwerfe ich mich.
Christopher West

Nicht das Begehren, das Handeln ist Sünde
Wenn die Kirche klarstellt, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen ungeordnet sind, so bringt sie damit zum Ausdruck, dass sie aufgrund des Designs unserer Leiber ungeeignet sind, die tiefsten Sehnsüchte des Menschen zu erfüllen. Die Kirche behauptet nicht, dass das Begehren bereits sündhaft ist. Die Handlungen sind Sünden, das Begehren nicht.
Es geht nicht in erster Linie darum, nein zum Vergnügen, nein zu Sexualerkrankungen, nein zur Hölle zu sagen, worum es eigentlich geht, ist das eigentlich Wichtige: ja zur Freude, ja zum wahren Leben zu sagen.
Die Kirche lädt ein, kein Leben der Leere, der Einsamkeit zu führen. Es geht darum, dass wir uns verwirklichen, in dem wir nach Gottes Plan leben. Die Erfüllung im Leben stellt sich nicht dadurch ein, dass wir Sex haben, sexuell aktiv sind. Erfüllung erleben durch Liebe. Und Liebe stellt sich ein, wo das Rechte getan wird.
Die Kirche lädt Menschen mit gleichgeschlechtlicher Anziehung ein, etwas wirklich Schwieriges zu tun: zu kämpfen, Gott in ihr Leben hereinzuholen. Leute, die das tun, sind Helden.
Chris Stefanick

Die entscheidende Frage: Wie lieben?
In einem Gebet der Kirche beten wir, Gott möge unsere ungeordneten Wünsche heilen. Und das gilt für jedermann, angefangen vom Papst Franziskus bis zum einfachen Gläubigen. Wir können nicht als Sünder bezeichnet werden für etwas, was wir uns nicht gewählt haben, für Wünsche eben, die wir nicht kontrollieren können.
Sobald wir diese aber haben, steht jeder vor der Entscheidung, wie er sich verhalten wird. Was machen wir, wenn wir in uns Sehnsüchte entdecken, die nicht übereinstimmen mit dem, was uns gut tut?
Wenn du dich also als Mann zu einem anderen hingezogen fühlst, dann stehst du vor der Frage: Was ist das Beste für diesen Mann, den ich liebe? Denn die Kirche, das Evangelium, Jesus Christus, der Katechismus verbieten mir nicht, ihn zu lieben. Also stehe ich vor der Frage: Wie tue ich das am besten? Möglicherweise durch Opfer, durch Fürbitte, durch Gebet, durch Reinheit…
Jason Evert

Auszüge aus Statements aus dem empfehlenswerten Film: The Third Way Homosexuality and the Catholic Church:
https://www.youtube.com/watch?v=6rgDLWOFCRA.

Keine Diskriminierung

Wenn die Behörde einem Blinden keinen Führerschein gibt, wird dieser dadurch nicht diskriminiert. Ebenso wenig wie wenn man ihm erklärt, dass er nicht Tennis spielen kann, weil er den Ball nicht sieht. Er wäre es aber, wenn man ihm verbieten wollte, einen Schwimm-Wettbewerb mitzumachen.
Mir fällt zu solchen Beispielen, für deren Verständnis der Hausverstand reicht, auch ein alter Witz ein, aus der Zeit der Maus-Elefanten-Witze: Maus und Elefant stehen am Standesamt und wollen heiraten. Auf die erstaunte Frage des Beamten sagt die Maus: „Wir müssen!“. Ähnlich absurd, aber zum Weinen und nicht zum Lachen ist es zu hören, dass eine Frau ihre Eizelle mit dem Samen ihres Hundes befruchten lassen wollte.
Ich bitte die Menschen mit homosexuellen Neigungen zu verstehen, dass ich sie weder diskriminieren noch sonst irgendwie ihrer Rechte berauben will, wenn ich überzeugt bin: Zwei Männer oder zwei Frauen können nicht heiraten, weil sie es nicht können, aber nicht, weil ich es ihnen oder die „Kirche“ oder irgendjemand anderer verbieten will.
Das ist nicht so leicht zu verstehen wie die genannten Hausverstand-Beispiele, aber es ist zu verstehen, wenn man über Mann, Frau und die Ehe tiefer nachdenkt und wenn man die bitteren Erfahrungen jener Kinder ernst nimmt, die von gleichgeschlechtlich zusammenlebenden Paaren „adoptiert“ wurden. Festzustellen oder überzeugt sein, dass man selbst oder ein anderer nicht in der Lage ist, „etwas“ zu tun, was andere Menschen normalerweise können, ist weder Selbstbeschimpfung, noch Minderwertigkeitskomplex, weder Diskriminierung noch Beleidigung. Zur Klärung der Frage trägt nicht „Moralisierung“ bei, sondern nur ein sachliches, nüchternes Denken. In manchen Bereichen genügt der Hausverstand.
In unserer Zeit neigt eine bestimmte Öffentlichkeit dazu, zu behaupten, man könne mit Abstimmung und Mehrheiten die Wirklichkeit verändern. Aber das stimmt einfach nicht. Der Mond bleibt der Mond, auch wenn man ihn ab heute „gleichberechtigt“ Sonne nennt. In einem europäischen Parlament habe, so wurde erzählt, ein Abgeordneter mehrfach auf „Unterscheidung von Sachverhalten“ bestanden, woraufhin ein Gegner, spöttisch gemeint, dazwischenrief: „Distinguo“, auf die mittelalterliche Diskussionskultur der Scholastik anspielend. Der Redner unterbrach und rief zurück: „Jawohl, mein Herr, ich unterscheide! Es ist das einzige Mittel, das es gibt, um nicht zu verwechseln.“

Weihbischof Andreas Laun

 




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