VISION 20003/2018
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Männlichkeit lernt der Bursch von Männern

Artikel drucken (John Eldredge)

Männlichkeit wird verliehen. Wer er ist und was er drauf hat, das lernt ein Junge von einem Mann oder in der Gesellschaft von Männern. Er kann es nirgendwo anders lernen. Er kann es nicht von anderen Jungen lernen, und er kann es auch nicht von Frauen lernen. Vom Beginn der Welt an war es so geplant, dass der Vater im Herzen des Sohnes das Fundament legt und ihm alles Wesentliche mitgibt – auch das Selbstvertrauen in die eigene Stärke.
Papa sollte der erste Mann in seinem Leben sein, und er würde für immer der wichtigste Mann bleiben. Ihm war auch aufgetragen, die Fragen zu beantworten und ihm einen Namen zu geben. Der biblischen Überlieferung zufolge hat von allem Anfang an immer der Vater den Segen erteilt und hat im selben Zug den Sohn „benannt“.
Adam hat seinen Namen von Gott bekommen, und Gott hat ihn auch ermächtigt, seinerseits Namen zu verleihen. Adam gibt Eva ihren Namen, von daher gehe ich davon aus, dass er auch ihre Söhne benannt hat. Wir wissen, dass Abraham Isaak seinen Namen gab, und obwohl Isaaks Söhne Jakob und Esau offensichtlich von der Mutter benannt wurden, streiten sie verzweifelt um den Segen, der nur von der Hand des Vaters kommen kann.
Jakob bekommt den Segen, und fast hundert Jahre später gibt er auf dem Sterbebett diesen Segen weiter an seine Söhne. Und zwar gibt er ihnen in diesem Zusammenhang einen Namen und eine Identität. „Juda ist ein junger Löwe ... Issachar wird ein knochiger Esel sein ... Dan wird eine Schlange werden auf dem Wege ... Gad wird gedrängt werden von Kriegshaufen, er aber drängt ihnen nach auf der Ferse. Josef wird wachsen wie ein Baum an der Quelle ... sein Bogen bleibt fest.“ (1. Mose 49,9.ff)

Auszug aus Der ungezähmte Mann – Auf dem Weg zu einer neuen Männlichkeit. (S. 89ff) Brunnen-Verl. 285 Seiten, 18 €


Die Reise zu sich selbst antreten

Im Herzen jedes Mannes steckt ein tiefes, geradezu spirituelles Verlangen nach Abenteuern, mit allem, was an Gefahren und Wildheit dazugehört. Das männliche Herz braucht einen Ort, an dem nichts vorgefertigt ist, nichts bausteinartig, halbfett, nummerncodiert, lizensiert, online, mikrowellengeeignet. Wo es keinen Termindruck gibt, keine Handys, keine Sitzungen. Einen Ort, an dem die Seele Raum hat. Einen Ort, an dem die Landschaft, die uns umgibt, mit der Landkarte des Herzens übereinstimmt.
Sehen wir uns die großen Gestalten der Bibel an: Mose begegnet dem lebendigen Gott nicht im Einkaufszentrum. Er findet ihn (oder wird von Ihm gefunden) irgendwo in der trostlosen Öde der Sinai-Halbinsel, weit weg vom Luxus Ägyptens. Dasselbe gilt für Jakob: Er trägt seinen Ringkampf mit Gott nicht im Wohnzimmer aus, sondern in einem Wadi irgendwo östlich des Flusses Jabbok in Mesopotamien. Wohin ging der Prophet Elia, um wieder zu Kräften zu kommen? In die Wildnis. Genau wie Johannes der Täufer und sein Cousin Jesus, von dem es heißt, dass Er vom Geist in die Wüste geführt wurde.
Was diese Entdecker auch sonst noch gesucht haben – sie alle suchten die Auseinandersetzung mit sich selbst. Tief im Herzen eines Mannes sind einige grundlegende Fragen, die nicht beiläufig am Küchentisch eine Antwort finden. Wer bin ich? Wie bin ich geschaffen und beschaffen? Was ist meine Bestimmung?
Aber die Antworten auf seine tiefsten Fragen können nicht auf dem Fernsehschirm oder in der Kühltruhe gefunden werden. Weit draußen im heißen, trostlosen und weglosen Ödland hat Mose seine Lebensaufgabe bekommen. Er wurde herausgerufen, berufen – zu etwas viel Größerem, als er es sich je vorstellen konnte…
Wenn ein Mann je herausfinden will, wer er ist und wozu er auf der Welt ist, dann muss er diese Reise zu sich selbst antreten. Er muss sein Herz zurückgewinnen.
John Eldredge
Auszug aus Der ungezähmte Mann , S.  21

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