VISION 20003/2018
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Mannsein – ein Geschenk Gottes

Artikel drucken Die Immaculata, ein Vorbild für echte Männer? (Robert Schmalzbauer)

Es war für uns ein Schock. Der Mann sei das schwächere Geschlecht, erklärte er uns. Ein kleiner Priester, bald 80 Jahre alt, sollte 70 Ehemännern das Bild vom Mannsein auf den Kopf stellen – bei den Ehemännerwochenenden in der Abtei Seckau zum Thema „Mann, wer bist du?“
Die herausfordernde, mutige Persönlichkeit war Winfried Abel, Spiritual im Priesterseminar Leopoldinum in Heiligenkreuz. Seine erste These: „Um zu verstehen, wer der Mann ist, müssen wir zuerst die Frau verstehen.“ Interessant, doch welcher Mann kann schon eine Frau verstehen? Aber Winfried Abel führte uns hinein in das Geheimnis des Frauseins, um so das Mannsein tiefer zu verstehen.

Den Menschen von Gott her betrachten.
Es gibt eine Wahrheit, die dem Menschen vorausgeht. Im Anfang steht der Logos, der Mensch ist Seine Schöpfung. „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ (Joh 1,1) Es gibt einen Redenden. Deswegen muss der Mensch ein Hörender sein. Gott hat das Wort. Alles geht von Gott aus. Der Mensch empfängt alles von Gott. Das Empfangen aber ist der Wesenskern der Frau! Die Schöpfung trägt wie auch die Kirche weibliche Züge, das Leer-Sein für die Fülle, weil Gott der Schaffende ist.
Die Frau repräsentiert von Natur aus die Schöpfung. Das ist ihre Berufung. Gertrud von Le Fort schreibt: „Die ganze Schöpfung ist fraulich, auch die Männerwelt, weil sie aus Empfangen besteht.“ Gott ist der Bräutigam der Schöpfung, der Mensch ist die Braut.
Als Männer haben wir die schwierige Aufgabe, Gott zu repräsentieren. Vaterschaft ist etwas, das nicht aus uns kommt. Alle Vaterschaft auf Erden leitet sich von Gott ab. Als bloße Geschöpfe kommen sich die Männer oft armselig vor und kompensieren das manchmal mit einem Gockel-Gehabe.  

Jesus als Mann
Doch wir sind vor Gott nur groß und stark, wenn wir klein und schwach werden. Sind das männliche Eigenschaften? Schauen wir auf Jesus. Er hatte den Auftrag, ein weltumspannendes Reich zu gründen, das alle Zeiten überdauern sollte. Was für eine gewaltige Mission! Zuerst lebt Er 30 Jahre verborgen. Dann beginnt Er ungebildete Männer um sich zu sammeln und zu lehren. Und schließlich hängt Er am Kreuz, blickt herab, sieht nur noch einen Jünger und ein paar Frauen. Sieht so die Erfüllung Seines Auftrages aus?
Jesus, der Mann par excellence, war der einzige, der Gott als Vater wahrhaft repräsentieren konnte. Von Seinen Fähigkeiten her hätte Er der mächtigste Herrscher werden können. Er hätte diese Welt revolutionieren können. Doch Sein Abgang war blamabel. Jesus hat nicht getan, was Er von Natur aus hätte tun können. Er wurde als Mensch leer in seinem Eigenwillen, um vollständig Empfangender des Vater-Willens zu werden. „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht.“ (Joh  5, 19)
Christus hatte seine göttliche Vollmacht nicht gebraucht. Doch gerade dadurch hat Er uns erlöst! Die größte Liebe, die je in der Welt war, hat sich gerade am Kreuz in Christus gezeigt. Die völlige Hingabe und Sein liebender Gehorsam dem Vater gegenüber ließen Ihn das Werk vollbringen.
Es kommt also darauf an, sich zu geben, wie Gott dies von einem will. Der Rabbi Israel von Rizin sagt: „Erst wer sich Gott darbringt, darf Mensch heißen.“ – „Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich Euch, Euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt. Das ist der wahre Gottesdienst.“ (Röm 12, 1)
Im Epheserbrief 5, 25 bekommen wir Ehemänner einen klaren Auftrag: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat.“ Oder: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,11) Die Frau darf daher fragen: „Bist du bereit, für mich dein Leben hinzugeben?“
Genau das bedeutet es, Haupt zu sein. „Der Mann ist das Haupt der Frau wie auch Christus das Haupt der Kirche ist.“ (Eph  5,23) Der Mann soll sich als Haupt über die Familie gestellt sehen, aber von Christus her beauftragt. Er ist zuerst Empfänger. Das ist eine schwierige Doppelrolle: Der Mann soll Gott repräsentieren, darf aber nicht Gott spielen wollen. Der Mann muss zuerst zurück ins Weibliche. Erst dann kann er ein Amt ausüben.

Wie wird der Mann wahrer Mann?
Der Mann muss eine „Reise“ antreten. Jesus hat das vorgelebt: Er hat auf jedes Privileg verzichtet, stieg in die tiefste Tiefe und hat die äußerste Gottferne aufgesucht, um die letzten Verlorenen zu retten. Adrienne von Speyer formuliert es so: „Christus beichtet am Kreuz die Sünden der Welt, als hätte Er sie alle begangen.“ Das ist kein Macht-Gehabe. Erst nach diesem Abstieg beginnt er aufzusteigen und den Herrschertitel „Kyrios“ zu empfangen. Jesus hat uns den Weg gezeigt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich [...]; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.“ (Phil. 2,5-11)
Bis Petrus zur Säule der Kirche wurde, musste er genauso diesen Abstieg durchmachen. Wir Männer müssen uns klein machen, ganz leer werden, damit Gott uns das Mannsein schenken kann. Kinder nehmen das intuitiv wahr, sind beeindruckt, wenn sie den Vater beten sehen. Findet ein Mann nicht zur Humilitas, Demut, kann er seine Aufgabe in der Schöpfungsordnung nicht wahrnehmen. Typisch Mann sein bedeutet, armselig vor Gott zu sein. Männer müssen lernen, die Stufe hinunterzusteigen: Alles, was ich bin, habe ich empfangen.

Maria als Vorbild
Maria ist das Urbild der Frau, der Kirche, der Braut. Sie ist die ganz Empfangende. Der Engel verkündet ihr: „Freue dich, die du voll der Gnade bist!“ (Lk 1,28). Das heißt: Du bist voll göttlichen Lebens! Gnade bedeutet: unverdientes Geschenk. In Lourdes sagte die Dame: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis!“ Damit wollte sie sagen: Ich bin leer von allem, was nicht Gott ist. Nur deswegen kann sie voll der Gnade sein, weil sie sich als ein armseliges Geschöpf erkannt hat: „Auf die Niedrigkeit deiner Magd hast du geschaut.“
Diese Haltung soll auch unsere werden. Offen sein, alles was Gott den Platz nimmt, entfernen zu lassen und alles von Ihm zu empfangen. Und so fähig zu werden, alles zu geben, unser Leben hinzugeben, für die Frau, die Kinder und die Menschheit. Eben ganz Mann zu sein, mit der Immaculata als Vorbild!
Diesen Weg des Mannseins müssen wir nicht alleine gehen. Andere Männer sind Hilfe und Motivation dabei. Viele Ehemänner werden sich im Juli beim Jungfamilientreffen in Pöllau wiedersehen. Vielleicht werden wir uns dort austauschen darüber, wie offen, leer, wie arm wir schon geworden sind und wie die Gnade gewachsen ist. Es braucht diese Orte der Ermutigung, der Zeugen, wo unser Frausein und Mannsein, wo Ehe und Familie in Christus erneuert werden.


Ehemänner-Wochenenden in Seckau

Herausgewachsen aus dem Jungfamilientreffen in Pöllau und den Familien-Nachmittagen der Gemeinschaft Immaculata, begann in der Abtei Seckau im Jänner 2006 als ein erster Versuch ein „Ehemänner-Wochenende“ mit 12 Teilnehmern. In einer Notiz vom  9. Jänner heißt es: „An ein einmaliges Treffen zu denken ist realistisch, weitere Treffen könnten folgen, aber wir planen nur den ersten Schritt.“
Seit diesem Treffen kam von den daheim gebliebenen Ehefrauen stets eine warme Zustimmung zu diesem Experiment: „Mein Mann kommt im guten Sinn verwandelt zurück.“
Tatsächlich wurde das Feingefühl für die eigene Familie und besonders für die eigene Frau in diesen Tagen gefördert. Jeder konnte ein wenig Einblick ins Leben anderer Familienväter gewinnen und eigene Probleme nüchterner betrachten, weil sie sich oft von denen der anderen nicht so sehr unterschieden.
Die Teilnehmerzahl des Anfangs hat sich in den ersten sechs Jahren bis 2012 verdoppelt auf 24 Ehemänner und in den folgenden sechs Jahren auf 72 verdreifacht. Dabei spielen die Einladungen der bisherigen Teilnehmer an ihre nächsten Freunde mit. Man sagt ihnen einfach: „Komm und schau Dir’s an!“
Neue Teilnehmer kommen auch aus den monatlichen Familientreffen in Mödling und sogar auch schon aus Kärnten und Tirol. Sie bestätigen bei der Abschlussrunde immer wieder, dass sie sich von Anfang an mit einbezogen und daheim fühlen – etwas wie ein Samenkorn für eine einladende Kirche.
Ein lebenserfahrener Teilnehmer, Vater von fünf Kindern, drückt es kurz so aus: „Drei Tage mit vierzig Ehemännern, die im Grunde gleich denken, habe ich hier zum ersten Mal erlebt.“
Das meint nicht Eintönigkeit, sondern die befreiende Atmosphäre von Einigkeit in den wichtigsten Grundfragen des Lebens und Glaubens, in der sich dann die persönlichen Ideen frei entfalten können.    
P. Leo Liedermann  OSB


Das Jungfamilien-Treffen

Eine tolle Woche für junge Familien mit Kindern bis 13, die ihr Leben auf festen Grund, auf Jesus Christus, stellen wollen. Das Treffen findet im Schlosspark des idyllischen Ortes Pöllau im Naturpark Pöllauer Tal statt.
Das Thema heuer: Unterwegs zur größeren Liebe. Vorträge (Don Paul Préaux, Bischofsvikar Helmut Prader, Ehepaar Gaspari, Raphael Bonelli, Sr. Kaspra Sanikova…), Gebetszeiten, Work­shops, Austauschrunden, Erneuerung der Ehe… für die Großen.
Ein besonderes Anliegen ist das geistliche, lustige Programm für die Kinder gestaffelt und besonders gestaltet nach Alters­klassen. Das vielfältige Programm stärkt und belebt die ganze Familie, wie viele Teilnehmer bezeugen können.
 

Zeit: 17. bis 22. Juli
Ort: Pöllau/Steiermark
Info & Anmeldung: Robert Schmalzbauer,
Husarentempelg. 4, A-2340 Mödling,
Tel: 02236 304280,
jungfamilien@aon.at

 

 

 

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