VISION 20002/2022
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De facto ein Schisma

Artikel drucken Was der „Synodale Weg“ beschloss, widerspricht der kirchlichen Lehre

Es ist Zeit Klartext zu reden: Was in der deutschen Kirche derzeit geschieht, ist Abkehr von der katholischen Lehre und Anpassung an den Zeitgeist. Wo immer das geschieht,  verliert die Kirche ihre Anziehungskraft. Die Austrittszahlen sind ein sprechendes Zeichen dafür.

Haben wir mit den jüngsten Ereignissen auf dem Synodalen Weg tatsächlich den Status „Schisma“ erreicht?
Bernhard Meuser: Ich bin kein Kirchenrechtler, kann insofern nur meine laienhafte Einschätzung anbieten. Und da würde ich sagen: Mit der jüngsten Vollversammlung des Synodalen Weges hat die deutsche Kirchenkrise eine neue Qualität erreicht. Es geht weniger darum, was eine Gruppe von kirchlich Unbefugten unter inner- und außerkirchlichem Theaterdonner und in Kameranähe mehrheitlich meint. Das ist allenfalls Stufe 1 des Schismas: gemeinschaftliche Manifestation von Lehren, die im Widerspruch zur Universalkirche sind.

Und diese Stufe haben wir überschritten?
Meuser: Ja – leider wurde jetzt Stufe 2 von 3 erreicht: Eine veritable Mehrheit von katholischen Bischöfen in Deutschland hat sich an Beschlüssen beteiligt und Absichtserklärungen zugestimmt, die eindeutig im Widerspruch zu geltender Lehre stehen. Damit haben sie öffentlich ihr Weiheversprechen gebrochen.

Wie lautet das?
Meuser: Es lautet an der betreffenden Stelle: „Bist du bereit, das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut, das immer und überall in der Kirche bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben?“ Antwort: „Ich bin bereit“.

Was ist das „Glaubensgut der Kirche“?
Meuser: Es gibt dafür den lateinischen Begriff depositum fidei. Man übersetzt das am besten mit dem (im Archiv der Kirche hinterlegten) heiligen Schatz, dem content, an den man nicht rühren darf, weil ein Herumschrauben die Substanz der Offenbarung beschädigen würde. Das „Glaubensgut“ muss von den Schatzhütern, das sind die Nachfolger der Apostel, die Bischöfe, mit Haut und Haaren verteidigt werden – und zwar in der Gestalt, wie es durch die Zeiten hinweg in der apostolischen Überlieferung der Kirche als das notwendig zu Glaubende vorgelegt wird. Kurz: Es ist  der Kern, die inhaltliche Basis der Katholischen Kirche. Zum Glaubensgut gehört übrigens auch das Gebet der Kirche – etwa die Hochgebete, wie wir sie in jeder Heiligen Messe mitvollziehen. Ebenfalls gehört dazu der Glaube, dass die Kirche – allen Freveln zum Trotz – ein göttliches Mysterium und die reale Präsenz Christi ist. Es ist dann schon problematisch, wenn Bischöfe von der Kirche als einer „Täterorganisation“ sprechen. (…).

Und dieses Glaubensgut wurde nun durch Bischöfe in Deutschland unterminiert?
Meuser: So stellt es sich mir in bestürzender Weise dar.

Ja, ist dann das Schisma nicht faktisch gegeben?
Meuser: Es ist schon da. Es fehlt eigentlich nur noch Stufe 3: Die offizielle kirchliche Feststellung dieses Vertragsbruches mit Gott und der Kirche. Sie wird nicht ausbleiben, weil sie nicht ausbleiben kann. Die Bischöfe geben sich, indem sie meinen, den theologischen Lautsprechern, die sie in die Ecke geschrien haben, folgen zu müssen, offenkundig der Illusion hin, in Rom würde sich, wenn man nur Fakten schafft und frech auftritt, der Wind drehen – nicht die Kirche in Deutschland müsste den Rückwärtsgang einlegen, sondern die Weltkirche würde sich zum deutschen Wesen bekehren.

Könnte das nicht geschehen?
Meuser: Das wird nicht geschehen – und zwar nicht nur, weil es dafür weltkirchlich keine Mehrheiten gibt, vielmehr aus inneren Gründen. Ein de-facto-Schisma kann nicht, es muss nach can 751 des CIC  festgestellt werden, wenn es real da ist. Zudem kann kirchliche Lehre zwar erweitert, präzisiert und vertieft werden, sie kann aber nicht durch neue Lehre ersetzt werden – nach dem Motto: „Am 1. Januar haben wir beschlossen, dass dies und jenes keine Sünde mehr ist und nicht mehr gebeichtet werden kann.“ So entsteht Lehre nicht.

Wie denn?
Meuser: Was Christen inhaltlich glauben, bezieht sich auf die Offenbarung, wie sie uns zunächst als Wort Gottes in der Hl. Schrift anspricht. Die Bibel ist dabei „norma normans non normata“, aber sie alleine wäre ein Steinbruch für alles (Shakespeare: „Um sein Ziel zu erreichen, zitiert selbst der Teufel aus der Bibel.“). Deshalb gewinnt die Bibel ihre Eindeutigkeit und Klarheit erst durch die Zeiten und Völker übergreifende gemeinsame Lektüre der Kirche. Was inhaltlich zu glauben ist, legt die Kirche unter Bezug auf das Wort Gottes im Katechismus als „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ dar. Was jenseits dieser Norm theologisch weitergedacht wird, darf nicht von vornherein verdächtigt werden, sonst wäre das Glaubensgut ein toter Stein. Um es vertiefen und präzisieren zu können, muss man es immer neu auf seinen Sinn und seine Aussage hin bedenken. So kann Theologie hilfreich sein, um die Substanz des Glaubens immer besser zu verstehen. Was wir nun haben (wenn zum Beispiel einige feministische Theologinnen sicher wissen, das Geschlecht Jesu sei „unerheblich“) ist eine Dogmatisierung von Privatmeinungen; niemand kann aber Glaubensgehorsam für seine Privatmeinungen einfordern.
(…)
Sie haben mit „Neuer Anfang“ 3000 Bischöfe in aller Welt angeschrieben?
Meuser: Ja, wir haben ihnen geschrieben: „Dass Papst Leo X. einst die Thesen des Martin Luther als irrelevantes ,Mönchs-Gezänk’ abtat, war der vielleicht folgenschwerste Fehler der Kirchengeschichte. Genau 500 Jahre später ist die Römisch-Katholische Kirche erneut im Begriff, eine theologische Debatte in einem nicht allzu fernen Land herunterzuspielen, zu ignorieren und für ein deutsches Problem zu halten. Die nächste Spaltung der Chris­tenheit steht vor der Tür. Und sie wird wieder aus Deutschland kommen. Sie wird diesmal alle Ortskirchen mit dem Geist der Rebellion und des Verrats am Evangelium infizieren, wenn die Universalkirche jetzt nicht die Grundlagen des einen, heiligen, katholischen und apostolischen Glaubens bekräftigt, und den Gläubigen in Deutschland neu vorlegt.“

Haben die Bischöfe in aller Welt reagiert?
Meuser: O ja. Kaum hatten wir unsere Mails versandt, kamen Reaktionen aus Amerika, Australien und Indien. Und die Zustimmung hält an. Man muss wissen: Das Magisterium der Kirche liegt nicht nur in Rom. Es ist der Communio der Bischöfe anvertraut. Diese Communio ist alarmiert – und nicht nur durch unsere kleine ehrenamtliche Initiative.

Bernhard Meuser ist mit Kardinal Schönborn Mitinitiator des YOUCAT und war sein Hauptautor. Das Gespräch führte Petra Lorleberg für kath.net v.  7.2.22


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