VISION 20004/2000
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Stimme der Ungeborenen

Artikel drucken Jugendliche im Einsatz für eine Kultur des Lebens (Jutta Lang)

Seit Jahren bezeugen junge Leute, die “Jugend für das Leben", aus einem frohen Glauben heraus, daß das Leben lebenswert ist und daß jedes Kind ein Recht auf Leben hat. Jutta ist eine von diesen Jugendlichen...

Mir hat Gott sehr viel geschenkt: eine wunderbare Mutter, die uns Kindern von klein auf einen lebendigen Glauben vorgelebt hat; ein Studium am Internationalen Theologischen Institut, das mir nicht nur intellektuelle, sondern auch geistige Nahrung gibt; und vor allem schenkt Er selbst sich mir jeden Tag in der heiligen Eucharistie.

Aber Gott hat mich nicht nur großzügig ausgestattet, er hat mir auch schon sehr früh einen Platz im Weinberg zugewiesen. Mit 13 Jahren habe ich “Jugend für das Leben" kennengelernt und mich von da an aktiv an der Arbeit für die Ungeborenen beteiligt. Ich habe miterlebt, wie unsere Bewegung an Größe und Effektivität zunahm.

Gleichzeitig ist auch in mir das Bewußtsein gewachsen, was Abtreibung wirklich heißt: das Töten unzähliger Kinder, die von Anfang an einzigartig und von Gott geliebt sind - und zwar nicht in einem entfernten Kriegsgebiet, sondern in unserer nächsten Umgebung. Damals war es gerade “in", sich lautstark für den Regenwald und gegen Ausländerhass zu äußern. Es war “out", die ungeborenen Kinder zu verteidigen. Aber mir wurde klar: Mein Platz ist bei denen, für die sich sonst niemand interessiert.

Am Anfang standen wir noch auf der Straße. Ein Auto war sozusagen unser “mobiles Büro", aber durch Gebet und wohlgesonnene Menschen konnten wir uns bald in der Linzer Innenstadt ein fixes Büro einrichten. Von da an waren wir unermüdlich bei der Arbeit - unser Slogan lautete: Schlafen können wir auch im Grab.

Wir organisierten Schweigemärsche, Lichterketten, Mahnfasten, unzählige Einsätze in Schulen und Pfarren, Fortbildungen, Pro-Life-Märsche, und vieles, woran ich mich gar nicht mehr erinnere. Aber all das war für uns nichts als die selbstverständliche Erfüllung unserer Pflicht. Gott allein kannte die Früchte unserer Arbeit, und das war gut so.

Wir machten uns das Motto des seligen Pater Rupert Mayer zu eigen: “Ich werde niemals schweigen." Meinem Charakter nach hätte ich manchmal aber sehr wohl lieber geschwiegen. Die Redegabe hatte Gott mir nämlich nicht in die Wiege gelegt.

Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich das erste Mal vor einer Schulklasse stand und über Abtreibung reden sollte. Die Schüler waren alle älter als ich und ich war so aufgeregt, daß ich völlig verunsichert nur stammelnd einige Fakten hervorbrachte. Aber ich wußte, daß es meine Aufgabe war, den Ungeborenen meine Stimme zu geben. Ich durfte mich nicht mit dem Argument: “Das liegt mir nicht", zurückziehen.

Mit viel Mühe habe ich also gelernt, was andere mit Leichtigkeit tun. Heute gehe ich gerne in Schulen. Es freut mich zu sehen, wie offen die Schüler unsere Botschaft entgegennehmen. Unserer Erfahrung nach macht objektive Information allein die meisten schon zu Gegnern der Abtreibung.

Bei “Jugend für das Leben" habe ich auch gelernt, daß Aktion und Kontemplation zusammengehören. Die Kirche ist schön, aber wir dürfen uns nicht darin verschanzen wie in einem Bunker. Als Christen stehen wir in der Welt, und es gibt unendlich viel zu tun...

Aber ohne Gebet wäre all unsere Arbeit sinnlos und leer. Das gigantische Ausmaß der Abtreibung würde uns zur Verzweiflung treiben, denn wie sollten wir jemals ein System aus den Angeln heben, das seit 25 Jahren voll etabliert ist? Wie sollten wir gegen den Goliath von Politikern und Medien ankämpfen, der unsere Gesellschaft wie eine Marionette in die falsche Richtung lenkt? Und doch hat David den Riesen Goliath besiegt, und den Stein Davids - den haben wir, denn wir haben Christus. Mit der Kraft Christi werden wir auch in Zukunft nicht schweigen.

Ich möchte auf unsere Sommeraktion hinweisen:

Aktion Eva vom 26. 8. bis 3. 9. in Wien. Neun Tage lang wollen wir das tödliche Schweigen um die Abtreibung durchbrechen

Näheres siehe Seite 28

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