VISION 20006/2010
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„Taufhoagascht”

Artikel drucken Erfolgreiches Modell einer „Taufe in zwei Stufen“ (Bernhard Maria Werner)

Nachdem ich im Sommer 2008 einem Schreiben flüchtige Blicke gewidmet hatte, um es gleich wegzulegen, hörte ich in mir eine Stimme: „Na, möchtest du nicht einmal studieren, ob in einem Schreiben der deutschen Bischofskonferenz vielleicht auch Mein Geist weht?“

Also las ich und erkannte einen missionarischen, aber auch besorgten Geist, der die Not vieler hilfloser Eltern bezüglich der Glaubenspraxis kennt. So kam ich auf die „Taufe in zwei Stufen“.
Das bedeutet nicht die Teilung in eine erste und zweite Hälfte einer Taufe, sondern zunächst findet eine Eröffnungsfeier und nach etwa zwei Wochen die eigentliche Taufe des Kindes statt. Bei der Eröffnungsfeier sollen die Eltern und Paten auf dem Weg zum Glauben voranschreiten. Die Bischöfe ermutigen dazu, Erfahrungen mit einer intensiveren Taufvorbereitung zu sammeln.
So habe ich also begonnen, mir Gedanken über die Umsetzung zu machen. Es fand sich bald ein Team aus Mitgliedern eines Gebetskreises der Pfarre Breitenbach am Inn, aus Leuten, die den Katechistenkurs in Heiligenkreuz gemacht hatten, aus „Stützpunkt-Personen“ der Wandermuttergottes und interessierten praktizierenden jungen Eltern oder Studenten, die bereit waren, die Tauffamilien zu besuchen.
Wir nennen das „Taufhoagascht“. „Hoagascht“ assoziiert ein gemütliches Beisammensein, bei Gespräch und musischen Dingen. Beim Studieren des Schreibens sah ich die Bedeutsamkeit noch anderer Bräuche für den Taufhoagascht. Ein neu geborenes Kind anzuschauen – „Bebi-schaun“ – zählt zu den Bräuchen, die in der Dorfkultur vorhanden sind und die Kommunikation fördern. „Tupperware Partys“ kennt man: Dort redet man über Plastikschüsseln. Hier jedoch ist der Gegenstand des Gesprächs ein unvergleichbar kostbareres Gut: der Glaube.
Ein Elternpaar, das sich für diese intensivere Vorbereitung auf die Taufe des Kindes entschieden hat, erwartet nun mit dem Kind und dem Taufpaten zuhause das Team, das aus mir und noch zwei Personen besteht. Am Tag des Besuches betet jeder der „Missionare“, wenn möglich, eine Stunde vor dem Allerheiligsten. Neben den Teammitgliedern haben sich auch ältere Personen bereit?erklärt, für das Anliegen zu beten. Die Anbetung hat uns stets geholfen, die Menschen im Herzen zu empfangen.
Wir kommen also an mit Gitarre, „Wandermuttergottes“, Liederbüchlein und einer Tasche für die liturgischen Sachen. Spätestens nach der Vorstellungsrunde oder einer Tasse Kaffee entwickelt sich eine gemütliche Atmosphäre. Jeder stellt sich kurz vor (Name, Tätigkeit) und kann sagen, was es ihm bedeutet, getauft zu sein und am Ende noch gute Wünsche anfügen, die er dem Täufling auf den Weg mitgeben will. Das ist ein ganz berührender Moment. Für die Teammitglieder ist die Vorstellungsrunde auch die Gelegenheit ein kleines christliches Zeugnis aus ihrem Leben einfließen zu lassen.
In einer weiteren Runde geht es um die Fragen: Was ist eigentlich die Taufe? Wie würdest du deinen interessierten nichtchristlichen Nachbarn erklären, warum die Taufe notwendig ist? Alle Aussagen werden positiv aufgegriffen und eingegliedert in das dogmatische Grundgerüst von den drei wesentlichen Merkmalen der Taufe.
Dann sprechen wir von der lebendigen Teilnahme an der christlichen Gemeinschaft, nennen die Gottesdienstzeiten. Es folgt eine Unterweisung zum Thema: „Das Herz des Menschen ist für die Liebe geschaffen: Hinführung zur Umkehr und Erneuerung zu Absage und Glaubensbekenntnis“.
Und schließlich sprechen wir noch über die christliche Familienkultur: die Tisch-, Gebets-, Versöhnungs-, Sonntagskultur. Auch der Ablauf der Tauffeier wird erläutert.
Natürlich sind wir darauf eingestellt, daß wir es oft mit Familiengründungen zu tun haben, die weit von einer christlichen Praxis entfernt sind und die dem Gebet, dem Angebot der Barmherzigkeit Gottes sehr hilflos gegenüberstehen. Von solchen Eltern wird das folgende Angebot gerne angenommen: die Begleitung durch eine Wandermuttergottes in den Wochen bis zur Taufe.
Nach der Vorstellung dieser marianischen Begleitung beginnt die liturgische Feier, für die ich nun das entsprechende Gewand anlege. Der Tisch oder eine Gebetsecke wird dazu hergerichtet (oft entsteht diese erst in diesem Moment). Eine Lob- und Dankandacht eröffnet den Weg. Sie beinhaltet u. a. die erste Grundkatechese: „Gott hat nie aufgehört, die Menschen zu lieben: Erlösung von der Erbschuld“, die Überreichung der Bibel samt Taufkatechismus in Miniatur: Taufversprechen, Bezeichnung mit dem Kreuz, die Anrufung der Heiligen, die Fürbitten, das Exorzismusgebet und die Salbung mit dem Katechumenenöl.
Nach dem Abschluß dieser liturgischen Feier verabschieden wir uns und bleiben für die Wochen bis zur Taufe und darüber hinaus Begleiter der Eltern und Paten. Die Taufe selbst findet natürlich in der Pfarrkirche statt.
Nach einem Jahr Erfahrung mit dem „Taufhoagascht“ bestätigt sich: „Wer hat, dem wird gegeben…wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen“(Mt 13,12; 25,29). Die Bischöfe deuten auf diese Realität hin, da sie nämlich bei definitiv nicht interessierten Taufeltern von der Taufe in zwei Stufen abraten.
Es war gut und angemessen für das Team die Begegnung mit der Tauffamilie stets diskret zu behandeln.
Ein weiterer Punkt betrifft die Gruppendynamik: Wir haben gleich zu Beginn die Erfahrung gemacht, daß es für den Taufhoagascht dienlich ist, wenn er auf die Kleinfamilie und den Paten beschränkt bleibt. Eine Großmutter zum Beispiel, die sich anschickte früher Gelerntes aufzusagen, brachte die jungen Eltern dazu, gänzlich zu verstummen und das Gespräch mit den Eltern und Paten war energielos.
Durch die kleine Gruppe von fünf bis sechs Erwachsenen (Eltern, Pate und 2er/3-er Team) kam jedoch immer ein gutes, konstruktives Gespräch zustande.
Im Vergleich zum Taufgespräch fördert der Taufhoagascht die Kontakte unter den Pfarrangehörigen mehr. Er macht die Erfahrung der lebendigen Gemeinde möglich, eines lebendigen Gebetes, einer Begleitung und er birgt mehr Möglichkeiten für persönliches Zeugnis und Austausch über den Glauben. Schließlich ist der Taufhoagascht eine freudige Erfahrung, mit anderen für das geschenkte Leben Gott zu loben und zu preisen.

Bernhard Maria Werner
Der Autor ist derzeit Cooperator in Fieberbrunn.

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