VISION 20001/2018
« zum Inhalt Schwerpunkt

Eine sexuelle Pseudo-Befreiung

Artikel drucken Lehren aus dem Missbrauchsskandal in Hollywood (Christof Gaspari)

In den letzten Monaten ist eine Welle von „Outings“ über uns hinweggegangen: Frauen machen publik, von – meist einflussreichen, öffentlich bekannten – Männern miss­braucht, gedemütigt, sexuell belästigt worden zu sein.

Eigene Foren im Internet schaffen Raum für entsprechende Erlebnisberichte. Besonders bekannt: #MeToo (auch ich) im englischen und #BalanceTonPorc (Schmeiß dein Schwein raus) im französischen Sprachraum.
Kaum ein Tag, an dem nicht wieder eine Größe des Showbusiness oder der Politik an den Pranger gestellt wird. In Hollywood herrscht Alarmstimmung. Endlich werde das Schweigen über die schrecklichen Zustände gebrochen, vor allem den Bossen die Maske vom Gesicht gerissen. Und es stimmt: Was sich die Filmgrößen – und nicht nur sie – geleistet haben, ist skandalös. Es erklärt übrigens den zerstörerischen Geist, den so viele Hollywood-Produkte atmen.
Daher der Ruf: Sexuelle Belästigung muss zum Delikt werden. Sie bleibt aber ein vager Begriff. Typisch, was wikipedia dazu schreibt: Es handle sich um ein „konkretes, sexuell bestimmtes Verhalten, das unerwünscht ist und durch das sich eine Person unwohl und in ihrer Würde verletzt fühlt…“ Belästigend wirken also schon Kommentare über das Aussehen, die Kleidung… Komplimente werden suspekt. Wenn dem so ist, wird es künftig schwierig, als Mann und Frau zueinander zu finden.
Ein neuer Krieg der Geschlechter scheint ausgebrochen. Wie oft auch über das Ziel hinausgeschossen wird, Männer zu unrecht angeklagt werden, ist schwer zu sagen. Der französische Philosoph Alain Finkielkraut beklagt „das Ende der elementarsten Unschuldsvermutung“. Da Licht ins Dunkel zu bringen, ist jedoch nicht mein Anliegen.
Was mir auffällt: So gut wie niemand stellt die Frage, ob wir nicht jetzt, ein halbes Jahrhundert nach der viel gerühmten „Sexuellen Revolution“ der 68-er Jahre das ernten, was damals gesät worden ist. Und was war das eigentlich? Die Sexualität schien befreit. Verhütung und Abtreibung schienen die Frauen von der Last der Folgen sexueller Beziehungen – nämlich den dabei gezeugten Kindern – befreit zu haben. Endlich waren sie „frei“ für ein ebenso lustvolles Leben wie die Männer.
Sex, sprich sexuelle Betätigung, wurde quasi zum Menschenrecht hochstilisiert. Begriffe wie Keuschheit, Enthaltsamkeit oder gar Jungfräulichkeit – einfach out, von vorgestern, total veraltet. Das Thema Sex hielt fulminanten Einzug in die Medien, die Werbung, in Text und Bild. Sex-Szenen – immer explizierter und für das Verständnis der Geschichte unnötig – wurden in die Filme gepresst, im Internet – somit auf den Smartphones – wurde Porno zum Renner. In Schulen, ja in Kindergärten, wurde Sexualkunde zum Pflichtfach. Man muss sich heute anstrengen, um dieser Flut zu entgehen.
Warum stellen wir nicht endlich die Frage, welche Art von sexueller Betätigung da propagiert wird? Einen Hinweis liefert das, was schon Schülern in der Sexualaufklärung nahegelegt wird. In der vom Österreichischen Bundesministerium für Familie herausgegebenen Schrift Love, Sex und so… liest man beispielsweise: „Natürlich kann Sex auch dann toll sein, wenn die Beziehung nur auf eine Nacht begrenzt ist. Selbst hier müssen aber Gefühle vorhanden sein, um sich zumindest auf die Situation einlassen zu können.“ Beziehung für eine Nacht? Das mag vielleicht Männern genügen, wie man dies aus der Tradition der Bordelle schließen kann. Aber ob das den Vorstellungen der Frauen entspricht?
Heute verordnet man diesen nämlich, ihr Sexualleben in einer Art zu gestalten, wie sie dem Don Juan zugeschrieben wird. Schon in ihrer Kleidung – möglichst sexy – soll sie ihre Bereitschaft zum Abenteuer signalisieren. Frauenzeitschriften tragen das Ihre dazu bei. Und die Männer reagieren auf visuelle Signale: Dekolletés, enge Hosen, kurze Röcke bewirken nun einmal Interesse.
Und der Massenkonsum von Pornographie trägt nicht dazu bei, dass dieses Interesse folgenlos bleibt. Denn dort bekommt der Konsument mit, dass Frauen sich zwar zieren mögen, aber letztendlich doch Masochisten seien. Das entschuldigt männliches Fehlverhalten allerdings nicht.
„Das Verlangen von Männern und Frauen ist strukturell asymmetrisch,“ schreibt der Psychiater Jean-Paul Mialet, Autor von „Sex Aequo“. Unter dem Einfluss der massiven Sex-Gehirnwäsche glauben Frauen vielleicht, dass sexuelle Freiheit für sie der Weg zur Erfüllung sei. Aber es stimmt nicht. Die Wahrheit ist: Fast allen Frauen geht es im Grunde um Liebe, um Hingabe, um Angenommensein, um dauernde Beziehungen. Sie sind nun einmal personal ausgerichtet – in ihrem ganzen Wesen. Sexuelle Beziehungen sind für sie erfüllend, wenn sie Sprache der Liebe sind: Ich gebe mich dir ganz hin, weil du mich ganz annimmst. Das ist die Wahrheit, die Gott in die Polarität von Mann und Frau gelegt hat. Und nur so wird Sexualität erfüllt gelebt – erfüllend für die Frau, aber auch für den Mann.
„Wer in Schweden künftig Sex mit jemandem möchte, muss die ausdrückliche Erlaubnis einholen – gern auch schriftlich. Sonst droht eine Verurteilung wegen Vergewaltigung,“ berichtet Die Welt über ein Gesetzesvorhaben, das im Sommer 2018 in Kraft treten und auch für Ehen gelten soll. Ob das eine Lösung des Missbrauchsproblems ist? Sicher nicht. Auf der einen Seite Sex ab dem Kindergarten pushen und dann mit dem Richter drohen, kann nur zu weiterer Entfremdung von Mann und Frau führen.
Was es braucht? Zur Kenntnis zu nehmen, das die sexuelle Befreiung ein Irrweg war, nicht der Wahrheit des Menschen entspricht – und zu dem zurückkehren, was uns wirklich gut tut: Die Kostbarkeit von Jungfräulichkeit, Keuschheit, Zärtlichkeit wiederentdecken und sexuelle Beziehung auf die Ehe beschränken, auf jene Konstellation, in der sie wirklich Sprache der Liebe, der bedingungslosen Hingabe und der unbedingten Annahme sind.
Klingt utopisch? Aber wer sich dem Herrn anheimgibt, der sollte sich diesen Weg zutrauen, denn für Gott ist  nichts unmöglich.



© 1999-2018 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11