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Werde deiner Bestimmung gerecht!

Artikel drucken Die Geschichte des Adlers Aaron (Dominik Hartig)

Die berührende Geschichte vom Adler, der bei den Hühnern aufwächst und deshalb lange nicht weiß, dass er fliegen kann, ist bekannt. Neu in dem ansprechend aufgemachten Kinderbuch von Jonathan Mittermair ist, dass Adler Aaron von einem großen Adler namens Magnus gefunden und sehr väterlich betreut und begleitet wird. Außerdem überträgt dieser ihm eine wichtige Aufgabe für jeden Tag: Er soll ein „Erfolgstagebuch“ führen.
Jeden Tag schreibt unser Adlerfreund Aaron drei Dinge auf, die ihm gut gelungen sind und für die er dankbar ist. Er erfüllt diese Aufgabe sehr gewissenhaft, und auf diese Weise wächst allmählich sein Selbstvertrauen.
Langsam kann er sich gedanklich von der Bodenhaftung lösen, die ihm eingeredet worden war – „Wir sind Hühner, wir können nicht fliegen!“ –, bis er sogar die Angst vorm Fliegen über Bord wirft. Nach zwei Wochen Tagebuch-Schreiben ist es soweit. Aaron breitet seine Flügel aus, stößt sich ab und schwingt sich empor – endlich bereit für das große Abenteuer, das seine Bestimmung als König der Lüfte für ihn bereithält.
Viele Heilige erinnern uns daran, dass die christliche Berufung viel mehr für uns bereithält als eine Liste von Benimmregeln oder einen Lebensstil, bei dem es letztlich nur darauf ankommt, dass man lieb und nett ist. Wir sollen nicht nur dahinvegetieren, auf der Suche nach unserem eigenen kleinen Glück, sondern wir dürfen Christus ähnlich werden, für die anderen ein anderer Christus sein.
Es geht also um viel mehr als wir uns vorstellen können. Es geht um Liebe. Und die kann – ähnlich wie bei Adler Aaron – wohl nur mithilfe eines väterlichen Freundes und eines guten geistlichen Trainingsprogramms gelingen. Wir brauchen ja die Flügel der Gnade, die der „Seelenführer“ immer wieder reinigen und stutzen muss.
Und ab und zu wird eine Portion Inspiration und Motivation auch nicht schaden. Wie bei Adler Aaron, der sich in einer äußerst brenzligen Situation an Magnus’ Worte erinnert: „Breite einfach deine Flügel aus und flieg. Ich glaube an dich. Du schaffst es!“
In einer Umgebung, die einem manchmal suggeriert, dass außer Hühnerstall gar nichts mehr existiert, tut es gut, an Adler Aaron zu denken. „Flattere nicht wie eine Henne, wenn du wie ein Adler aufsteigen kannst“ (Josemaria Escriva) – welch weises Wort! Aber weil das nicht immer so einfach ist, lohnt es sich, mit kleinen Schritten zu beginnen und Selbstvertrauen zu tanken. Das „Erfolgstagebuch“ ist wie die Hühnerleiter, die uns aus dem dunklen Stall hinausführt. Denn da drinnen, wo wir nur versauern, weil unsere Träume und Ideale erstickt werden, gibt es keine Zukunft. Wir brauchen Luft zum Atmen. Wir brauchen ein Leben in der Freiheit der Kinder Gottes.
„Das Empfinden, dass in dieser Welt, in unseren Städten, in unseren Gemeinschaften kein Raum mehr ist, um zu wachsen, zu träumen, schöpferisch zu sein, auf Horizonte zu schauen, letztlich: um zu leben, ist eines der schlimmsten Übel, die uns im Leben – und besonders in der Jugend – geschehen können,“ sagte Papst Franziskus beim Weltjugendtag in Krakau am 30. Juli 2016. Er warnte uns alle vor den Folgen eines angsterfüllten Lebens – Angst ist ja immer ein schlechter Ratgeber! – und kam anschließend auf eine noch größere Lähmungsgefahr zu sprechen: „Zu glauben, dass wir, um glücklich zu sein, ein gutes Sofa brauchen. Ein Sofa, das uns hilft, es bequem zu haben, ruhig und ganz sicher zu sein.“
Lassen wir uns durch nichts und niemanden die Lebensgeister rauben. Aber wenn wir – wie Papst Franziskus es so treffend formulierte – „ohne es zu merken im Schlaf versinken, dusselig und benommen sind“ –, sollten wir schnellstens an Aarons Geschichte denken. Denn „obwohl auch Adler manchmal Angst haben, handeln sie trotzdem. Deshalb erreichen sie die höchsten Gipfel.“

Der Adler Aaron  – und das geheimnisvolle Erfolgsbuch. Von Jonathan Mittermair, Bilderbuch 48 Seiten, 19,90€. Das Buch gibt es auch als Hörbuch. Alle Infos unter: www.adleraaron.com.

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