VISION 20006/2019
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Lasst euch nicht auf sexuelle Orientierung reduzieren!

Artikel drucken Brief an die LGBT-Bewegung (Weihbischof Andreas Laun)

Schon seit längerer Zeit trage ich in mir den Gedanken, einen sozusagen offenen Brief an die Menschen zu schreiben, die sich der Gruppe LGBT zugehörig fühlen.


Einen Brief, der verständlich machen sollte, was und wie Katholiken über sie wirklich denken, über Menschen mit homosexuellen oder lesbischen Neigungen in allen nur denkbaren Formen. Und natürlich auch, wie sich Katholiken entsprechend verhalten sollten! Absicht sollte dabei sein, manche wirkliche oder eingebildete Kränkung oder Empfindlichkeit zu entschärfen.
Ich gebe zu: Meine Erfahrungen mahnen mich zu größter Vorsicht, dieses Thema auch nur „von ferne“ zu berühren und mich nicht auf Rede-, Denk- und Meinungsfreiheit zu verlassen. Ich weiß, wie empfindlich viele Personen dieser Gruppe reagieren.
Der Plan war noch nicht ausgereift, da entdeckte ich den Text eines afrikanischen Kardinals, der mein Anliegen besser abzudecken scheint, als ich es je von mir selbst erwartet hätte. Ich mache mir seine Worte ganz und gar zu eigen. Der Afrikaner, der übrigens Europa und seine heutigen Verirrungen bestens kennt, schreibt:

Zuerst möchte ich betonen, dass wir ein Geschöpf nicht auf seine sexuelle Orientierung beschränken dürfen. Anstatt „LGBT“ möchte ich lieber von Personen mit homosexuellem Verhalten oder homosexueller Orientierung sprechen. Diese Menschen sind von Gott – wie jeder Mann und jede Frau – zutiefst geliebt. Für jeden von ihnen hat unser Herr auf Golgota Sein Blut vergossen. Wir müssen ihnen mit größtmöglichem Mitgefühl begegnen.
Wie ein guter Hirte müssen wir auch auf jene zugehen, die aggressiv die Legalisierung ihres Verhaltens fordern. Sie sind das verlorene Schaf, welches wir in der Ferne suchen und dabei Gefahren auf uns nehmen müssen, um es auf unseren Schultern in den Stall zurückzutragen. Das ers­te Werk der Nächstenliebe, das wir ihnen schulden, ist die Wahrheit. Niemand erwartet von der Kirche ein Wort der Gefälligkeit.
Eine Partnerschaft zwischen zwei Menschen desselben Geschlechts kann niemals eine Ehe sein. In dieser Aussage liegt keine Verurteilung der Person. Diese Menschen können vielleicht eine große Zärtlichkeit und Großherzigkeit an den Tag legen, doch können sie niemals behaupten, das zu leben, was die Eigentümlichkeit der Ehe ist: die körperliche Hingabe fruchtbarer Liebe.
Ich glaube, der Papst möchte uns auffordern, in dieser Hinsicht keine Widersprüchlichkeiten aufkommen zu lassen. Als Sohn des heiligen Ignatius, dem wir die großartigen Exerzitien verdanken, weiß er, dass auf dem Banner Christi nicht Verwirrung und Andeutungen geschrieben stehen. Er ruft uns auf zur Liebe in der Wahrheit und zur Wahrheit in der Liebe.
Meiner Meinung nach sind die ersten Opfer der LGBT-Ideologie die Menschen, die ihrer homosexuellen Orientierung gemäß leben. Sie werden von den Verfechtern dieser Ideen dazu verleitet, ihre ganze Identität auf ihre Sexualität zu beschränken. Man spricht von der „Schwulen­szene“, als handle es sich um eine gesonderte Gesellschaft mit einer gemeinsamen Kultur, mit einem besonderen Sprach- und Kleidungsstil, ja sogar mit eigenen Geschäften und Restaurants in abgegrenzten Stadtvierteln. Sie werden wie eine ethnische Gemeinschaft behandelt! Manchmal habe ich den Eindruck, dass Homo-Ideologie unbewusst eine Art von Kommunitarismus befördert.
Die Gläubigen, welche zur Homosexualität versucht werden, flehe ich an, sich nicht in diesem Gefängnis der LGBT-Ideologie einsperren zu lassen. Durch die Taufe seid Ihr Kinder Gottes! Euer Platz ist – wie für alle Christen – in der Kirche. Und wenn von Zeit zu Zeit der geistige Kampf zu hart wird, wird Euch die brüderliche Liebe tragen.

Liebe Menschen der LGBT-Bewegung: Ich hoffe, Euer Miss­trauen gegenüber der Katholischen Kirche ist damit wirklich ausgeräumt und wir haben eine Möglichkeit gefunden, ohne Ängste und Vorwürfe miteinander zu reden.
Gott segne Euch und uns alle.
Weihbischof Andreas Laun

Das Zitat ist dem sehr empfehlenswerten Buch (siehe Besprechung Vision 3/19) Herr bleibe bei uns – denn es will Abend werden von Kardinal Robert Sarah entnommen. (fe-medienverlag, 436 Seiten, 19,80 €)

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