VISION 20006/2022
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Gott wird uns Heilige senden

Artikel drucken Über Menschen, die zur Wahrheit stehen (Weihbischof Andreas Laun)

Die folgenden Ausführungen hat Weihbischof Andreas Laun vor mehr als 10 Jahren geschrieben. Sie sind von größ­ter Aktualität und machen deut­lich, dass einzig eine Rückbesinnung auf die von Jesus Christus verkündete Wahrheit hoffnungsvolle Perspektiven eröffnet.

Auf jede Phase der Kirchengeschichte treffen die Prophetenworte zu, mit denen Gott seinem Volk das Register seiner Untreue vorhielt, sodass man die „Versuchung Gottes“ (!!!) versteht, sein Volk, weil hoffnungslos untreu, zu verlassen: „Hätte ich doch eine Herberge in der Wüste! Dann könnte ich mein Volk verlassen und von ihm weggehen.“ (Jer 9,1). In der heutigen Diktion: Bereits die Propheten beklagten – meist mit dras­tischen Bildern – einen „Reformstau“ des Volkes Gottes.
Solche Gedanken sind wichtig, aber eines dürfen sie nicht: Dazu führen, dass die Christen die Not der Zeit relativieren, sie schönreden und ihr schweigendes Nichts­tun für gottgewollt erklären. Wahr ist vielmehr: Christen dürfen nicht aufhören, das Licht Christi auf den Leuchter zu stellen, auch wenn andere versuchen, es auszulöschen.
Sie müssen Zeugnis ablegen und reden auch dort, wo man versucht, sie zum Schweigen zu bringen. Während ihre Feinde den „Turm von Babel“, eine in jeder Hinsicht „Gott-freie Stadt“ zu errichten suchen, müssen die Christen wissen, dass ihre eigentliche Heimat jenes Jerusalem ist, in dem Gott wohnt!
Ja, die Kirche durchlebte schon viele Krisen, aber immer standen Männer und Frauen, Kleriker, Ordensleute und Laien auf, forderten eine Reform der Kirche und führten sie mit der Hilfe Got­tes auch durch. Reform heißt: ein Zurück der Kirche zu der Gestalt, die Jesus ihr gegeben hat, nicht ein Papst, keine Bischofskonferenz, kein Gremium aus dem Kirchenvolk, sondern Jesus selbst!
Bestimmte „Bewegungen“ reden heute viel von einem „Reformstau“ in der Kirche und zählen dabei gebetsmühlenartig fünf Punkte auf: Zugang zur Eucharistie für Protestanten sowie für Geschiedene, die wieder geheiratet haben. Priesterweihe der Frau, eine neue, selbstbestimmte Moral, vor allem (wen wundert’s!) bezüglich der Sexualität, Abschaffung des Zölibats und, im Namen der „Gleichheit aller Getauften“, Mitbestimmung in allem und jedem, auch in Fragen der Lehre.
Der von den großen, heiligen Reformern der Geschichte beklagte „Reformstau“ und die ihm entsprechende Forderung war immer ganz anderer Art: Nicht mehr Vollmacht für Menschen, sondern mehr Raum für Gott, mehr Liebe zu Ihm aus allen Kräften, aus ganzem Herzen und mit allen Gedanken! Gehorsam statt Ungehorsam, Treue zur Lehre der Kirche statt eigene „Meinungen“, Anerkennung der Ordnung in der Kirche, sogar, wenn deren Verwalter offensichtlich Sünder waren, was z. B. Katarina von Siena immer wieder forderte!
Die Heiligen sagten: Der erste Reformstau steckt in Dir selbst, also braucht es zuerst deine Bekehrung und deine Veränderung, nicht die der Kirche, des fortlebenden Christus, des Tempels des Heilligen Geistes.
Keine Veränderung in der Kirche? Doch, aber nur als Werk des Heiligen Geistes, nicht als Abstimmung und durch „Druck von unten“ wie bei Grabenkämpfen politischer Parteien.
Wer informiert ist, was vor allem in der Kirche Mitteleuropas vor sich geht, kann viele traurige Geschichten erzählen. Ordnen könnte man die „Brand-Herde“ der Krise so: Die Krise besteht ers­tens im Ungehorsam vieler Christen jedes Standes, der aber, im Unterschied zu gewöhnlichen Sündern, mit der Behauptung auftritt, man habe ein Recht oder sogar die Pflicht so zu handeln.
Die Krise besteht zweitens, im Abfall vom Glauben und der Morallehre der Kirche auf der Ebene der Theologieprofessoren und vieler, vieler Priester und Laien. Dabei pocht man auf das Menschenrecht, eine eigene Meinung zu haben, und auf jene irrige „Gewissensfreiheit“, die eigentlich „Freiheit vom Gewissen“ meint. Die Kirche hat dies zu Recht verurteilt und auf dem Konzil die „Freiheit des Gewissens“ gelehrt!
Und zuletzt, und das ist eigentlich der schlimmste „Spalt im Kirchenboden“: Der Rauch Satans ist in die Liturgie eingedrungen. Die Folge ist: Nicht immer und überall, aber doch dann und wann und da und dort feiert man nicht mehr das Geheimnis Jesu Christi, sondern sich selbst, man spricht von „unserer Kirche“ statt von „Deiner Kirche“, vom Menschen Jesu, der „wie Gott“ war und nicht von dem, der „Gott ist“, vom „heiligen Brot“ und nicht vom „Leib Christi“, man ersetzt das Evangelium durch irgendeinen „schönen Text“ oder leitet bereits die Kinder in der Schule an: Schreibe „dein persönliches Glaubensbekenntnis auf“, als ob die Kinder nicht genug zu tun hätten damit, in den einen Glauben der Kirche hineinzuwachsen.
Alles in guter Absicht? Oft ja, aber man bedenke: „Gute Absicht“ ist nicht alles, diese hatten auch die Schriftgelehrten und Pharisäer, sogar als sie die Kreuzigung Jesu betrieben. Man kann die Kirche zerstören, während man sie in guter Absicht „reformieren“ will. Wahre, heilende Reform gibt es nur mit „den alten Methoden“ der Heiligen! Und nur mit Petrus, niemals ohne oder gar gegen ihn.
So wird es kommen wie in früheren Zeiten auch: Gott wird uns Heilige senden, und die Frage wird sein, ob wir sie erkennen und annehmen. So und nur so werden wir heutigen Christen neu evangelisieren und die Krise bewältigen können.
Und die Christengeneration nach uns wird wieder dasselbe tun müssen: Ihre Krise mit Hilfe ihrer Heiligen lösen. Und so weiter bis zum Ende aller Kirchenkrisen bei der Wiederkunft des Herrn, wo sich jedes Knie vor Ihm beugen wird!

Auszug aus seinem Artikel „Krise der Wahrheit“ in Vision 6/11

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