VISION 20003/2000
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Für Rom-Pilger

Artikel drucken Zwei Bände für die Jubiläumsfeierlichkeiten (Wolfgang Schrems)

Kirche zu sein, ist eine wunderbare Erfahrung, denn sie bedeutet, das Neue der Gemeinschaft und der gegenseitigen Annahme erleben zu dürfen." Dieser Satz kann als Motto für das ganze, auf zwei Bände aufgeteilte Pilgerbuch gelten: Es geht in Rom um die wunderbare Erfahrung, hineingenommen zu sein in eine Gemeinschaft, die diesen Namen verdient - keine Zweck- oder Arbeitsgemeinschaft, kein lärmendes, jugendliches oder nicht mehr ganz jugendliches Rudel, auch keine menschliche (oder gar "europäische") Wertegemeinschaft oder ähnliches, sondern geistgewirktes Verstehen, Geborgenheit und Freude. Das ist Kirche.

Das ist auch der eigentliche Sinn des Weltjugendtreffens, zu dem Papst Johannes Paul II. diesen August nach Rom lädt. Der Verlag "Schnell & Steiner" bietet die deutsche Ausgabe des zweibändigen Pilgerbuches, das vom Zentralkomitee zum Heiligen Jahr 2000 herausgegeben wurde.

In origineller und prägnanter Weise werden alle wesentlichen geistlichen Sehenswürdigkeiten und Heiligtümer vorgestellt. Es geht beispielsweise bis hin zu den Vatikanischen Museen und zu der christliche Kunst inspirierenden Geisteshaltung. "Anmut und Schönheit entzücken das Auge," wird aus Sir 40,22 zitiert.

Der unsichtbare Gott hat in Jesus Christus sichtbare Gestalt angenommen, und deswegen ist christliche Kunst ein wesentliches Mittel, "zur Wirklichkeit der geistlichen Welt und zur Wahrheit" Zugang zu erlangen. Die wahre Kunst steht immer in der Sendung, "Freude in die Herzen des Menschen zu bringen." (Paul VI.) Was es auf diesem Gebiet in Rom, in den Kirchen, Katakomben und Museen zu betrachten gibt, wird weit ausgreifend dargestellt.

Mit "Ut unum sind - Daß alle eins seien", wird das letzte, bemerkenswerte Kapitel über die "Gottesdienststätten anderer Kirchen, Glaubensgemeinschaften und Religionen" eingeleitet. Es ist ein theologisch begründeter Blick über die Grenzen der sichtbaren Römisch-Katholischen Kirche hinaus, der von der Sehnsucht nach der vollen Einheit kommt und die freudige Hoffnung aufsteigen läßt, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Auch und besonders für den zweiten Band gilt das eingangs zitierte Motto. In drei Teilen werden die Bedeutung des Jubiläums, die Stationen des Gebetes und die Gottesdienste mit ihren Texten näher ausgeführt. Der Band bietet den Ablauf der liturgischen Feiern an den einzelnen Stationen in Rom.

Der gebotene Gebetsschatz umfaßt alle wichtigen Weisen des vorformulierten Betens (auch aus dem liturgischen Reichtum der Ostkirche) und auch weniger bekannte, neuere Andachtsformen, wie z.B. den Lichtweg, das Pendant zum bekannten Kreuzweg. Auch eine kurze Einführung in Laudes und Vesper ist angegeben.

Kritisch anzumerken ist die Tatsache, daß der Text an manchen Stellen als zügig angefertigte Übersetzung zu erkennen ist. Alles in allem muß man dem Verlag aber zuerkennen, daß die beiden Bändchen gut gelungen und zu einem sehr fairen Preis zu haben sind.

Die Publikation erscheint dem Rezensenten als hervorragendes Hilfsmittel zur Einstimmung auf die Pilgerreise und zur Begleitung der Tage in Rom. Es ist zu wünschen, daß sie hilft, die wahre, weltkirchliche, österliche Freude zu entfachen, die sich in der Begegnung so vieler suchender und glaubender Menschen in der Gemeinschaft der Kirche einstellen möge.

Sie wird aber auch eine Hilfe für die Zeit danach sein, wenn das überschwengliche Gefühl langsam abklingt und sich der Glaube wieder in der nüchternen Realität des Alltags zu bewähren hat.

Wolfgang Schrems

"Pilger in Rom" und "Pilger im Gebet", öS 110.-

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