VISION 20003/2000
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Pressesplitter

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Aufgeklärter Despotismus

In der Zeitschrift "Commentaire", zieht Tommaso Pados-Schioppa, Direktor für die internationalen Beziehungen der Europäischen Zentralbank und zuständig für den Zahlungsverkehr und die Bankaufsicht, eine politische Bilanz der europäischen Integration. Selbstverständlich handelt es sich um persönliche Überlegungen. Diese tragen allerdings die Unterschrift jenes Mannes, den die "Financial Times" (v. 30.10.98) den "Erfinder der Einheitswährung" genannt hat: "Das Abenteuer Europa hat auch sehr wirksame politische Vorgangsweisen hervorgebracht, die sich ziemlich deutlich von denen unterscheiden, die kennzeichnend für Demokratien sind und sich auf Parteien, Wahlen, vorgegebene Abläufe und Strukturen sowie auf einen nationalen Rahmen und ein System der Berufspolitik stützen. ... Die europäische Konstruktion stellt eine Revolution dar, auch wenn die Revolutionäre keine blassen und hageren Verschwörer sind, sondern Angestellte, Beamte, Banker und Professoren. ... Europa entstand in voller institutioneller Legitimität. Es geht aber nicht aus einem demokratischen Vorgang hervor. ... Zwischen den Polen der Volksentscheidung und des "leadership" einiger Regierender ist Europa dadurch entstanden, daß es eine Methode angewandt hat, die man als aufgeklärten Despotismus kennzeichnen könnte.

L'homme nouveau v. 2.4.2000


Wie autoritär und problematisch die EU entscheidet, zeigen die Sanktionen gegen Österreich, die jeder Rechtsgrundlage entbehren. Und wie beliebig mit Rügen umgegangen wird, zeigt folgende Meldung:

Erfolgreiche Härte

Im Jahr 1998 verabschiedete die französische Nationalversammlung einen Gesetzesentwurf, der nur aus einem Satz bestand: "Wir verurteilen den Völkermord am armenischen Volk im Jahr 1915". Im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg waren damals mehrere Millionen armenischer Christen systematisch von Türken ermordet worden. Auf diesen Parlamentsbeschluß hin drohte die türkische Regierung mit dem Entzug von Rüstungsaufträgen und weiteren "Vergeltungsmaßnahmen". Deswegen bat Parlamentsminister Vaillant die zweite Kammer, den Senat, dem Entwurf nicht zuzustimmen. Erst jetzt steht eine neue Befassung mit dem Entwurf an. "Der türkische Ministerpräsident Ecevit hat die Senatoren darauf hingewiesen, daß eine offizielle Stellungnahme des französischen Parlaments zum armenischen Völkermord ,ein Hindernis für die türkisch-französischen Beziehungen' darstelle. Der neogaullistische Senatspräsident Poncelet rief daraufhin die Senatoren auf, die ,übergeordneten Interessen Frankreichs' nicht zu gefährden."

IK-Nachrichten 5/2000 mit Zitaten aus der FAZ v. 22.3.2000


Hollands Drogenpolitik gescheitert

Die liberale niederländische Drogenpolitik, die etwa in Deutschland inzwischen Nachahmung findet, ist gescheitert. "80 Prozent des Heroins, das 1998 in Großbritannien und Frankreich beschlagnahmt wurde, kam aus den Niederlanden. Die Niederlande sind heute der größte Ecstasy-Produzent in Europa", stellt der US-Drogenforscher Larry Collins in der Nachrichtensendung "KRO-Netzwerk" fest. Die Reporter von "KRO-Netwerk" präsentierten gestern Abend die Untersuchungsergebnisse des Amsterdamer Trimboinstituts, dem offiziellen Beraterorgan des Haager Gesundheitsministeriums. In der Studie wird festgestellt, daß mindestens ein Prozent der niederländischen Jugendlichen Heroin konsumieren, vier Prozent Kokain zu sich nehmen und acht Prozent regelmäßig Amphetamine- und Ecstasy-Pillen schlucken. ... Diese Erkenntnisse würden im Gesundheitsministerium "systematisch negiert", weil sie nicht in die ideologisch geprägte offizielle Drogenstrategie der sozialliberalen Haager Regierung paßten...

Der Drogenexperte Carl Steinmetz von der Universität Amsterdam ... fand heraus, daß allein der Markt für weiche Drogen in den Niederlanden jährlich ein Umsatzvolumen von etwa 15,4 Milliarden Mark erreicht. Die Bilanz nach 25 Jahren niederländischer Drogenpolitik lautet nach Meinung von "KRO-Netwerk": "Die Niederlande haben nicht weniger Konsumenten harter Drogen als andere Länder. Holland ist zu einem prominenten Drogenhandelszentrum geworden. Niemand in der Welt nimmt unser Drogenexperiment noch ernst."

Die Welt v. 13.3.2000


Und noch eine andere holländische "Errungenschaft" zeigt mittlerweile ihre verheerenden Folgen, die Euthanasie:

Wenn das Töten nicht klappt

Eine neue Studie im "New England Journal of Medicine" kam zu dem Ergebnis, daß ärztliche Mithilfe beim Selbstmord häufig fehlschägt und zu vermehrten Schmerzen und medizinischen Komplikationen führt. Die Untersuchung der Euthanasie und des medizinisch begleiteten Selbstmordes in den Niederlanden, wo diese Praktiken seit mehreren Jahren legal sind, ergab, daß bei Patienten, die sich mittels ärztlich verordneter Präparate umbringen wollten, die Dinge in 16 Prozent der Fälle nicht so gelaufen sind, wie erwartet. Andere Probleme und Nebenwirkungen traten in weiteren sieben Prozent der Fälle auf. Es traten so häufig Probleme auf, daß Ärzte, die Zeugen eines versuchten Selbstmordes waren, in 18 Prozent der Fälle einzuschreiten hatten, um einen raschen Tod zu bewirken.

Bei Euthanasie entdeckten die Forscher Komplikationen bei drei Prozent der Versuche. Entweder brauchten die Patienten länger als erwartet, um zu sterben, oder (in sechs Prozent der Fälle) erwachten sie aus einem medikamentös bewirkten Koma, das tödlich hätte wirken sollen.

"Diese Information wird schockierend wirken für viele Leute - inklusive Gesetzgeber und manche Ärzte -, die niemals daran gedacht hätten, daß Maßnahmen des ärztlich begleiteten Selbstmordes und der Euthanasie eines Tages für Leidende, denen geholfen werden sollte, zusätzliches Leid zufügen würden," hielt Dr. Sherwin Nuland von der Yale University in einem begleitenden Kommentar fest.

The Catholic World Report 4/2000


Kein Muezzin-Ruf in Dänemark

Dänemarks Protestanten sind für Toleranz gegenüber der steigenden Zahl von Muslimen in ihrem Land, wenden sich aber gegen den öffentlichen Gebetsruf des Muezzin. Das ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten ersten Studie über die Haltung der dänischen Lutheraner gegenüber anderen Religionsgesellschaften.

... In Dänemark viel beachtet worden war eine Vorentscheidung der Stadtverwaltung in der norwegischen Hauptstadt Oslo, daß Muslime in Zukunft von einigen Minaretten der Hauptstadt freitags öffentlich zum Gebet aufrufen dürfen. Als Reaktion darauf hatten auch die Atheisten in Norwegen beantragt, ihr Bekenntnis in Oslo öffentlich ausrufen zu dürfen. Künftig will eine atheistische Gesellschaft bis zu zehn Mal im Jahr "Gott gibt es nicht" oder Ausschnitte aus den allgemeinen Menschenrechten über Lautsprecher verkünden. Die Stadtverwaltung signalisierte ihre Zustimmung.

Die Tagespot v. 6.4.2000


Europas Staaten haben vom Christentum Abschied genommen. Dieser Tatsache müssen wir Christen uns stellen und als Konsequenz viel missionarischer werden - nicht im fernen Afrika, sondern zu Hause, bei unseren Kindern und Nachbarn:

Die Jugend sagt der Kirche ade

"Ein religiöses Milieu ist bei den katholischen und evangelischen Jugendlichen in Deutschland nicht mehr feststellbar", sagt die Shell-Jugendstudie 2000. Ernüchternder könnte das Ergebnis für die christlichen Kirchen nicht sein... Die alten Konfessionsgrenzen zwischen katholisch und evangelisch hätten sich abgeschliffen. Gleichzeitig würden die Unterschiede zwischen getauften und konfessionslosen Jugendlichen durch eine weitgehende Entkirchlichung immer kleiner. Auffallend ist, daß der Zulauf zu Sekten seinen Höhepunkt überschritten hat... Dagegen sei bei jungen Leuten eine allgemeine, kirchlich nicht gebundene Religiosität feststellbar. "Private Glaubensüberzeugungen von einem waltenden Schicksal oder einer höheren Macht spielen eine weitaus größere Rolle als dogmatische Glaubenssätze und kirchliche Lehren."

... Die Jugendstudie 2000 (schloß) erstmals auch ausländische Jugendliche in Deutschland ein. Dort zeigte sich ein starker Kontrast zur Entchristlichung: "Unter den türkischen Jugendlichen gibt es eine nicht kleine Gruppe, bei der man von einem religiösen Milieu sprechen kann." Das bedeutet: Das Christentum verliert bei den jungen Deutschen an Boden; gleichzeitig wächst in Deutschland eine türkische Generation heran, die teilweise fest im Islam verankert ist.

... "Religion wird ein Produkt", stellt das Österreichische Institut für Jugendforschung 1999 in der Analyse "Die Suche nach der religiösen Aura" fest. "Wie auf dem freien Markt üblich, werden nur jene Anbieter ,überleben', die ihr Produkt gut verkaufen und eine hohe Nachfrage haben." Gleichzeitig melden die Autoren Christian Friesl und Regina Polak Zweifel an, ob sich die christlichen Kirchen diesem Diktat von Angebot und Nachfrage unterwerfen sollen... Trotzdem müssen sich die Kirchen mit Religion als Marktphänomen auseinandersetzen. Denn die "Flucht in den Markt" der religiösen Angebote wird als eine Reaktion der Jugend auf das "kirchliche Gesinnungsmonopol" gesehen. Gegen Monopol-Ansprüche sind in der pluralistischen Gesellschaft aber nicht nur Jugendliche allergisch, sondern auch Erwachsene.

SN v. 17.4.2000


Erstens: Es gibt nicht nur jene Jugend, die Abschied vom Glauben nimmt. Es gibt auch die höchst interessierte und ansprechbare. Und auf sie wirken jene am glaubwürdigsten, die ihren Glauben mit Freude leben. Und noch eines: Der scheinbare Abschied vom Glauben ist eine europäische Spezialität. Weltweit ist die Botschaft Christi im Vormarsch.

Mehr Priester

Erstmals seit 1978 ist die Zahl der Priester gestiegen. Derzeit sind es 404.626 im Vergleich zu 404.208 im vergangenen Jahr zur selben Zeit. Auch die Zahl der Priesterstudenten in den Seminarien ist im Steigen begriffen: 109.828 gegenüber 109.171. Fortgesetzt ist auch der Anstieg der Zahl der ständigen Diakone, der mit einer Mission beauftragten Laien und der Katechisten.

Famille Chrétienne v. 17.2.99

Und Europa wird von Afrikanern, Asiaten und Lateinamerikanern missioniert werden.


Zu viele Ausländer

Eine ziemlich deutliche Mehrheit der Franzosen (61 %) vertritt die Ansicht, daß "es in Frankreich zu viele Personen ausländischen Ursprungs" gibt. ... Eine Tendenz, die von dem Gefühl bestätigt wird, man "fühle sich in Frankreich nicht mehr so zu Hause wie früher", wie sich 55 % der Befragten ausdrücken. Dieser Rassismus hat vor allem die Araber im Visier: 63 Prozent des Franzosen - ein Zuwachs von zwölf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr - vertreten die Ansicht, es "sind zu viele".

La Croix v. 16.3.2000

Wer feststellt, er erlebe eine Überfremdung im eigenen Land, ist nicht allein deswegen schon als Rassist zu bezeichnen. Denn der Rassist ist von der Überlegenheit einer Rasse überzeugt.


Ein Wunder

In einem Interview mit der Zeitung "La Croix" (3.4.2000) erklärte der jüdische Schriftsteller Elie Wiesel:

Ich sah auf dem Bildschirm einen verletzlichen, schwachen, bewegten, sehr bewegten Mann. Er war so bewegt, daß auch ich bewegt wurde. Bewegt, ihn da zu sehen. Und da habe ich mir gedacht: Schau mal, das ist ein Wunder, ein menschliches Wunder. Manchmal schenkt die Geschichte solche Augenblicke, ganz besondere Momente. Wissen, das Leben besteht nicht aus Jahren, sondern aus Augenblicken und dieser wird Bestand haben...

Hören Sie, als ich jung war, kannte ich nichts vom Christentum außer der Angst, die es mir einflößte. Auf dem Weg von zuhause zur Synagoge wechselte ich die Straßenseite, um nicht an der Kirche vorbeizugehen. Ich fürchtete mich vor der Kirche, weil ich nichts von ihr wußte. Ich kannte nur die Kreuzzüge, ich wußte von der Inquisition, aber nichts von allem anderen. Heute weiß man viel und man müßte mehr wissen. Daher muß sich der Dialog von dieser Ebene nun auf andere erheben. Auch wir Juden sollten wissen, was das Christentum ist. Das heißt nicht, daß ich die Religion wechseln werde, niemand wird mich bekehren, ich werde Jude bleiben. Nötig aber ist es, respektvoll mit dem anderen und über ihn zu sprechen.


Und Günther Nenning schrieb in der Kronenzeitung (28.3.2000)

Einen Brief an den lieben Gott

Wie schickt man einen Brief an den lieben Gott? Ganz einfach. Man schreibt ihn, faltet ihn und steckt ihn in eine Ritze zwischen zwei Steinen der Klagemauer in Jerusalem. In dieser Mauer, sie it alles, was vom großen Tempel übrig blieb nach seiner Zerstörung durch die Römer - in dieser Klagemauer sind viele Ritzen, und in diese Ritzen stecken fromme Juden ihre Briefe an Gott. Es ist ein alter jüdischer Brauch.

Dieser Papst ist einer, der unbeirrt das Ungewöhnliche tut. Das Oberhaupt der katholischen Kirche übte einen alten Judenbrauch. Der Wortlaut des Briefes an den lieben Gott, den er in die Klagemauer steckte: "Wir sind tief traurig über das Verhalten all jener, die im Laufe der Geschichte diesen Deinen Kindern Leid zugefügt haben, und wir bitten um Vergebung. Wir möchten uns zu wirklicher Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes bekennen."

Der Brief ist auf Englisch, der liebe Gott kann ja Englisch. Obiges sind die Kernsätze. Der Brief des Papstes in der Klagemauer ist ein Zeugnis der echten Reue wie auch ein Meisterstück der Diplomatie. Das "Volk des Bundes", nämlich des alten Bundes mit Gott: des Alten Testaments - das sind die Juden. Der Papst nennt sie Brüder und "diese Deine Kinder". Die Juden sind Kinder Gottes.

Früchte des Jubeljahres. Und wir haben erst die Halbzeit erreicht!

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