VISION 20003/2000
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Vom Buddhismus zum Glauben

Artikel drucken Zeugnis von der Suche nach der absoluten Wahrheit (Karl Philbert)

Bernhard und Karl Philberth sind Physiker, freie Erfinder und Priester. Sie erhielten über 100 in- und ausländische Patente. Philberth-Transformatoren finden sich zu Millionen in Elektrogeräten. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Grenzfragen von Glaube und Wissenschaft. Mit Erfolg suchten und fanden die beiden Forscher die Lösung technischer Probleme. Aber die große Suche ihres Lebens war die nach der Wahrheit

Mein Bruder (geb. 1927) und ich (geb. 1929) verbrachten unsere Kindheit in der Geborgenheit eines geradezu idealen Elternhauses. Dagegen war unsere Jugend geprägt von den Schrecken des Krieges und der Nachkriegszeit. Wir waren zuhause und in der Schule christlich erzogen worden. Unser Vater war katholisch, in ihm hatten wir ein Vorbild kompromißloser Ehrlichkeit. Unsere evangelische Mutter ist heute 97 Jahre alt; in ihrer wunderbaren Warmherzigkeit und Gottverbundenheit hat sie den Grundstein zur Gottesliebe in uns gelegt.

So waren mein Bruder und ich von Anfang an praktizierende Christen. Wir wußten die Wahrheit - und waren dennoch Sucher; Sucher nach zuverlässiger Sicherheit in den letzten Dingen.

Heute weiß ich, warum das so war: In Wohlstandszeiten leisten sich viele den Luxus, dies und das zu kultivieren; darunter auch eine ortsübliche Religion, die natürlich nicht radikal und nicht fundamental sein darf. Der satte Bürger ist gern bereit, eine "angenehme" Wahrheit für sich selbst und eine beliebig andere Wahrheit für andere gelten zu lassen: "Jedem das Seine, so lange es nur nicht anstrengend wird". Diese Haltung ist nicht heilige Toleranz, sondern unheilige Wurstigkeit bezüglich der letzten Dinge.

Unter der Wucht der Kriegs- und Nachkriegsjahre war in aufgeweckten jungen Menschen kein Platz für solche Lauheit. Es ging ums Ganze. Für meinen Bruder und mich ging es um die Suche nach der ganzen Wahrheit. Unsere Frage war nicht, ob das Christentum wahr ist, sondern ob es die absolute Wahrheit ist.

Wir machten uns auf zwei Ebenen an die große Suche: In der modernen Naturwissenschaft und in anderen Weltreligionen. Es war eine ehrliche Suche. Wie so oft im Leben, ging mir mein älterer Bruder auch hier wegweisend voran. Obgleich ich nie aufgehört hatte praktizierender Katholik zu sein, war ich teils unbewußt geistig ausgewandert in den Buddhismus; fasziniert von der brillanten Logik des Gautama Buddha und von der Tiefe des Zen. Mein Bruder machte mich bekannt mit Prof. Eugen Herrigel, dem vielleicht bedeutendsten europäischen Zen-Meister.

Der Buddhismus kennt keinen jenseits der Welt existierenden Gott, er ist eine weltimmanente Heilslehre. Nach dieser Lehre zwingt das Karma-Gesetz, das eherne Gesetz einer unausweichlichen Gerechtigkeit, alle Wesen in qualvolle, immer neue Wiedergeburt. Nach Buddhas Lehre kann man daraus nur auf einem Weg entrinnen: indem man durch tiefe Meditation den Wahn des Lebens durchschaut und indem man durch harte Askese die Einbindung in diese Welt auflöst und damit ins Nirwana, das heißt in die Nichtigung eingeht.

Buddha selbst vergleicht im "Schlangengleichnis" seine Lehre mit einem "Floß, das zum Entrinnen, nicht zum Festhalten tauglich ist"; das heißt, für die letzten Schritte zum Nirwana muß man alles zurücklassen - sogar Buddhas Lehre.

Diese Philosophie hatte mich durch ihre eisenharte Konsequenz so begeistert, daß ich blind wurde für das, was ich an ihr nicht sehen wollte. Ich hatte die Stufen zu immer großartigeren Meditationen selbstredend für Stufen der Heiligkeit gehalten - bis zu dem Tag, an dem ich mit fassungslosem Staunen Buddhas Rede "Ein guter Mensch" verschlang. Darin mußte ich lesen, daß nicht nur der gute, sondern auch der schlechte Mensch eine Stufe nach der anderen bis zur höchsten Stufe der Meditation ersteigt.

Ja was ist denn dann für ein Unterschied zwischen beiden Menschen, fragte ich mich betroffen. Buddha wiederholt es in jedem Absatz: Der schlechte Mensch "brüstet sich und verachtet die anderen"; der gute Mensch "brüstet sich nicht, noch verachtet er die anderen". So hatte ich mir von Buddha sagen lassen müssen, was mir aus dem Munde Christi zu wenig gewesen war: auf Demut kommt es an, nicht auf Erfolg.

Aber dann kam es noch dicker. Nach meiner noch immer lebendigen Erinnerung war es ein Gespräch, in dem Buddha gefragt wird, worin das Karma-Gesetz begründet ist und worin die Buddhaschaft begründet ist. Seine Antwort ist groß, sie reicht über ihn selbst hinaus; sie besagt: Das Karma-Gesetz gründet in einer Gerechtigkeit von außerhalb der Welt und seiner Lehre, die Buddhaschaft gründet in einer Liebe von außerhalb der Welt und seiner Lehre. Nun fiel es wie Schuppen von meinen Augen: Gerechtigkeit und Liebe sind keine abstrakten Prinzipien, sondern Wesensqualitäten einer Person. Wenn es also eine transzendente Gerechtigkeit und Liebe gibt, dann muß es auch transzendente Personalität geben.

Was für ein Tor war ich doch gewesen, der jahrelang suchte, um sich dann von einem in Weltimmanenz gefangenen großen Denker zu einer Einsicht führen zu lassen, die mir durch die Heilige Schrift und die kirchliche Lehre längst bekannt war: Es gibt Ihn, den transzendenten, ewigen Gott, den Urgrund alles Seins, der die Welt in Gerechtigkeit und Liebe geschaffen hat.

Jetzt wurde mir voll bewußt, mit welcher wahrhaft leeren Heilserwartung ich mich begnügt hatte: Gautama Buddha bietet die Auslöschung alles Leides durch die totale Auslöschung der Person. Jesus Christus Gott bietet die Auslöschung alles Leides im ewigen Leben, das Er selbst uns erwirkt. In Ihm vereinigen sich Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe: Mit seinem Opfertod sühnt Er für unsere Schuld, auf daß alle, die zu Ihm gehören, mit Ihm eingehen dürfen in Gottes Reich.

Für mich gehört Buddha auch heute noch zu den Großen der Geistesgeschichte. Im Gegensatz zu den Größenwahnsinnigen erkennen die wahrhaft Großen ihre eigenen Grenzen; so wie Buddha, der sich nie als Sohn eines ewigen Gottes bezeichnet hat und der ausdrücklich anerkennt, daß es etwas außerhalb seiner Lehre Stehendes gibt.

Ich habe bei meiner Prüfung keinen ernst zu nehmenden Heilslehrer gefunden, dessen Selbsteinschätzung und dessen göttliche Vollmacht vergleichbar sind mit der von Jesus Christus. Er allein ist wahrer Mensch und wahrer Gott, beglaubigt von Gott-Vater, erfüllt von Gott-Geist. Buddhas Lehre beschreibt in erschütternder Klarheit eine furchtbare Welt, in der es keinen schöpfenden, keinen erlösenden und keinen begnadigenden Gott gibt. Oberflächliches Liebäugeln mit dem Buddhismus ist Torheit. Wer dessen stählerne Härte wirklich kennt, der weiß: Gott allein kann uns retten und zum Heil führen.

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