VISION 20006/2001
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Eine Botschaft für das dritte Jahrtausend

Artikel drucken Begegnung mit dem barmherzigen Jesus (Sepp Messner; Adolf Paster)

Mitten im Mölltal in Kärnten liegt der liebenswerte Danielsberg, 960 Meter hoch. Ihn umkränzen Gipfel mit 2.500 Metern. Bereits vor 6.000 Jahren haben hier Menschen gesiedelt. Um 1127 errichtete man am Gipfel eine romanische Kirche. Sie ist mir seit meiner Jugend ans Herz gewachsen.

Ende der achtziger Jahre war sie äußerst renovierungsbedürftig. So rief ich eine Initiative ins Leben, die “Freunde vom Danielsberg", die sich dieser Aufgabe annahmen. Nach mehrjährigen Arbeiten präsentierte sich das Gotteshaus in vornehm-bescheidenem Glanz. Es bot ein harmonisch abgerundetes Bild der Vergangenheit. Aber hatte diese Vergangenheit eine Mitteilung für das 3. Jahrtausend?

So überlegten wir, mit welcher Botschaft wir über die Schwelle des Jahrtausend treten könnten. Absicht war es, einen geistigen Akzent zu setzen, der dynamisch Platz greift. Die Antwort fanden wir in der Person des “Barmherzigen Jesus".

Wie es dazu kam, ist erzählenswert. Ein guter Freund, Heinrich Wohlmeyer, hatte mir vor Ostern 1997 ein kleines Büchlein über die Offenbarungen Jesu an Schwester Faustyna geschenkt. Dabei empfahl er mir, die Oster-Novene zu beten. Irgendwie hatte ich damals aber weder die Zeit noch wirklich ausreichend viel Interesse daran. Das Heftchen wanderte also in die Sammlung “Literatur für später".

Im September 1998 war es dann wieder einmal soweit: Ich mußte “ausmisten", da nirgends mehr Platz und einfach nichts mehr zu finden war. Schon wollte ich das Büchlein mit dem zuckersüßen Jesus-Gesicht in die Flohmarkt-Kiste legen. Weil ich Heinz aber sehr schätze, warf ich doch noch einen Blick in das Heft. Zwar erschien mir der Inhalt recht hausbacken, dennoch war irgendwie mein Interesse geweckt - und ich bestellte das Tagebuch der Schwester Faustyna.

Ich las und las darin - und staunte und staunte. Das waren Worte “mit Vollmacht". Die Aussagen und Hinweise Jesu waren klar, eindeutig und praxisbezogen. Die Haltung der Heiligen liebevoll, demütig und dienstbereit. Ich empfand dieses Buch als ganz wertvolle Bereicherung meines Gottes- und Menschenbildes. Mehr nicht.

Im November 1998 fiel dann der Groschen: Dieses Bild des Barmherzigen Jesus ist es! Vom Danielsberg muß die Botschaft erschallen: “Barmherzigkeit!" Ein gütiger Gott hatte längst vorgesorgt. Man hat immer alles, was man braucht.

Diese Kunde paßte geradezu ideal zur Geistigkeit der Kirche. Sie ist von Darstellungen des Jüngsten Gerichts geprägt. Ein leider ziemlich zerstörtes Fresko im Altarraum und ein großes Ölgemälde an der Seitenwand weisen darauf hin. Und sagte nicht unser Herr zu Schwester Faustyna: “Bevor ich als gerechter Richter komme, komme ich als König der Barmherzigkeit"? Darum kann die Antwort nur sein: “Jesus, ich vertraue auf Dich." So steht es auch unter dem Bild.

Dieses Vertrauen hatten wir dann am Danielsberg auch bitter nötig, denn bis das Bild endlich an seiner Stelle hing, waren viele Hindernisse zu überwinden.

Jetzt hat es einen Ehrenplatz an der Seitenwand im vorderen Teil der Kirche. Betritt man das Gotteshaus, fällt der Blick sofort und zwingend auf dieses neue Gnadenbild (es ist eine Kopie der erstgemalten Darstellung, die nach dem Diktat von Schwester Faustyna angefertigt und persönlich von ihr in Augenschein genommen worden war). Der Besucher steht von Anfang an in seinem Bann. Er spürt: Diese Kirche hat eine Botschaft!

Dies wurde besonders deutlich, als das Bild - dem Wunsch des Herrn gemäß - 1999 am Weißen Sonntag (Papst Johannes Paul II. hat diesen mittlerweile zum Sonntag der Barmherzigkeit Gottes erklärt) geweiht wurde. 150 Personen von nah und fern waren zum feierlichen Gottesdienst erschienen. Die drei Priester, die gekommen waren, entließen die Anwesenden mit dem Segen: “Der Herr blicke euch voll Güte an und schenke euch seine Barmherzigkeit!"

Seit damals beten wir am zweiten jeden Monats um die Barmherzigkeit Gottes für die Umkehr der Sünder.

Sepp Messner


Wir brauchen echte Versöhnung

Erst wenn mir persönlich klar ist, welche Ungerechtigkeiten von mir, meiner Familie, meinem Volk, meinem Stand, meiner Rasse und meiner Religion ausgegangen sind und wie sehr wir andere verletzt haben, erst dann sind wir in der Lage, ein neues Klima der Versöhnung und des Lebens zu schaffen. Dann besteht wieder die Möglichkeit, daß Leben fließt und alles belebt. Versöhnung ist praktisch die unverwüstliche Starterbatterie des Lebens überhaupt.

Aber was in der Gesellschaft sehr logisch erscheint, muß auch der Natur und Gott gegenüber selbstverständlich sein. Erst die reale Einschätzung eigener Fehlleistungen, bewußter oder unbewußter Natur, gibt die Möglichkeit, neue Perspektiven anzustreben und den Schritt der Versöhnung einzuleiten.

Wenn wir die Geschichte ein wenig durchforsten und verstehen, daß die meisten Verletzungen in der Vergangenheit unversöhnt und ungesühnt geblieben sind und daß aus den unbewußten Bereichen der menschlichen Seelenlandschaft sich ständig neue Konflikte entwickeln, erst dann verstehen wir, daß wir aus dem Schlamassel so lange nicht herauskommen, als wir die vergangenen Ereignisse nicht gründlich persönlich und gesellschaftlich aufarbeiten.

Denn alles Geschehen in der Vergangenheit und Gegenwart hat seine Auswirkungen auch auf meine Person und meine unmittelbare Umgebung. Ich darf daher nicht denken: Ach, was geht mich das alles an! Ich habe doch damit überhaupt nichts am Hut. Erst wenn wir echte Versöhnung anstreben und verwirklichen, erst dann haben wir eine echte Chance, Begegnungen positiv und fruchtbar zu gestalten. Erst dann und wirklich erst dann werden alle unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt sein, und es wird eine neue Erde und auch ein neuer Himmel entstehen.

Adolf Paster

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