VISION 20006/2001
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Der Gläubige hat recht

Artikel drucken Zwei Journalisten über den Glauben (Vittorio Messori und Michele Brambilla)

Journalisten gelten gemeinhin nicht gerade als Personifikation unbestechlicher Wahrheitsliebe und unzweifelhafter Kirchentreue. Dabei hat schon der Journalismus an sich, als System mit seinen ideologischen Voraussetzungen, eine problematische Geschichte, die im 19. Jahrhundert eine für unseren Kulturkreis charakteristische Ausprägung erfuhr.

Umso überraschender und erfreulicher ist es dann, wenn zwei prominente Vertreter dieser Zunft, die in reiferem Alter zum Glauben gekommen sind, erfrischend unkonventionelle und zuweilen deftige Überlegungen über ebendiesen anstellen.

In 15 Kapiteln werden Grundthemen des Glaubens erörtert: vor allem die Frage nach Gott, der sich von der menschlichen Freiheit im Halbdunkel Seiner Spuren in der Schöpfung und Offenbarung suchen und finden lassen möchte. Die beträchtlichen ideologischen und geschichtlichen Kenntnisse der beiden kommen dabei zum Tragen.

Gleich am Beginn gibt es einen Paukenschlag: Ganz bewußt bekämpfen sie die modischen Viren, von denen das offizielle kirchliche und theologische Leben in westeuropäischen Diözesen infiziert ist. Und so stellen die Autoren die Frage nach Glauben und Unglauben, nach Wahrheit und Irrtum radikal in den Zusammenhang mit Tod und Sterblichkeit. Und sie verweisen darauf, daß nicht wenige eingefleischte Kirchenfeinde und Agnostiker, darunter die französischen Staatsmänner Mitterand und Clemenceau oder sogar der italienische Diktator Mussolini gegen Ende ihres Lebens an die Türe jener Kirche klopften, die sie zeitlebens verachtet oder bekämpft hatten.

“Wie du weißt, will unsere Gesellschaft zwar ,kritisch' und ,mutig' sein, aber trotzdem herrscht das Verbot, Fragen oder zumindest bestimmte Fragen, nämlich die Grundfragen, die Frage nach dem Sinn des Lebens und Sterbens zu stellen." Genau diese Fragen stellen die Autoren in der Folge ohne Rücksicht auf “interreligiös korrekte" oder sonstige Sprachregelungen.

Dabei werden viele positive Überlegungen geboten: “Aber mit dem Gott des Neuen Testaments ist es immer so: entweder erleben wir Erhabenes oder Verrücktes. Ja, nach der uns bekannten Logik erleben wir beides: Ist wahre Liebe nicht immer anstößig, ja besitzt sie nicht einen Hauch von Wahnsinn?"). Aber es werden auch vehemente Absagen erteilt: z.B. an die Glorifizierung der Französischen Revolution, die Diffamierung des Mittelalters als “dunkel", die Verleumdung der Kirche im Fall Galilei...

Beeindruckend sind auch die naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die den quasi-dogmatischen Vulgär-Evolutionismus in Grund und Boden widerlegen.

Ein Wermutstropfen ist leider (neben manchmal etwas überschäumenden Formulierungen und dadurch verursachten Ungenauigkeiten, wie sie vielleicht eher in Italien als bei uns üblich sind) das schlechte deutsche Lektorat. Etwa bei Eigennamen und Fremdwörtern sind ihm viele Fehler unterlaufen.

Es wäre schade, wenn man sich durch sie die Freude an diesem schwungvollen Werk verderben ließe.

Wolfram Schrems

Der Gläubige hat recht. Von Vittorio Messori und Michele Brambilla, St. Ulrich-Verlag, 280 Seiten, öS 321.-

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