VISION 20006/2001
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Bereit zu totaler Vernichtung

Man muß eine weitere Vorstellung ad acta legen: daß der Einsatz von Massenvernichtungswaffen an Wahrscheinlichkeit verliert, weil er für den Angreifer selbst ein unkalkulierbares Risiko birgt. Das war aus der vergleichsweise gemütlichen Logik der Militärs gedacht, bei denen Verhältnismäßigkeit oder Selbstschutz noch eine Rolle spielen. In der Logik des Selbstmordattentäters bedeutet das eigene Risiko nichts und das Ziel der Schadensmaximierung alles.

Der Standard v. 10.10.01


Nur religiöse Motive können Menschen dazu bewegen, so lang im voraus geplante Selbstmordattentate durchzuführen.

Der Allmächtige hat Amerika getroffen

Am 7.10.2001 hat die TV-Station “Al-Jazeera" in Katar das Videoband mit einer Botschaft Osama bin Ladens ausgestrahlt. Auszüge daraus:

Gott der Allmächtige hat Amerika in einem seiner lebenswichtigen Organe getroffen, ihre höchsten Gebäude wurden zerstört. (...) Amerika ist voller Horror vom Norden bis zum Süden und vom Osten bis zum Westen, und Dank sei Gott, daß das, was Amerika jetzt zu spüren bekommt, nur ein Abklatsch dessen ist, was wir zu spüren bekommen haben.

Unsere islamische Nation hat dasselbe seit mehr als 80 Jahren erlebt, Erniedrigung und Schande, ihre Söhne wurden ermordet und ihr Blut vergossen, ihre heiligen Orte geschändet. Gott hat eine Gruppe der moslemischen Avantgarde gesegnet (...), Amerika zu zerstören. (...) Die Sache ist ganz klar. Nach diesem Ereignis muß jeder Moslem für seine Religion kämpfen ... (gegen) die hohen Funktionäre der USA, angefangen mit dem Kopf der Ungläubigen, (US-Präsident George W.) Bush und seine Leute, die eine Show der Eitelkeit mit ihren Männern und Pferden aufführen.

(...) Diese Ereignisse haben die Welt in zwei Lager geteilt, in das der Gläubigen und in das der Ungläubigen... Jeder Moslem muß aufstehen und seine Religion verteidigen. Der Wind des Glaubens weht und der Wind der Veränderung wird das Böse (...) entfernen. Ich schwöre beim mächtigen Gott, daß Amerika niemals Frieden erleben wird, bevor nicht der Frieden in Palästina regiert und bevor alle ungläubigen Truppen vom Boden Mohammeds verschwunden sind. (...)
Zitiert in Die Presse v. 9.10.01


Der säkularisierte Westen muß zur Kenntnis nehmen, daß sich Glaubensfragen nicht aus dem Leben der Menschen verdrängen lassen und die Welt-Einheitskultur eine Utopie ist.

Kampf der Kulturen

1993 veröffentlichte Samuel P. Huntington, Politikwissenschafter in Harvard, “Clash of Civilizations" (als Buch: “Der Kampf der Kulturen"). Im folgenden Auszüge des Essays:

Meine These ist, daß die grundlegende Ursache künftiger Konflikte nicht Ideologien oder ...Ökonomien betrifft. Die große Trennlinie der Menschheit wird kultureller Art sein. Nationalstaaten werden zwar die mächtigsten Akteure auf dem Globus bleiben, die grundsätzlichen Auseinandersetzungen aber werden zwischen Kulturen auftreten. Am Ort ihres Zusammenpralls verläuft die Frontlinie der Zukunft.

(...) Die breiteren historischen Ströme sind kulturell. Ihre Bedeutung wird zunehmen, und die Welt wird vor allem durch das Wechselspiel von sieben oder acht Hauptkulturkreisen geprägt sein: die westliche, die konfuzianische, die japanische, die islamische, die hinduistische, die slawisch-orthodoxe, die lateinamerikanische und möglicherweise die afrikanische Kultur. Die wichtigsten Konflikte der Zukunft werden an kulturellen Frontlinien auftreten.

Warum? Sechs Gründe.

Erstens: Die Unterschiede zwischen den Kulturen sind nicht nur real, sondern auch fundamental. Die einzelnen Kulturen unterscheiden sich sowohl in ihrem Verhältnis von Gott und Mensch, Individuum und Gruppe, Bürger und Staat, Eltern und Kindern, Mann und Frau als auch in ihrer Einschätzung von Rechten und Pflichten, Freiheit und Autorität, Gleichheit und Hierarchie. Diese Unterschiede sind das Ergebnis von Jahrhunderten. Sie werden so bald nicht verschwinden. (...)

Zweitens: Die Welt wird kleiner. Die zunehmenden Kontakte unter den Kulturen verstärken das Bewußtsein der eigenen wie auch der kulturellen Differenzen. (...)

Drittens: Der Prozeß wirtschaftlicher Modernisierung und sozialen Wandels entfernt die Menschen weltweit von ihren gewohnten örtlichen Identitätsmustern. Er schwächt zugleich die identitätsstiftende Kraft der Nation. In einem Großteil der Welt hat Religion die entstehende Lücke ausgefüllt, oft in Form fundamentalistischer Bewegungen. (...)

Viertens: Das wachsende Bewußtsein kultureller Differenz wird noch gesteigert durch die Doppelrolle des Westens. Dieser befindet sich einerseits auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zugleich aber, und vielleicht als Folge dieser Macht, vollziehen die nichtwestlichen Kulturen eine “Rückkehr zu den Wurzeln". Man hört immer öfter von der Selbstbesinnung und “Asiatisierung" Japans, der “Hinduisierung" Indiens, der “Re-lslamisierung des Mittleren Ostens oder der erbitterten Debatte um Rußlands “Verwestlichung". (...)

Fünftens: Kulturelle Unterschiede sind weniger beweglich und deshalb weniger gefährdet als politische oder wirtschaftliche. In der früheren Sowjetunion etwa können Kommunisten zu Demokraten werden, Reiche arm und Arme reich - aber Russen verwandeln sich nicht in Esten und Aserbeidschaner nicht in Armenier. In materiellen und ideologischen Konflikten war die Schlüsselfrage “Auf welcher Seite stehst du?" - die Leute konnten die Seiten wählen und wechseln. In kulturellen Konflikten lautet die Frage “Was bist du?" Die Antwort darauf ist unveränderlich. (...)

Der Westen beherrscht international alle politischen Bündnisse, Gremien und - gemeinsam mit Japan - alle wirtschaftlichen Institutionen. Weltpolitische Fragen werden durch einen Rat geschlichtet, in dem die USA, Großbritannien und Frankreich bestimmen. Weltwirtschaftliche Fragen werden von Amerika, Deutschland und Japan entschieden. (...) Der Westen benutzt internationale Organisationen, militärische und wirtschaftliche Macht, um die Welt so zu lenken, daß seine Vorherrschaft erhalten und seine Kultur gefördert wird. So jedenfalls sehen es Menschen aus nicht-westlichen Ländern, und ihre Einschätzung ist großteils richtig.

Die entchristlichte Kultur des Westens mit ihrem Dominanzstreben ist besonders gefährdet, in Konflikte verwickelt zu werden. In einen friedlichen Dialog kann sie wohl nur nach einer tiefgreifenden Umkehr eintreten. Derzeit jedenfalls verleugnet sie ihre Wurzeln:

Bestraft für ein Bibelzitat

Eine Entscheidung der Menschenrechtskommission von Saskatchewan vom 15. Juni 2001 führte zum ersten Mal in der Geschichte Kanadas dazu, daß ein Mann von der Regierung dafür bestraft wurde, daß er die Bibel zitiert hat. Hugh Owens, ein in der Nähe von Regina in Saskatchewan lebender Christ wurde dazu verurteilt 4.500 Dollar an drei homosexuelle Aktivisten zu zahlen, die Beschwerde eingelegt hatten gegen eine Anzeige, die Owens in der lokalen Zeitung Saskatoon Star Phoenix geschaltet hatte. (...) Die Anzeige zitierte vier Bibelstellen - aus Römer 1, Leviticus und dem 1. Korintherbrief -, die homosexuelle Handlungen verbieten. Neben der Liste der Bibelzitate war das mathematische Zeichen für “ist gleich" und daneben zwei Strichfiguren von Männer, die einander bei der Hand halten. (...) Das eigentliche Anliegen des Inserats war, darauf hinzuweisen, daß die Schrift ein Nein zu homosexueller Betätigung spricht.

... Neben dem Fall Owens hat die Kampagne gegen die “Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung" in Kanada zu folgendem geführt:

* zur Bestrafung christlicher Bürgermeister mit bis zu 10.000 Dollar, weil sie es verabsäumt hatten, in ihrer Stadt “Gay Pride"-Veranstaltungen bekanntzumachen;

* oberstgerichtliche Urteile gegen christliche Schulen, die Lehrer, die sich öffentlich und aktiv als homosexuell bekannt hatten, kündigen wollten;

* eine 5.000 Dollar Strafe für eine Druckerei, die sich geweigert hatte, homosexuelles Propagandamaterial herzustellen. Auch wurde ihr befohlen, in Zukunft solche Geschäftsfälle zu übernehmen.

The Catholic World Report Aug/Sept 2001


Darf man sich wundern, wenn andere Kulturkreise angewidert sind von dieser Dekadenz unserer Gesellschaft und sich von ihr bedroht fühlen, umso mehr als dieses Modell ja über Medien und UNO weltweit exportiert wird:

Böse Mädchen

In den USA ist die Comedy-Serie “Sex and the city" Kult, demnächst können auch deutsche Frauen die Beziehungsabenteuer der vier libidinösen New Yorkerinnen verfolgen. (...) Die Serie über die erfolgreichen Singles hat offenbar einen besonderen Nerv getroffen. Nie zuvor wurde derart G-Punkt-genau und witzig das Leben alleinstehender Metropolen-Bewohnerinnen seziert, nie zuvor das Dilemma beschrieben, in dem sich selbstbewußte und unabhängige Frauen befinden, die mit 30 nicht verheiratet sind, aber doch Beziehungen suchen.

(...) Getrieben von purer Lust und der Sehnsucht nach einer echten Beziehung, lassen die vier Frauen ihre Manolo-Blahnik-High-Heels vor den Betten fallen, schaben sich nächtens ihre Gucci-Fummel beim Knutschen an Hauswänden ab und diskutieren anschließend ihre Erfahrungen beim Cocktail in hippen Lokalen und auf begrünten Dachterrassen.

... Die Komödie brachte zahlreiche Emmy-Nominierungen und in diesem Jahr zwei Golden Globes - einen für das Gesamtkunstwerk und einen für die Hauptdarstellerin Sarah Jessica Parker.
Der Spiegel 36/01


Wohl die größte Quelle des von uns ausgehenden Unfriedens ist der zynische Umgang mit dem ungeborenen Leben:

Das Recht, nicht geboren zu werden

Nicolas Perruche, 18 Jahre alt, schwer behindert geboren, nachdem die Röteln der Mutter während der Schwangerschaft nicht erkannt worden waren, hat dafür Schadenersatz verlangt und zugesprochen bekommen. Das Oberste Gericht hat festgehalten, daß “durch den Arzt und das Labor verschuldete Fehler die Mutter daran gehindert hatten, sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden" (Urteil vom 17. November 2000). Das Urteil hält fest, daß es um “Wiedergutmachung des von der Behinderung verursachten Schadens" geht.

Die am 13. Juli behandelten Fälle sind mit dem Fall Perruche vergleichbar. Drei Familien mit Kindern, deren Behinderung im Ultraschall nicht erkannt worden war, haben im Namen ihrer Kinder Schadenersatz gefordert. ... (...) Das Urteil im Fall Perruche bestätigt, indem es neuerlich erklärte, daß ein behindertes Kind von den Ärzten Schadenersatz verlangen kann, wenn ein Diagnosefehler die Mutter davon abgehalten hat, abzutreiben.
L'Homme Nouveau v. 2.9.01


Damit erhebt das Gericht die Abtreibung hochoffiziell zum Recht der Frau. Und das behinderte Leben wird zur Panne, die durch Tötung zu vermeiden gewesen wäre. Gott sei Dank entscheiden nicht überall die Gerichte gegen das Leben:

Keine Pille danach

Der Oberste Gerichtshof in Chile hat den Verkauf der “Pille danach" verboten. Das Gericht stellte sich damit laut chilenischen Rundfunkberichten gegen die ausdrückliche Erlaubnis des Gesundheitsministeriums.
Kathpress 31.08.01


Erfreulich auch die folgende Meldung, die Mut machen sollte, dort, wo man selbst Leben retten könnte, alle Hebeln in Bewegung zu setzen:

Que bella la storia!

Livia ist 17. Vor einigen Monaten hat sie Marco, 20 Jahre alt, kennengelernt, einen jungen Mann aus dem Ort, in dem sie seit ihrer Geburt lebt. Ihre Liebe scheint sich zur Tragödie zu entwickeln, als Livia entdeckt, daß sie im vierten Monat schwanger ist. Als sie das ihren Eltern mitteilt, sind sich beide, Vater und Mutter, einig, daß abgetrieben wird (...) Marco jedoch ist zutiefst überzeugt: Ihr Kind soll leben. Da er nicht mit der Unterstützung seiner Familie rechnen kann, die ebenso verängstigt ist wie die von Livia, wendet er sich an die Carabinieri. (...)

Tief von seinem Bericht und von seiner Ehrlichkeit bewegt, zitiert Hauptmann Mazzeo Livias Eltern zu sich und bestellt in aller Eile eine Psychologin und einen Richter aus Crotone zu dem Treffen. Ganze zehn Stunden dauert das Gespräch. (...)

Am Tag darauf Tag ruft er bei den Carabinieri an, um ihnen zu sagen: “Wir haben beschlossen, dieses Kind zu behalten und den Verlobten unserer Tochter, der trotz seines jugendlichen Alters mit solchem Einsatz sein Kind verteidigt hat, anzunehmen. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, denn wir hätten ohne Ihre Geduld und Ihre Bereitschaft zuzuhören einen nicht wieder gutzumachenden Fehler begangen. Wir werden alles tun, um unserer Aufgabe als Großeltern gerecht zu werden."
La Croix v. 11.9.01

Wir sollten diese Botschaft in Erinnerung behalten: Das letzte Wort hat die Liebe.


“Ich liebe Dich"

Ein Ehemann aus San Francisco hatte den Anruf seiner Frau aus dem World Trade Center verschlafen. Das Hochhaus um sie herum brannte und sie sprach mit ihrem Handy. Sie hinterließ ihre letzte Botschaft auf seinem Anrufbeantworter. Eine Fernsehstation spielte sie uns vor...

Wir hörten, wie sie ihm durch ihr Schluchzen erzählte, daß es für sie kein Entkommen gab. Das Haus brannte, und es gab keinen Ausweg die Treppe hinunter. Sie rief an, um sich zu verabschieden. Sie hatte nur eines zu sagen - diese drei Worte, die alle schlechte Kunst, die dümmsten Popsongs und Filme, die verführerischsten Lügen irgendwie niemals entwerten können. Ich liebe dich. Sie sagte es immer und immer wieder, bevor die Leitung zusammenbrach. Und dasselbe sprachen sie alle in ihre Handys, aus den entführten Flugzeugen und den brennenden Türmen. Es gibt nur Liebe und dann Auslöschung. Liebe war das einzige, was sie dem Haß ihrer Mörder entgegensetzen konnten.
Die Welt v. 26.9.01

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