VISION 20004/2010
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Einleitung

Artikel drucken (Christof Gaspari)

Es gibt Worte, die kommen einfach nicht gut an: Reue, Gewissenserforschung, Umkehr und – ganz schlimm: Buße. Aus dem weltlichen Sprachschatz sind sie weitgehend verschwunden, es sei denn, man erinnert die Kirche, wie jetzt im Zusammenhang mit dem Miß?brauchsskandal, mit Schadenfreude an ihre eigenen Spielregeln. Die Kirche müsse Buße tun. Große international agierende Rechtsanwaltskanzleien helfen mit lukrativen Prozessen nach, daß sie wenigstens materiell büßt.
Aber zurück zu den schwer verdaulichen, oben erwähnten Begriffen: Papst Benedikt XVI. ist in letzter Zeit mehrfach auf sie zu sprechen gekommen, gerade im Zusammenhang mit den Miß?brauchsfällen. Wir greifen dieses Anliegen auf, denn Umkehr und Buße haben auch im kirchlichen Sprachschatz nicht gerade hohen Kurswert. Es kommt nicht oft vor, daß wir in eindringlichen Predigten ermahnt werden, unser Gewissen zu erforschen.
Man hat ja der Kirche lange genug vorgeworfen, sie unterdrücke die Menschen, belade sie mit Schuldgefühlen. Damit müsse jetzt, im Zeitalter des Fortschritts Schluß sein. Das Positive, die Freude am Glauben müsse im Vordergrund stehen. Die Liebe Gottes zu den Menschen gelte es zu verkündigen, Seine Barmherzigkeit! Und das stimmt fraglos. Das Reich Gottes ist ja nahe, seit Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist.
Dennoch müssen wir uns die Frage stellen: Wie antworten wir auf diese Botschaft? Wie sehr prägt sie unser Leben? Leben wir aus der Nähe Gottes? Das sind zu allen Zeiten notwendige Anfragen. Daher ist der Appell „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15), Jesu erster Aufruf an Seine Zeitgenossen, auch heute an uns gerichtet. „Kehrt um!“ Diesen Appell wollen wir auf den folgenden Seiten von verschiedenen Blickwinkeln her beleuchten.

Christof Gaspari

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