VISION 20001/2012
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Einzigartig

Artikel drucken (Kardinal Leo Scheffczyk)

Die Einzigartigkeit Christi folgt aus seinem Gott-Mensch-Sein wie aus seiner Erlösungstat.  (…) Bezeichnenderweise behaupten die anderen Weltreligionen nicht etwas auch nur Ähnliches von ihren Stiftern. Der Gedanke an die (nur trinitarisch zu begründende) Wahrheit von der Menschwerdung ist den anderen Religionen nicht nur fremd, sondern im Sinne des heiligen Paulus oft ein „Ärgernis“ oder eine „Torheit“ (vgl. 1 Kor 1,23).
Auch der Hinduismus trifft mit seinem Glauben an eine Vielzahl von Inkarnationen nicht das christliche Geheimnis der Menschwerdung Gottes und will es gar nicht treffen. Auch Krishna ist nur eine Offenbarung des „Gottes Vishnu“ unter vielen.
So bestätigen im Grunde die Religionen selbst die Einzigartigkeit des christlichen Anspruches, auch wenn sie ihn danach strikt abweisen. Im übrigen ist in diesem Zusammenhang auch die Einzelheit beachtenswert, dass keine der Stiftergestalten der Religionen einen auch nur ähnlichen Selbstanspruch auf ein Gottsein erhoben hat. Nach dem Glauben der Kirche aber hat das der biblische Christus getan.
Hier steht das kritische Denken über Jesus von Nazaret und seinen gottheitlichen Anspruch vor einem Dilemma: Es muss den Menschen, der einen solchen Anspruch erhebt, entweder als unzurechnungsfähig betrachten, oder es muss ihn menschlich ernst nehmen, was bereits die Anbahnung des Weges zum Christusglauben bedeutet.
Kardinal Leo Scheffczyk
Aus: Entschiedener Glaube – befreiende Wahrheit, Stella Maris Verlag 2003

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