VISION 20001/2012
« zum Inhalt Christ in der Welt

An vielen Orten ist Verwirrung eingezogen

Artikel drucken Über falsch verstandene Toleranz gegenüber nichtchristlichen Praktiken (Von P. Clemens Pilar COp)

Wer Veranstaltungsprogramme von Pfarren oder katholischen Bildungshäusern über­fliegt, staunt, wieviel Esoterisches da angeboten wird. Vor solcher Vermischung warnt jedenfalls schon die Offenbarung im Neuen Testament.


Im letzten Jahr waren wir für eine Woche auf Missionseinsatz in Lettland. In Riga wurde ich vom Spiritual des Priesterseminars eingeladen, an einer Gesprächsrunde mit dem Kardinal teilzunehmen, da man gerade mit einem Problem zu kämpfen hatte. Da ich im Fachbereich Esoterik bewandert bin, könne ich eventuell zur Klärung einer schwierigen Situation beitragen, meinte der Spiritual.
In Riga war seit kurzem eine Organisation zur Verbreitung und Lehre der christlichen Meditation tätig. Doch es zeigte sich, dass der Lehrer zugleich an anderen Orten Kurse für Qi Gong und Feng Shui abhielt. Obwohl dieser Lehrer versprach, diese fernöstlichen Ideen aus seinen Kursen zur christlichen Meditation herauszuhalten und für die Christen in seinen Kursen nur reine christliche Lehre zu bringen, war man damit nicht zufrieden.
Da zufällig zur gleichen Zeit, als wir in Lettland waren, auch der internationale Leiter jener Bewegung für die christliche Meditation Riga besuchte, wurde ein Runder Tisch mit ihm, dem Kardinal und einigen Verantwortlichen der Diözese einberufen. „Sie müssen schon verstehen“, sagte der Kardinal zur Einleitung, „man kann nicht Yoga betreiben und gleichzeitig den Dienst am Altar ausüben.“
Zum anstehenden Problem erklärte er: „Sie müssen wissen, wir hatten jahrzehntelang den Kommunismus in unserem Land. Den meisten Christen fehlt noch jede grundlegende Katechese. Wir müssen die Lehre sehr einfach und klar bringen. Wir müssen den Weg zu Jesus zeigen. Allein die Tatsache, dass da ein Lehrer einerseits christliche Meditation und andererseits Qi Gong und Feng Shui unterrichtet, erzeugt den Eindruck, beides passe zusammen. So entsteht Verwirrung.“
Ich war erstaunt, eine so klare und entschiedene Haltung zu finden. Der 84jährige Kardinal, der die Verfolgung unter den Kommunisten miterlebt hatte, wusste nur zu gut um die Mächte der Verführung und der Verwirrung. Schließlich versprach der Leiter dieser Organisation, den Lehrer in Riga durch einen anderen zu ersetzen. Ich habe mich gefreut und war gleichzeitig erstaunt, mit welcher Klarheit dieser Hirte seiner Herde voranging und dass er es auch nicht dulden wollte, dass der Sauerteig der Verwirrung in seiner Diözese Einzug halten konnte.
Blenden wir nun 2000 Jahre zurück. Die Probleme, die sich in Lettland gerade zeigten, sind nicht neu, sondern tauchen in unterschiedlicher Form immer wieder auf. Das Sendschreiben an die Gemeinde von Pergamon (Offb 2, 12-17) hat somit heute nichts an Aktualität verloren, auch wenn sich die Umstände etwas verändert haben.
Die Gemeinde von Pergamon wird zunächst gelobt, weil sie in schwieriger Zeit und unter Verfolgung den Glauben nicht verleugnet und am Namen Gottes festgehalten hat (vgl. Offb 2, 13). Doch dann folgt auch ein Tadel: „Aber ich habe etwas gegen dich: Bei dir gibt es Leute, die an der Lehre Bileams festhalten; Bileam lehrte Balak, er solle die Israeliten dazu verführen, Fleisch zu essen, das den Götzen geweiht war, und Unzucht zu treiben. So gibt es auch bei dir Leute, die an der Lehre der Nikolaiten festhalten. Kehr nun um! Sonst komme ich bald und werde sie mit dem Schwert aus meinem Mund bekämpfen“ (Offb 2, 14-16).
Mitten in der christlichen Gemeinde sind somit einige, die es – wie man heute sagen würde – „nicht so eng sehen“. Wir wissen heute nicht mehr genau, was die Lehre Bileams war, wir haben nur die wenigen Anhaltspunkte, die uns dieser kurze Abschnitt aus der Offenbarung des Johannes bietet. Doch das ist eigentlich genug, um zu verstehen, worum es geht. Wer bewusst Götzenopferfleisch genießt, tut das, um sich mit den Kräften dieser Mächte zu verbinden.
Die wichtigste Frage, die dabei im Vordergrund steht, lautet: Was bringt es mir? Und ähnlich, wie das heute viele Christen tun, wenn sie sich heidnischen Praktiken öffnen, sagen sie: Wenn es mir gut tut, wenn ich mich gut dabei fühle, dann kann ich das machen. Aber die Bibel kennt keine Schönfärberei. Sie nennt solches Tun Unzucht oder Hurerei. Wer getauft ist und sich doch wieder, aus irgendwelchen Gründen, auf die Götzen einlässt, der hurt im geistlichen Sinne.
Warum lässt Gott das nicht zu? Muss nicht heute alles nebeneinander Platz haben? Kann man nicht die verschiedensten Dinge zum Vorteil miteinander verbinden? Das Positive behält man, das andere scheidet man aus. Aber der Gemeinde von Pergamon wird gesagt: „Kehr nun um!“, das heißt: Kehr jetzt, kehr sofort um! Warum ist Gott so wenig „tolerant“?
Eigentlich können wir aus der heutigen Perspektive recht gut verstehen, warum der Umkehrruf an Pergamon in dieser Dringlichkeit ergeht: Wird nämlich der Sauerteig der Lüge toleriert und lässt man ihn bestehen, dann wird nach und nach die ganze Gemeinde vergiftet. Das alles geht still, schleichend und doch so mächtig vor sich. In den letzten 40 Jahren haben wir erlebt, wie in vielen Gemeinden die Nebel der Verwirrung aufgezogen sind. Zu lange hat man die Vermischung und Verwischung des Glaubensgutes hingenommen. Eine falsch verstandene Toleranz hat die Türen für Götzen der unterschiedlichsten Art weit geöffnet.
Nach und nach wurde immer mehr Christen der Blick auf das Geheimnis des Glaubens genommen. So gibt es nun viele, die sich noch Christen nennen, aber Christus wurde längst aus ihren Herzen gerissen. Sie glauben nicht mehr daran, dass Jesus Christus der Erlöser ist und dass der Mensch nur durch Ihn zum Vater gelangen kann. Sie sagen dann: Gott ja, aber Jesus brauche ich nicht. Sie glauben nicht mehr an die Auferstehung, sondern an die Reinkarnation. Viele glauben auch gar nicht mehr an einen personalen Gott, sondern an eine unpersönliche Kraft des Universums. Und viele sagen, es sei letztendlich gleichgültig, was man glaubt, alle Religionen haben ihr Gutes. Hauptsache sei, dass es sich für einen selbst  gut anfühlt. Der Relativismus hat längst Einzug gehalten in viele kirchliche Kreise.
Im Alten Testament sagt Gott von sich selbst, dass er ein eifersüchtiger Gott ist und dass er es nicht duldet, wenn neben ihm andere Götter angebetet werden (vgl. Ex 20, 5). Dabei geht es Gott nicht um die Ehre der Menschen, sondern um deren Heil! Es ist nicht egal, was oder wen der Mensch anbetet. Es ist nicht egal, auf welche Kräfte der Mensch baut und vertraut. Nicht alle religiösen Wege führen zum gleichen Ziel und nicht alle diese Wege sind wirklich für den Menschen gut. Gott ist ein eifersüchtiger Gott, weil Er mit Eifer sucht und tut, was den Menschen rettet.
In Jesus Christus wird uns gezeigt, wozu dieser eifersüchtige Gott fähig ist. Er wird Mensch und geht sogar in den Tod, um den Menschen zu retten. Und Jesus sagt von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6). Jesus zeigt keinen Weg zum Leben, Er ist der Weg. Jesus lehrt nicht irgendeine Ideologie, Er ist die Wahrheit. Und Er gibt nicht irgendwelche Kräfte, die Leben schenken, Er ist vielmehr das Leben. Deshalb wird jeder Weg, der an Jesus vorbeiführt, am Leben vorbeiführen.
Gott meint es also ernst! Immerhin geht es um das Leben. Es geht nicht nur um das Leben der Getauften, die in Gefahr sind, sich von Jesus zu entfernen. Es geht auch um die Vielen, die jetzt Jesus noch nicht kennen. Wenn die christliche Gemeinde kein klares Zeugnis mehr für Christus ablegt, sondern ein Tummelplatz für Yogis, Reiki-Meister und Qi-Gong-Turner ist, wie sollen die Suchenden zur Quelle finden?
Es ist in unserer individualistischen Gesellschaft wahrscheinlich schon einige Denkarbeit notwendig, um zu begreifen, dass es in dieser Frage nicht nur „um mich“ geht, sondern um die Vielen, für die jeder Christ Zeuge sein soll.
Der Umkehrruf an die Gemeinde von Pergamon ist dringend, genauso dringend wie heute die Umkehr zu einem klaren Christusbekenntnis. In einer Zeit, wo viele Menschen – wie es ein deutscher Bischof vor einigen Jahren schon gesagt hat – bis zur Verzweiflung verwirrt sind, braucht es jene, die Christus treu bleiben und die den Sauerteig der Lüge und des Götzendienstes nicht dulden.
Die Umkehr beginnt immer im eigenen Herzen. Sie beginnt damit, dass man selber den Kompromiss nicht mehr länger hinnimmt. Sie beginnt damit, dass man sich neu entscheidet, an der Quelle des lebendigen Wassers – das ist Jesus – zu trinken und allen Götzen und Göttern, die heute so groß in Mode sind, abzusagen. Nur jene, die sich kompromisslos und ganz für Jesus entscheiden, werden in wirrer Zeit Halt finden und in allen Bedrängnissen standhalten. Und nur diese werden selber für andere Licht und Wegweiser zum Leben sein.

P. Clemens ist Autor des Buches: Yoga, Astro, Globuli. Christlicher Glaube & Alltags-Esoterik, Augsburg 2009, Verlag Sankt Ulrich

© 1999-2020 Vision2000 | Sitz: Beatrixgasse 14a/12, 1030 Wien | Mail: vision2000@aon.at | Tel: +43 (0) 1 586 94 11