VISION 20006/2014
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Zeitgeschehen

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Freispruch für Femen
Am Freispruch für Femen vom 10. September für ihre Aktion im Februar 2013 in der Kathedrale von Notre Dame schockiert am meisten, die schamlose Umdeutung des Geschehens, dem die Entscheidung zugrunde liegt. Zunächst, wenn es um die Bewertung der Fakten geht. Die neun Femen-Frauen werden freigesprochen, weil es nicht erwiesen sei, dass eine der Glocken in der Kirche beschädigt worden sei. Als wäre dies der entscheidende Tatbestand gewesen, als die Frauen oben ohne in der Kirche Schimpftiraden auf Benedikt XVI. und das Papsttum losließen: Damit haben sie die Heiligkeit des Ortes verletzt. Die drei Mitglieder des Ordnungsdienstes jedoch, die sie aus der Kathedrale hinausgeworfen hatten, haben für Gewaltanwendung bedingte Geldstrafen kassiert. Als wäre dieser Hinauswurf aus einem heiligen Ort nicht ein Akt der legitimen Verteidigung gegen diese Furien.
Famille Chrétienne v. 20.-26.9.14
Es gilt, zur Kenntnis zu nehmen: Auch die Justiz verneigt sich vor dem Zeitgeist – nicht nur in Frankreich.

Rückzieher in Sachen Abtreibung
Übler als die konservative Regierungspartei kann man mit Wäh­lern kaum. umspringen. Aus taktischen Überlegungen hat Ministerpräsident Rajoy ein Wahlversprechen gebrochen und (…) die geplante Reform des Abtreibungsgesetzes zurückgezogen. In der Geschichte der spanischen Demokratie gibt es keine vergleichbare180-Grad-Wende einer Regierung. Die Verbesserung des Lebensschutzes galt als eine der Säulen des Wahlprogramms des Partido Popular. Eine Regierungspartei, die 44% der Stimmen einstreicht und sich dann über eine ihrer gewichtigsten Zusagen hinwegsetzt, braucht keine Feinde mehr, sondern ist selbst der zuverlässigste Garant für Politikverdrossenheit.
Die Tagespost v. 25.9.14
Das ist eine der Tragödien unserer Zeit: Es gibt keine wirklich konservativen Parteien mehr. Alles orientiert sich am Zeitgeist – auch die Ethikräte:

Inzest legalisieren?
Einvernehmlicher Inzest unter erwachsenen Geschwistern soll nach einer Empfehlung des Ethik­rates künftig nicht mehr unter Strafe stehen. Das Strafrecht sei nicht das geeignete Mittel, „ein gesellschaftliches Tabu zu bewahren“, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier. Deshalb sollte der Gesetzgeber den entsprechenden Strafrechtsparagrafen (§ 173 StGB) streichen. Er sieht für Beischlaf zwischen Geschwistern bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe vor. (…) In dem mit Mehrheit im Ethikrat verabschiedeten Papier heißt es, das Strafrecht habe nicht die Aufgabe, „für den Geschlechtsverkehr mündiger Bürger moralische Standards oder Grenzen durchzusetzen, sondern den Einzelnen vor Schädigungen und groben Belästigungen und die Sozialordnung der Gemeinschaft vor Störungen zu schützen (…) Das Grund­recht der erwachsenen Geschwister auf sexuelle Selbstbestimmung ist in diesen Fällen stärker zu gewichten als das abstrakte Schutzgut der Familie. (…)
Die Tagespost v. 25.9.14
Familie: kein Schutzgut, wohl aber Sex in allen Lebenslagen! Und: Was spräche dann gegen das Verlangen von Vätern nach ihren Töchtern? Außerdem: Wonach sollen sich glaubenslose Menschen künftig richten? Denn das Recht gibt auch Orientierung und wo immer rechtlicher Schutz wegfällt, kommt es zu Dammbrüchen: siehe Scheidung, Abtreibung, Euthanasie… Beispiel gefällig? Die Niederlande:

Euthanasie am
laufenden Band
In den Niederlanden gerät die aktive Sterbehilfe außer Kontrolle. Im vorigen Jahr haben Ärzte 4.829 Fälle gemeldet; das waren 15% mehr als 2012. Demenz wurde in 97 Fällen als Grund angegeben, das waren etwa doppelt so viele wie im Vorjahr. Diese Patienten befanden sich in der Regel in einem frühen Stadium der Erkrankung, als sie noch einwilligungsfähig waren. Die Zahl der psychisch Kranken, die durch eine Injektion auf eigenen Wunsch getötet wurden, verdreifachte sich auf 42. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Jahresstatistik der Regionalen Prüfungskommission für Sterbehilfe hervor. (…) Der Vorsitzende der niederländischen Regulierungsbehörde, Prof. Theo Boer (Groningen), erwartet, dass die Zahl der Sterbehilfefälle in diesem Jahr die Marke 6.000 erreicht oder überschreitet. In den Niederlanden wurde Euthanasie im Jahr 2001 unter strengen Auflagen legalisiert. Wie Boer jetzt sagte, haben er und einige Kollegen damals angenommen, dass die Kontrollmechanismen ausreichten. Doch sie hätten sich geirrt. Die Legalisierung habe auf eine schiefe Bahn geführt, wie die ansteigenden Zahlen zeigten.
Kath.net v. 10.10.14

Familie ist in
Die Familie gewinnt für die Österreicher wieder an Bedeutung: Dass sie zum Lebensglück gehört, glauben mehr als zwei Drittel – und damit fast so viele wie in den 1980er-Jahren. Das geht aus der Ersten österreichischen Familien- und Wertestudie hervor, die am Mittwoch in Linz präsentiert und von IMAS (…) erstellt worden ist. Das Meinungsforschungsinstitut hat im Juli 1.010 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählte Personen befragt. Dabei erklärten 68%, dass man heutzutage eine Familie braucht, um wirklich glücklich zu sein. Lediglich 18%gaben an, dass sie das alleine genauso sind. (…) 42% bezeichneten den Zusammenhalt in der Familie in der aktuellen Erhebung als „sehr stark“ und 37% als „ziemlich stark“. (…) 47% sind der Meinung, dass zur idealen Familiengröße zwei Kinder gehören. 15% antworten mit einem Sprössling, 10% mit drei, 2% mit vier und 1% mit fünf oder mehr. Nach Ansicht von 9% braucht man kein Kind.
Kurier v. 1.10.14
Die Sehnsucht nach Geborgenheit in der Familie lässt sich eben nicht ausrotten. Gott sei Dank formiert sich öffentlicher Widerstand gegen ihre gezielte Demontage – in Frankreich, wo Demonstrationen Tradition haben:

Demonstration gegen Familienzerstörung
An diesem Sonntag ist die 6. „Manif pour tous“ zu Ende gegangen. Wieder einmal haben sich nach Angaben der Veranstalter 500.000 Menschen (70.000 nach Angaben der Polizei) in den Straßen von Paris und 30.000 in Bordeaux versammelt. Protestiert wurde vor allem gegen die Leihmutterschaft und die zerstörerischen Maßnahmen der Familienpolitik der Regierung. (…) Albéric Dumont, Koordinator der „Manif“ freut sich über die Tatsache, dass eine Anfang Oktober veröffentlichte IFOP-Befragung folgendes ergab: „Trotz der medialen Dauerberieselung sympathisiert ein Drittel der französischen Bevölkerung mit den Anliegen der ,Manif’.“
Famille Chrétienne online v. 5.10.14

Beruf & Familie:
schwer vereinbar
Der Alltag moderner Familien ist oft genug ein Kraftakt. Es wird gefeilscht und gestritten, verteilt und verhandelt wie sonst nur auf dem Basar: Wer macht was, wie, wann? Beim Frühstück erfahren dann die Kinder, wie die Woche läuft. Auch wir haben lange geglaubt: Das muss so sein. Wer will, der kann auch. Alles eine Frage der Organisation. Unvorhergesehenes durfte allerdings nicht passieren. Plötzlich auftretendes Fieber, nächtliche Magen-Darm-Infekte oder ein gebrochener Arm führten bei uns direkt in die Orga-Katastrophe. Da wurde hektisch telefoniert und oft genug nachts an der Badezimmertür gestritten, wer morgen die wichtigeren Termine hat.
Was wir uns dabei nur selten gefragt haben: Wie geht es eigentlich unseren Kindern dabei? Sind sie damit einverstanden, immer funktionieren zu müssen? Fühlen sie sich wohl damit, während der Grippe die Babysitterin bei sich zu haben, weil Mama und Papa wieder Wichtigeres zu tun haben? Über ihre Bedürfnisse wird bei der ganzen Vereinbarkeitsdebatte selten gesprochen. Als wäre es selbstverständlich, dass Kinder genau wie Erwachsene zu funktionieren haben. Wir geben ihnen häufig einen Takt vor, der eigentlich unserer ist, und vergessen dabei, was sie wirklich brauchen: Zeit, Muße und eine sichere Bindung, um das Leben in seiner ganzen Vielfalt kennen und begreifen zu lernen. (…) Dabei wäre Ehrlichkeit schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Geben wir doch endlich zu, dass in den meisten Fällen entweder der Beruf oder die Familie leidet, wenn wir versuchen, beides gleichzeitig zu leben.
Susanne Garsoffky & Britta Sembach in Die Zeit-online v. 2.10.14
Wenn zwei erfolgreiche Journalistinnen ein Buch über das Thema schreiben (Die alles ist möglich-Lüge, Pantheon-Verlag), dem in Die Zeit viel Platz eingeräumt wird, und die Arbeitslosenzahlen weiter steigen, gerät das Dogma „Frauen sind nur im Beruf glücklich“ vielleicht doch ins Wanken.

Banken – Betrug
im großen Stil
Das Geld jagt in einer endlosen Schleife zwischen Asien, Europa und Amerika um den Erdball. Eine gewaltige Menge Geld. Der Devisenhandel ist das größte Segment des Finanzmarkts. Auf rund 5,3 Billionen Dollar schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich den Tagesumsatz. Eine Summe anderthalbmal so groß wie die Wirtschaftsleistung Deutschlands in einem ganzen Jahr. Umso schlimmer ist der Verdacht: Rund um den Globus ermitteln Finanzmarktaufseher gegen zahlreiche internationale Banken, die diesen Blutkreislauf der Globalisierung über Jahre hinweg manipuliert haben sollen. Zum Kreis der Verdächtigen zählt auch die Deutsche Bank. (…)Nur fünf Institute kontrollieren rund 60% des Handels. Die Vorwürfe zielten „ins Herz der Integrität der Märkte“, sagte im Frühjahr der britische Zentralbankgouverneur Mark Carney. Jetzt naht der Tag der Abrechnung. Analysten erwarten, dass eine Reihe von Instituten – darunter auch die Deutsche Bank – bis Jahres­ende einen Vergleich schließen und dabei milliardenschwere Strafen akzeptieren werden.
FAZ online 10.10.14
Erstaunlich, dass da die Banker nicht persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. Mit Eltern, die ihre Kinder schützen wollen, ist man da weniger zimperlich:


Marsch in den Knast
In Nordrhein-Westfalen wird in den nächsten Tagen eine Mehrfach-Mutter in Erzwingungshaft genommen. Die Behörden wollen so die Zahlung eines Bußgeldes durchsetzen. Bußgeld für was? Der zwölfjährige Sohn wollte nicht am Sexualkundeunterricht teilnehmen. Dass die Frau derzeit einen Säugling stillt, stört das Amt auch nicht: Das Urteil ist gefällt. (…)
Der Junge hatte die Eltern und die Lehrer seiner Schule in Salzkotten gebeten, dem Sexualkundeunterricht fernbleiben zu dürfen. Der Aufklärungsstoff war ihm einfach zu viel. Die Eltern gaben ihre Erlaubnis, doch weder die Lehrer noch der Rektor zeigten Verständnis. So wurden Staatsanwaltschaft und Gericht eingeschaltet, die zuständigen Richter beharrten auf dem Bußgeld, jetzt geht die Frau in den Knast. (…)Schon mehrmals wurden Väter oder Mütter eingesperrt, weil sie die Kinder nicht zur Sexaufklärung schickten, jedes Mal trafen sie die Entscheidung aus moralisch-sittlichen Gründen. Bei Zahlung des Bußgeldes würden sie ja in das System einwilligen, das sie in Wahrheit ablehnen. Bis zu sechs Wochen dauerten die Gefängnisaufenthalte der Mütter oder Väter deswegen schon. .
http://deutschelobby.com/2014/09/21/wer-sein-kind-liebt-geht-in-den-knast-von-eva-herman/

Feste Anstellungen bald ein Luxus
Die Zahl an außerhalb der klassischen Unternehmen arbeitenden Crowdworker (nimmt) zu, also an Menschen, die ihre Arbeitsleistung über Internetplattformen erbringen. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür liefert die Autoindustrie. Der amerikanische Kleinserienspezialist „Local Motors“ beschäftigt nur 100 Festangestellte. Ihnen stehen 40.000 externe Entwickler gegenüber, die für das Unternehmen arbeiten. (…) Ein Beispiel, wie die Arbeitskosten in der digitalisierten Welt im Zaum gehalten werden, liefert wiederum IBM. Der IT-Konzern führte für seine Abteilung Anwendungsentwicklung ein Tool namens „Liquid“ ein. Damit werden Projekte in kleine Arbeitseinheiten aufgeteilt – und anschließend weltweit an die am wenigsten verlangenden Programmierer vergeben, sowohl konzernintern als auch an Freelancer.
Die Folge: Hochqualifizierte in aller Welt stehen im direkten Wettbewerb zueinander.
Der Internetkonzern „Amazon“ hat einen Marktplatz für Gelegenheitsarbeiten namens Mechanical Turk eingeführt, auf dem die „Mechanical Turker“ gerade einmal 1,25 Dollar in der Stunde verdienen. 60% der digitalen Fließbandarbeiter geben an, dass ihre Arbeit auf der Plattform ihre einzige Einkommensquelle ist.
FAZ v. 22.9.14
Wem werden die Großkonzerne auf lange Sicht ihre Produkte verkaufen können, wenn sie die Entlohnung ihrer Mitarbeiter auf das Existenzminimum herunterschrauben?

Sprache heute – natürlich politisch korrekt
Die Sprachregulierung treibt seltsame, zuweilen auch bizarre Blüten. Da darf Pippi Lang­strumpf ihren Vater nicht mehr „Negerkönig“ nennen, wie sie das jahrzehntelang getan hat, sondern muss vom „Südseekönig“ sprechen. Zu groß war für den Verlag offensichtlich die Angst vor Rassismusvorwürfen; da musste der Kinderbuch-Klassiker eilig an die Sprachentwicklung angepasst werden.
Ähnlichen „Säuberungsaktionen“ fielen schon die Zehn kleinen Negerlein von Agatha Christie zum Opfer, die hierzulande nur noch unter dem Titel Und dann gabs keines mehr erscheinen dürfen. Auch der Comic Tim und Struppi im Kongo geriet wegen angeblich kolonialistischer Tendenzen unter Rassismusverdacht, ebenso der Struwwelpeter, weil dort vom „Mohrenkind“ die Rede ist.
(…) Und die allgegenwärtige Korrektheit macht selbst vor der Heiligen Schrift nicht halt. Ein Kreis aus Theologen und Sprachwissenschaftlern präsentierte vor einiger Zeit nach mehrjähriger Arbeit die Bibel in gerechter Sprache. In dieser Neu­übersetzung der Texte aus dem Hebräischen und Griechischen gelten korrekte Sprachregelungen offenbar mehr als Theologie. Da kommt die Frohe Botschaft abwechselnd von „Gott“ oder „Göttin“, mal ist von dem, mal von der Höchsten die Rede. Dass Jesus nicht mehr der „Sohn“, sondern das „Kind“ Gottes ist, gehört da noch zu den harmloseren Verhunzungen.
Focus online v. 2.10.14
Auch im Gotteslob werden die Texte der Lieder gender-gerecht umgedichtet…

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