VISION 20005/2015
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Kanu-Wallfahrt am Chiemsee

Artikel drucken Unterwegs wie einst Karol Wojtyla (Bernhard Maria Werner)

Von welchem späteren Bischof heißt es: „(Da) … setzte sich der 33-jährige Priester in Nowa Brda zum ersten Mal ins Falt­boot, um gemeinsam mit Freun­den nach Bydgoszcz zu fahren. Seitdem ließ ihn das Paddeln nicht mehr los und trieb ihn fast jeden Sommer aufs Wasser…“?

Nein, es ist nicht von unserm Erzbischof die Rede, sondern von Karol Wojtyla. Aber auch Erzbischof Franz Lackner saß das erste Mal in einem Kajak, nämlich bei einer der Kanuwallfahrten zur seligen Irmengard auf Frauenchiemsee.
Wie kam es zur Idee der Kanuwallfahrten zur seligen Irmengard (+866)? Die Selige hatte eine mütterliche Liebe zu den Armen. Sie war zu Lebzeiten oft von der Insel aus zu den Bedürftigen gepaddelt. Und wir sind nun – umgekehrt – als Bedürftige zu ihr unterwegs zur Fraueninsel, um gemeinsam mit ihr bei der Heiligen Messe unsere Bedürfnisse und „Bitten mit Dank vor Gott zu bringen“ (vgl. Phil 4,6).
Selbst wenn im Winter der Schiffsverkehr eingestellt war, paddelte sie mit dem Einbaum – dem „Urseekajak“. Heute erleben wir winterliche Bedingungen für die Familien. Darum rufen wir die selige Irmengard an, die schon viel Segen für die Familien erbeten hat.
Im Einsatz für die Familien vereint uns das Gebet auch mit dem des heiligen Papstes Johannes Paul II.: Nicht etwa Paddelsport, sondern sein großes Anliegen bezüglich der Familien, der verantworteten Elternschaft und sein Segen für eine neue Kultur der Liebe sind es, die uns hier mit ihm verbinden.
Wir starteten von Rimsting aus nach einer kurzen Einweisung von Peter Moysey, unserem „seekayak-guide“ und dem Segen des Erzbischofs. 6,5 km über das bayrische Meer zur Fraueninsel waren zu paddeln. Ein herrliches Panorama bot sich dar, als wir entlang glitten an herrlichen Naturschutzgebieten, mit Wattvögeln und Schilfinselchen, und ich dachte: so ein Lobpreis der Natur, die allein durch ihre Existenz den Schöpfer preist – irgendwann wird er auf die Wallfahrer übergehen. An besonders markanten Punkten, hieß es: „Alle Boote zusammen!“ Und bevor Peter seine nächsten Anweisungen geben konnte, kam das Lied: „Wir sind hier zusammen in Jesu Namen, um dich zu loben, o Herr“.
Mit Lobpreis und Dank sollten die Gebete und Bitten von Eltern und Familien vor Gott getragen werden.
Bei einer Rast auf der Herreninsel gab es einen „Terz-Lobpreis“. Ein Lobpreisteam und eine im Faltboot verstaute Gitarre halfen mit. Auf der Fraueninsel angekommen, trafen wir auf die übrigen Wallfahrer, um mit ihnen eine bewegende heilige Messe zu feiern. Am Fest des hl. Laurentius (oft dargestellt mit dem Grill), predigte der Erzbischof von der Läuterung durch die Lebensgemeinschaft, in der wir stehen und vom Heiligwerden in Schlichtheit. Es seien die unscheinbaren Dinge, die wir im Alltag mit Liebe erfüllen, die uns selbst und andere Gott näher bringen. Er sei schon ganz nahe dran gewesen, meinte der Erzbischof scherzhaft, doch dann seien Dinge dazwischen gekommen, wie die Bischofernennung….
Bei den Wallfahrten am 10. und am 17. August vereinte uns der innige Kinderwunsch vieler Ehepaare zum gemeinsamen Gebet. Bei dieser zweiten Wallfahrt am 17. August paddelten erneut immerhin noch 11 Kanuten – bei Superstimmung trotz des Regenwetters – zur seligen Irmengard, um wieder im gemeinsamen Gebet für die Erfüllung des Kinderwunsches vieler Ehepaare zu bitten. Diesmal sollte ich selbst der hl. Messe vorstehen, da Weihbischof Dr. Andreas Laun leider absagen musste.
Bei der Predigt meinte ich, die Zeugnisse der Gebetserhörungen und die geistige Anwesenheit des Familienpapstes stimmten so zuversichtlich, dass ich damit rechnete, nächstes Jahr weitere Votivtäfelchen in der Apsis des Münsters „Mariæ Opferung“ sichten zu können – als Dank an Gott, für die erbetenen Kinder.
Nach der Predigt entzündete sich ein inniges Fürbittgebet und es stimmten viele Teilnehmer der Wallfahrtsmesse mit ein.
Nach dem Höhepunkt der Wallfahrt: das Mittagessen.
Beim Zurückpaddeln genossen wir noch – wenn auch bei leichtem Regen - die schöne Panoramastrecke. Geistlich gestärkt, nur vom Paddeln müde, kamen wir etwa gegen 16 Uhr wiederum am Rimstinger Strand an, wo Kaffee und Kuchen auf uns warteten.

Der Autor ist Pfarrer in Langkampfen, im Tiroler Teil der Erzdiözese Salburg.

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