VISION 20005/2015
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Im Dienst der Engel

Artikel drucken Über einen „sinnvollen“ Wespenstich (Horst Obereder)

Es ist ein Geheimnis, dass unser Beten und Tun nie Privatsache ist, sondern immer Auswirkungen auf die ganze Kirche hat. Geistigerweise sind wir mit allem verbunden, was Kirche ist – im Himmel und auf Erden. Auch die Schutzengel kommunizieren miteinander und versuchen, das Beste für ihre Schützlinge zu erreichen. Ein Beispiel dafür habe ich in diesem Sommer erfahren.

Zu unserem Hochzeitstag wollte ich meine Frau heuer mit einer Fahrt zu der Landesgartenausstellung in Bad Ischl überraschen. Die Überraschung gelang! Wir besichtigten als Erstes die Gärten der Kaiservilla. Da uns die Hitze zusetzte, suchten wir eine Abkühlung in einem Gastgarten. Ich bestellte eine Salatschüssel und ein kleines Bier. Ich hatte noch Salat im Mund, als ich ein wenig Bier trank. Was ich nicht bemerkte: Im Bierschaum war eine Wespe versteckt. Als ich zubiss, stach sie mich in die Zunge. Ein Glück, denn so kam sie  nicht in den Schlund, um mich womöglich dort zu stechen. Ich habe Salat und Wespe ausgespuckt und meiner Frau gesagt, was passiert war.
Ohne auch nur ein wenig zu zögern, verständigte sie den Notarzt und organisierte Eis für die Zunge. Die Rettung kam bald. Gott sei Dank war es nicht so dramatisch, wie es zunächst aussah. Die Männer rieten uns aber, zur Überwachung ins Spital zu fahren. So endete der Mittags­tisch des Hochzeitstages nicht bei Kaffee und Kuchen, sondern im Spitalsbett mit einer Cortison-Infusion.
Nun lag ich am Hochzeitstag im Spital. Oh mein Schutzengel, wo warst Du heute? Hast du geschlafen oder war dir auch zu heiß? Es ist ja nicht romantisch, am Hochzeitstag an der Infusionsnadel zu hängen. Lieber Gott, warum? Aber dann dachte ich, das muss doch einen Sinn haben! Es gibt für Christen keine blinden Zufälle.
Ich lag in einem Zweibettzimmer. Mein Nachbar war still und in sich gekehrt, sehr abgemagert und den Krankenschwestern offenbar gut bekannt. Es schien mir, dass sie ihn schon gut behandeln wollten, aber mit dem Mann Schwierigkeiten hatten. Kurz dachte ich, ob das vielleicht ein stadtbekannter „Sandler“ wäre. So habe ich vorsichtig versucht, meinem Zimmergenossen näher zu kommen und fragte, warum er hier sei.
Da erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass neben mir ein pensionierter Gendarm lag. Seit drei Jahren sei er Witwer, habe Krebs und lasse sich nicht operieren, denn: „Ich bin schon alt und irgendwann ist das Leben aus.“  
Ich nahm mir vor, ihm beim Abschied eine wundertätige Medaille zu geben, erkundigte mich vorsichtig nach seinem Glauben: „Evangelisch!“ Also kommt die wundertätige Medaille wohl nicht gut an. Was nun?
Vom Glauben, das fand ich bald heraus, hielt er nicht viel. So sprachen wir ein wenig über seine Zeit als Gendarm. Mir kam dabei zugute, dass mein Vater Polizist und wie er bei der Funkstreife tätig war.  Immer wieder aber kam mir in den Sinn, ich sollte diesem armen Menschen etwas mitgeben, etwas, das nach meinem Weggehen bleiben würde. Zunächst konnte ich nur beten. Mein Bettnachbar war jetzt mein Nächster, den ich so lieben sollte und wollte wie mich selbst.
Es kam der nächste Morgen. Meine Zunge war abgeschwollen. Mir wurde mitgeteilt, ich könne das Spital verlassen. Vor langer Zeit habe ich nach der Lektüre des Buches Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers versucht, mich mit dem „Jesus-Gebet“ vertraut zu machen. Ich erfand dabei meine eigene Version und übte das Stoßgebet ein: „Jesus, erbarme dich!“. Das begleitet mich nun schon viele Jahre Tag und Nacht.
Als ich mich nun von meinem Bettnachbarn verabschiedete, kam mir spontan dieses Gebet in den Sinn. So sagte ich zu meinem neuen Freund: „Ich wünsche Ihnen alles Gute! Es wäre schön, wenn Sie hin und wieder beten könnten: ‚Jesus, erbarme dich!‘“ Ich hatte das kaum ausgesprochen, als er zu meiner großen Überraschung sagte: „Ja, das tue ich! Das verspreche ich Ihnen!“
Nun hoffe ich sehr, dass dieser todkranke Mann dieses kurze Gebet auch wirklich betet und so das Erbarmen Gottes in Anspruch nehmen kann.
So hat mein Krankenhausaufenthalt wirklich einen Sinn gehabt. Vielleicht war der Wespenstich die einfachste Möglichkeit, an die Seele dieses Mannes zu kommen. Und die Engel – sein und mein Schutzengel –, haben alle äußeren Umstände so gelenkt, dass diese Begegnung möglich wurde. Ich war dabei nur Mittler für eine heilbringende Botschaft und stand, so könnte man sagen „im Dienst der Engel“.

Dieser Artikel ist ein etwas erweitertes Kapitel aus dem neuen Büchlein: Ich glaube, es war mein Engel. Horst Obereder schildert darin auf 104 Seiten seine Erfahrungen mit dem Schutzengel. Mediatrix-Verlag.

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