VISION 20003/2016
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Spiegel der Liebe Gottes

Artikel drucken Worte des Papstes über die Ehe

Der Hymnus des heiligen Paulus, den wir durchgegangen sind, gibt uns die Möglichkeit,  uns nun der vollkommenen Liebe (caritas) in der Ehe zu widmen. Es ist die Liebe, welche – geheiligt, bereichert und erleuchtet durch die Gnade des Ehesakramentes – die Eheleute vereint. Es ist eine „affektive“, geistige und oblative, „schenkende“ Vereinigung, die aber auch die Zärtlichkeit der Freundschaft und die erotische Leidenschaft umfasst, obschon sie fähig ist weiterzubestehen, auch wenn die Gefühle und die Leidenschaft schwächer werden. Papst Pius XI. lehrte, dass diese Liebe alle Pflichten des Ehelebens durchdringt und „sozusagen eine besondere Würde und Vorrangstellung einnimmt“.
Denn diese starke, durch den Heiligen Geist ausgegossene Liebe ist ein Abglanz des unerschütterlichen Bundes zwischen Christus und der Menschheit, der in der Hingabe bis zum Ende am Kreuz gipfelte: „Der Geist, den der Herr ausgießt, macht das Herz neu und befähigt Mann und Frau, einander zu lieben, wie Christus uns geliebt hat. Die eheliche Liebe erreicht dadurch jene Fülle, auf die sie von innen her ausgerichtet ist, die übernatürliche Gattenliebe.“
Die Ehe ist ein kostbares Zeichen, denn „wenn ein Mann und eine Frau das Sakrament der Ehe feiern, dann spiegelt Gott sich sozusagen in ihnen wider, prägt in sie die eigenen Züge und den unauslöschlichen Charakter seiner Liebe ein. Die Ehe ist das Bild der Liebe Gottes zu uns. Denn auch Gott ist Gemeinschaft: Die drei Personen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes leben seit jeher und für immer in vollkommener Einheit. Und eben das ist das Geheimnis der Ehe: Gott macht aus den beiden Eheleuten eine einzige Existenz.“
Das hat sehr konkrete und tägliche Konsequenzen, denn „kraft des Sakraments wird den Gatten eine wahre und eigene Sendung übertragen, damit sie, ausgehend von den einfachen Dingen des Alltags, die Liebe sichtbar machen können, mit der Christus seine Kirche liebt, der damit fortfährt, das Leben für sie hinzugeben“.
Dennoch ist es nicht angebracht, unterschiedliche Ebenen miteinander zu vermischen: Man sollte nicht zwei begrenzten Menschen die gewaltige Last aufladen, in vollkommener Weise die Vereinigung nachzubilden, die zwischen Christus und seiner Kirche besteht, denn die Ehe als Zeichen beinhaltet einen „dynamischen Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes“.
Nach der Liebe, die uns mit Gott vereint, ist die eheliche Liebe die „größte Freundschaft.“ Es ist eine Vereinigung, die alle Merkmale einer guten Freundschaft hat: Streben nach dem Wohl des anderen, Gegenseitigkeit, Vertrautheit, Zärtlichkeit, Festigkeit und eine Ähnlichkeit zwischen den Freunden, die sich im Laufe des miteinander geteilten Lebens aufbaut. Doch die Ehe fügt alldem eine unauflösliche Aus­schließlichkeit hinzu, die sich in der festen Absicht ausdrückt, das gesamte Leben miteinander zu teilen und aufzubauen.
Auszug aus dem nachsynodalen Schreiben Amoris Laetitia (Nr 121ff).

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