VISION 20004/2016
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Der Geist macht lebendig

Artikel drucken Wenn die Wissenschaft den Geist entdeckt (Von Wolfgang Wehrmann)

Aus der Sicht des Materialismus ist Geist ein Phänomen, das seinen Ursprung in der Materie hat. Wirklich sei nur die Materie. Die heute weit verbreitete Gottlosigkeit hat ihre Wurzeln auch in dieser Sichtweise. Dass sie heute auch wissenschaftlich nicht mehr haltbar ist, wissen viele nicht. Darauf weist der folgende Beitrag hin. Er setzt sich mit der Frage auseinander: Gibt es den Geist als eigenständige Größe?

Bevor man die Frage „Gibt es einen Geist?“ zu beantworten versucht, ist zu klären, was man unter dem Begriff Geist versteht. Konsultiert man philosophische und theologische Lexika wird auf die doppelte Herkunft des Begriffes Geist, einerseits aus dem griechischen Denken und andererseits aus den biblischen Zeugnissen, hingewiesen.
Dementsprechend ist die geschichtliche Entwicklung des Begriffes Geist in Theologie und Philosophie unterschiedlich. Die Philosophie entfaltet diese Entwicklung wesentlich vielseitiger als die Theologie, da es angefangen mit den griechischen Philosophen bis in die Gegenwart unzählige philosophische Schulen gibt, die jeweils oft nur geringfügig variierende spezifische Ausprägungen für den Begriff Geist gebildet haben. Es ist an dieser Stelle weder Aufgabe noch möglich darauf näher einzugehen.    
Gibt es einen Geist? Die Philosophie geht generell von einer Dualität des Seins, in Form von Materie und Geist, aus. Als Erkenntnismittel lässt sie offiziell nur die Vernunft zu, wird aber in der Metaphysik und den apriorischen Erkenntnissen vom Glauben, wenn auch oft verdeckt, teilweise berührt. Jedenfalls ist zu vermuten, dass die Existenz von Geist mit der Vernunft zu erkennen möglich ist und die Philosophie unter Geist einen prinzipiell anderen Modus des Seins als die Materie versteht. Diese alte Weisheit ist Stand auch der heutigen philosophischen Wissenschaft.
Im Gegensatz zu Philosophie und Theologie hat sich in den Naturwissenschaften bezüglich der Frage „Gibt es einen Geist?“ in der Bewertung des Begriffes und dessen Bedeutung durch erkenntnistheoretische Durchbrüche im 20. Jahrhundert Wesentliches geändert.
Die Naturwissenschaften beschränkten sich bei ihrer Erkenntnis bisher auf die Materie und waren daher im Erkenntnisbereich des Geistes nicht kompetent. In der Quantenphysik kommt aber die Physik und in der Informations- und Signaltheorie die Technik an die Grenze zwischen Materie und Geist und erkennt, dass es jenseits dieser Grenze noch etwas anderes als Materie geben muss. Eine Physikergruppe um den Nobelpreisträger Murray Gell-Mann hat im Jahre 1964 dieses Andere mit Hilfe von Geisterteilchen sogenannten „Quarks“ beschrieben und die Materie als Ergebnis aus diesem ontologischen Modus „Geist“ offiziell entdeckt. Damit hat die moderne Physik die Existenz von Geist nachgewiesen.
Diese Dualität des Seins in Form von Materie und Geist wurde schon viel früher von C. E. Shannon, einem amerikanischen Nachrichtentechniker, in seiner von ihm im Jahre 1948 gegründeten Informationstheorie wissenschaftlich erkannt und beschrieben. Die Informationstheorie ist eine relativ neue Disziplin der technischen Wissenschaften und bestätigt, dass Information eine komplexe Wirklichkeit ist, die aus einer äußeren materiellen Form, daher der Name, und einem ideellen (geistigen) Inhalt besteht. Die Informationstheorie hat damit klargestellt, dass Geist existieren muss.
Die Wissenschaften über Natur und Technik haben in der Zwischenzeit erkannt, dass sie ihre monomodale Auffassung bezüglich der Erscheinungswirklichkeit aufgeben und durch eine duomodale ersetzen müssen. Die Technik betrachtet, schon länger als die Naturwissenschaft, die Natur als komplexe Wirklichkeit und verwendet bei den technischen Beschreibungen, Berechnungen und Dimensionierungen ihrer Systeme komplexe Formeln. Sie bestehen aus reellen Zahlen und einem imaginären Teil.
Für die Techniker besitzt die Natur einen Real- und einen Imaginärteil, also einen materiellen und einen geistigen Anteil, die zusammen eine komplexe Wirklichkeit bilden. Analog dachten Platon in seiner „Ideenlehre“ und der bekannte Philosoph Immanuel Kant mit seiner Lehre vom „Ding an sich“. Kant sprach neben einer phänomenalen Wirklichkeit, wie wir sie sehen, auch von einer noumenalen Wirklichkeit, wie sie wirklich ist.
Es gibt aber noch einen zweiten wissenschaftlichen Zugang zu der Erkenntnis, dass es Geist geben muss und zwar über das Phänomen Leben. Die Existenz von Leben ist eine allgemein anerkannte Tatsache.
Aus der technischen Signaltheorie weiß man, dass es letztlich nur zwei eigentümliche Arten von Vorgängen gibt. Ein Vorgang (Prozess) kann entweder vorherbestimmt oder zufällig ablaufen. In der Fachsprache nennt man sie deterministische bzw. stochastische Prozesse. Mischformen sind keine eigentümlichen Arten im signaltechnischen Sinn.
Wenn ein Prozess nicht zufällig abläuft oder ablaufen kann, dann muss er ein vorherbestimmter sein. Vorherbestimmung ist Planung. Es gibt keine Planung ohne Geist, und hinter einem solchen Geist muss ein Planer, eine Person, stehen.
Wenn man nachweisen kann, dass Leben nicht zufällig entstehen kann, muss es durch einen vorherbestimmten Prozess entstehen, der mit Geist zu tun hat. Dieser Umstand ist ein Beweis für die Existenz von Geist. Die Zellbiologie spricht in diesem Zusammenhang von ideellen Regulativen.
Der Polymerchemiker Bruno Vollmert beweist in seinem Buch Die Entstehung der Lebewesen in naturwissenschaftlicher Sicht, dass aus Sicht der Polymerchemie (Chemie des Lebens) und der Zufallstheorie Leben trotz Mutation und Selektion nicht nach den Gesetzen des Zufalls entstehen kann, weil die Voraussetzungen für die Realisierung einer solchen Evolution auf unserer Erde und im gesamten Universum nicht gegeben sind.
Im Sinne der technischen Signaltheorie muss daher die Entstehung des Lebens ein vorherbestimmter Prozess sein. Die geistgeführte Schöpfung des Lebens ist die einzige vernünftige Alternative zum Zufall. Dazu braucht es einen Schöpfergeist, den die Theologie Gott nennt.
Man kann Gott mit der reinen Vernunft nicht beweisen, denn Gott ist der Quell- und Urgrund des Seins, liegt aller Wirklichkeit voraus und übersteigt alles vom Menschen Beweisbare. Das wusste schon die Scholastik mit Thomas von Aquin. Aber der Mathematiker Kurt Gödel und der Philosoph Sergej Galvan haben im 20. Jahrhundert wissenschaftlich begründet, dass man bei intellektueller Redlichkeit die zwingende Plausibilität und damit die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes und der Wahrheit nachweisen kann.
Damit ist in der erforderlichen Kürze klargestellt, dass es Geist gibt, dass Leben mit Geist zu tun hat und daher durch Schöpfung entstanden sein muss und dass Materie aus Geist gemacht ist, wie es in der Bibel im Buch Genesis (1. Kapitel) steht. Das sind heute nicht nur Glaubenssätze wie früher, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse, die die Wissenschaftler zwar kennen, aber häufig aus ideologischen Gründen verschweigen.

Der Autor ist Honorarprofessor an der TU-Wien und emer. Professor an der Hochschule in Heiligenkreuz.

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