VISION 20003/2017
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Die selbst gemachte Religion

Artikel drucken (Constanza Miriano)

Versuchen Sie einmal, wenn Sie zum Nachtmahl eingeladen sind, zu erklären, es missfiele Ihnen sehr, wenn durch Elektroschock Tiere getötet werden, um ihren Pelz zu verarbeiten. Aber weitaus mehr beängstige Sie, dass Kinder im Schoß ihrer Mütter zerstückelt werden und dies als Errungenschaft, die Misshandlung von winzigen Hermelinen jedoch als Barbarei angesehen werde. Sie werden erleben, wie sich eisiges Schweigen unter den Tischgenossen breitmacht.
Oder versuchen Sie zu erklären, dass biologische Nahrung sicher eine gute Sache sei, dass Ihnen aber die Manipulation an den Embryonen viel größere Sorgen bereite als die genetische Veränderung von Pflanzen…
Ich bin überzeugt: Der Mensch, der sich von Gott abwendet, braucht dennoch eine Art Religion. Daher muss er sich selbst eine zurechtlegen – und sei sie noch so künstlich, unvernünftig, irreal. Es ist so, als habe er das diffuse Gefühl, es sei für den Menschen nicht gut, ohne höhere Bezugspunkte dazustehen.
Daher schafft er sie sich, indem er die eigenen Vorstellungen verabsolutiert, sie mit der Würde von Glaubenssätzen umgibt. Und so gibt es einige Leitsätze dieser merkwürdigen, von Menschen selbst gemachten Religion, über die es extrem schwierig ist, in ein Gespräch einzutreten. Und ich frage mich, ob es überhaupt nützlich ist.
Ein befreundeter Priester hat einmal gesagt: Beim Anblick eines verlotterten Hauses gibt es zwei Möglichkeiten: den Eigentümer auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen, ihn zu kritisieren, ihm Vorwürfe machen, usw… – oder man kann ihm vor Augen führen, wie schön es ist, in einem gepflegten Haus zu leben.
Wir Christen müssen überzeugender wirken als die anderen. Das geht aber nur, wenn wir selbst überzeugt sind. Wenn unser eigenes Haus schön und sauber ist, wenn man dort gute Luft atmet und fröhlich lebt.
Macht es dann überhaupt noch Sinn, sich zu ereifern, dass andere Häuser hässlich, dreckig, traurig, übelriechend sind? Sollten wir nicht eher ihretwegen traurig sein? Und die Betroffenen zu uns einladen?
Wir Katholiken müssen neue Wege finden, um die Dogmen des politisch Korrekten in Frage zu stellen, neue Wege, um unsere Kinder vor den verqueren Informationen zu schützen, die ihnen in der Schule vorgesetzt werden.
Ihr Beitrag ist ein Auszug aus Il Timone, Jänner 2014

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