VISION 20003/2017
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Der Glaube: drei Perspektiven

Artikel drucken Der Koran, die Kirche – und ein Mörder (Christof Gaspari)

Drei sehr unterschiedliche Bücher haben mich während der letzten Wochen begleitet. Besonders erstaunt war ich über Good Bye Mohammed, verfasst von Norbert G. Pressburg, ein Pseudo­nym, das sicher wegen der im Buch gemachten Behauptungen Sinn macht. Ein Leser hatte es mir nach der Lektüre des Interviews mit Abdel-Samad in der letzten Nummer geschickt.
Der Autor zweifelt darin schlicht und einfach die Grundlagen des Islams an: nämlich dass Mohammed – so er überhaupt gelebt hat – Urheber des Korans ist; dass der Koran Ergebnis überirdischer Eingebung ist; dass er ursprünglich in arabischer Sprache verfasst worden ist; dass die Hadithen authentisch das Leben Mohammeds erzählen; dass die ersten Kalifen Muslime gewesen sind… „So wie diese Frühgeschichte aus traditionell-islamischer Sicht beschrieben wird, hat sie mit Sicherheit nicht stattgefunden,“ fasst der Autor das Ergebnis zusammen. Aus den ersten Jahrhunderten, die dem Islam zugeschrieben werden, gebe es keine Belege für dessen Existenz. Ein Buch, dessen Aussagen total gegen die gängige Islamforschung steht.Also zum Vergessen? Nein, denn der Autor kann interessante Fakten ins Treffen führen. Allein die Tatsache, dass der Koran „nur so von Fremdwörtern aus dem Syro-Aramäischen, Persischen, Griechischen und Hebräischen“ wimmelt, ist verdächtig bei einem Buch, das man authentisch nur auf Arabisch verstehen könne. Auf Aramäisch, der im vorderasiatischen Raum zunächst dominierenden Sprache, gelesen, bekommen manche Stellen erst Sinn oder verändern die derzeit gängige Lesart total. Besonders anschaulich: Es mutieren die den Märtyrern im Paradies verheißenen Jungfrauen zu „herabhängenden Früchten, die noch niemand angerührt hat“.
Auch das muslimische Heiligtum in Jerusalem, der Felsendom, wird „entzaubert“. „Gebaut wurde der Felsendom sicher nicht als Moschee, sondern als Kirche. Aber nicht als Kirche für den Alltag, vielmehr bezeichnete der Felsendom (…) den Ort, wo der Erlöser herabsteigen würde.“ Sein Erbauer Abd al-Malik, den die muslimische Tradition als Kalif führt, müsse nämlich laut historischem Befund (z.B. Münzprägungen) eindeutig Christ gewesen sein. Und das originale Schriftband im Dom – Muslime deuten es auf Mohammed – enthalte bei genauerem Hinsehen das Glaubensbekenntnis Abd al-Maliks: das Bekenntnis zu Jesus Christus, jedoch in häretischer Form: Jesus nicht als eine der göttlichen Personen der Trinität.
Soweit zur Illustration dieser Infragestellung des Islams auf 252 Seiten. Spannend, recht gut verständlich, wenn auch nicht so zu lesen wie ein Krimi.
Wie ein Krimi hingegen liest sich das zweite Buch: Du musst dran glauben – Vom Mörder zum Menschenretter, die Lebensgeschichte von Torsten Hartung (siehe auch S. 9 Vision 2/17 und Portrait 3/09). Der Autor beschreibt darin seine Jugend, die fehlende Geborgenheit daheim, die Wutausbrüche des Vaters, das Desinteresse der Mutter –ideale Voraussetzungen dafür, dass er auf die schiefe Bahn geriet: Schon mit 15 entwickelt er sich zum Schläger und Kleinkriminellen, der bald auch mit den Behörden in der DDR in Konflikt gerät. Mit 17 geht er erstmals in den Knast.
Hochintelligent, willensstark, skrupellos und phantasiebegabt bringt Hartung alle Voraussetzungen für eine außergewöhnliche Verbrecherkarriere mit, allerdings erst im Westen Deutschlands. Dort werden zunächst polnische Autohändler ausgeraubt – sehr ertragreich. Und dann steigt er ins große Geschäft ein: Autos werden geknackt und lukrativ in die Länder des ehemaligen Ostblocks verschoben: Finanziell ein unsagbarer Hit.
Als einer seiner Mitarbeiter versucht, ihn zu hintergehen, legt er ihn kaltblütig um. Bezeichnend wie er seine damalige Verfassung beschreibt: „Es klingt hart, aber ich habe damals nichts empfunden. Keine Reue, keine Schuld, einfach nichts. Dieter war mir total egal… Abends haben wir dann noch zusammengefeiert, richtig gesoffen.“
Schließlich wird er wegen einer „Kleinigkeit“, Drogenkonsum, verhaftet. Sein „Autohandel“ fliegt auf. Es folgt jahrelange Einzelhaft – und Hartung beginnt über sein Leben nachzudenken, er durchlebt „eine Achterbahn der Gefühle“ mit schweren depressiven Schüben. Endlich keimt auch Reue in ihm auf. Am 15. Mai hat Torsten sein „Damaskus-Erlebnis“ – unfassbar, wie Gott sich mit zärtlicher Liebe diesem so verdorbenen Menschen offenbart und ihn an sich zieht.
Mit welcher Konsequenz und Disziplin Hartung den Weg der Umkehr von da an verfolgt, ist lesenswert. Das überlasse ich Ihrer Lektüre, liebe Leser. Heute hilft Torsten Strafentlassenen, wieder Fuß zu fassen.
Nun aber kompletter Szenenwechsel zum dritten Buch: Peter Egger, bekannt durch seine zahllosen Vorträge  – auch in Radio Maria oder K-TV – mit Lehraufträgen in Brixen und Heiligenkreuz, hat kürzlich ein Buch veröffentlicht: Kirchengeschichte – Licht und Schatten. Meine Reaktion, als ich das erfuhr: Endlich ein Blick auf die Geschichte von einem, der die Kirche liebt, eine Sichtweise also, die sich nicht darauf beschränkt, in deren Wunden zu wühlen.
Erstaunlich, wie es Egger gelingt, auf 271 Seiten einen Bogen vom Leben Jesu bis zu den Erneuerungsbewegungen der jüngsten Vergangenheit zu schlagen. Er schafft das, weil er in gewohnt gekonnter Weise kurz und prägnant zu formulieren versteht.
So werden etwa das 1. und das 2. Vatikanische Konzil auf jeweils vier Seiten in kurzen Paragraphen abgehandelt, die Gegenreformation auf fünf Seiten. Und man erfährt dabei eine Menge, denn die Absätze – jeder mit einem Titel versehen – enthalten dichte Info. Auf diese Weise bekommt der Leser tatsächlich einen guten Überblick über die wichtigsten Phasen und Ereignisse in der 2000-jährigen Geschichte der Kirche.
Beim Lesen habe ich mir natürlich öfter gedacht: Schade, dass über dieses oder jenes interessante Geschehen nur so wenig hier steht, darüber würde ich gern ausführlicher informiert werden. Aber Details lassen sich nun einmal auf diesem beschränkten Raum nicht wiedergeben. Dafür aber bietet Eggers Kirchengeschichte einen umfassenden, fairen Überblick, der keineswegs einen großen Bogen macht um die Schattenseiten der letzten 2000 Jahre dieser einmaligen Institution, in der wir Katholiken den Leib Christi erkennen. Bei vielen wird die Lektüre des Buches den Wunsch wecken, mehr über deren bewegte und bewegende Geschichte zu erfahren.

Good Bye Mohammed – das neue Bild des Islam. Von Norbert G. Pressburg. Books on Demand, 252 Seiten, 19,80 Euro.
Du musst dran Glauben. Vom Mörder zum Menschenretter. Von Torsten Hartung & Christoph Fasel. Adeo. 237 Seiten. 17,99 Euro.
Kirchengeschichte – Licht und Schatten. Von Peter Egger. Media Maria, 271 Seiten, 18,95 Euro.

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